Gemeinden der Region
Mühlacker -  15.11.2019
Artikel teilen: Facebook Twitter Whatsapp
Anzeige

Streitfall Homosexualität: In kirchlichen Kreisen wird das Thema nach wie vor kontrovers diskutiert

Mühlacker. Die Kirche mutig gestalten wollen die Kandidaten Gerhard Keitel, Schulleiter am Seminar von Maulbronn, Lukas Lorbeer, Pfarrer in Zaisersweiher und Schmie sowie Albrecht Noller aus Oberriexingen, die für das Wahlbündnis „Offene Kirche“ und Evangelium und Kirche für den Wahlbezirk Vaihingen/Enz-Mühlacker zur Wahl der Landessynode der Evangelischen Landeskirche in Württemberg am ersten Dezember antreten.

Wollen Kirche mutig gestalten und setzen sich auch für Segnungen von gleichgeschlechtlichen Paaren ein (von links): Gerhard Keitel, Gerhard Ruhl, Albrecht Noller und Lukas Lorbeer. Fux
Wollen Kirche mutig gestalten und setzen sich auch für Segnungen von gleichgeschlechtlichen Paaren ein (von links): Gerhard Keitel, Gerhard Ruhl, Albrecht Noller und Lukas Lorbeer. Fux

So packten sie am Donnerstagabend auch mutig in der Paul-Gerhardt-Kirche in Mühlacker das in der württembergischen Landeskirche umstrittene Thema „Streitfall Homosexualität“ an. Pfiffiger und gut vorbereiteter Referent war Gerhard Ruhl, der ehemalige kommissarische Ephorus des Seminars Maulbronn.

Das Thema Homosexualität sei keine theologische, sondern eine naturwissenschaftliche Frage, so Ruhl, der auf Forschungen verwies, die jene Entscheidungen im vorgeburtlichen Bereich sehen. „Konversionstherapien, meist auf christlicher Basis, schaffen fast immer große psychische Probleme bei den Betroffenen und ihren Familien“, so der Referent, der selbst zwölf Jahre Mitglied der württembergischen Landessynode und sechs Jahre Mitglied der EKD war. Dahinter stehe das Denken, schwul oder lesbisch sei anerzogen, von der Umwelt bedingt und laut Bibel eine Sünde. Schwule und Lesben könnten – wenn sie nur wollten – durch entsprechende Therapien und Einsichten in ihrer scheinbaren Sündhaftigkeit geändert und auf den rechten Weg gebracht werden. Diesem Denken widersprach der Referent entschieden.

Anzeige

Auch von konservativen kirchlichen Strömungen wörtlich genommenen Bibelzitaten, die aus einer anderen Zeit stammten, häufig aus dem Zusammenhang gerissen oder unvollständig widergegeben werden, distanzierte sich der Vortragende. Denn in der Bibel heißt es beispielsweise nicht nur, dass „Wenn ein Mann mit einem anderen Mann geschlechtlich verkehrt, müssen beide getötet werden“, sondern auch, „wer mit einer Frau schläft, die ihre Periode hat, der soll sterben“. Ruhl kritisierte, dass manche Zitate wörtlich und ernstgenommen werden, andere nicht. „Wenn Menschen so geboren werden, wie sie geboren werden, dann sind sie uneingeschränkt Gottesgeschöpfe.“ Nach einem Beschluss der Landessynode vom Frühjahr 2019 dürfen 325 Gemeinden, das ist ein Viertel der Gemeinden in der württembergischen Landeskirche Segnungen von homophilen Paaren zulassen, wenn Dreiviertel der Pfarrer und Dreiviertel des Kirchengemeinderats zustimmen.

Mehr lesen Sie am 16. November in der „Pforzheimer Zeitung - Ausgabe Mühlacker“ oder im E-Paper auf PZ-news.

Autor: Silke Fux