Suche mit Hubschrauber: Turnierpferd galoppiert Richtung A8 bei Pforzheim - wird aber rechtzeitig gefunden
Pforzheim. Ein Turnierpferd gerät in Panik und galoppiert durch das Altgefäll. Polizei und Hubschrauber suchen nach dem Tier – mit glücklichem Ausgang.
Alles war perfekt geplant, und dann passierte ein Unfall, den niemand erleben möchte. Eine Teilnehmerin der 17. Pforzheimer Dressurtage, die mit ihrem Pferd bereits am Mittwoch aus Bremen angereist war, sattelte am Donnerstagmorgen ihren sechsjährigen Fuchs, um sich auf die erste Prüfung vorzubereiten. Doch plötzlich erschrak das junge, temperamentvolle Pferd und begann zu toben. Schließlich verlor die erfahrene Reiterin die Kontrolle und stürzte.
Der große Fuchs geriet daraufhin in Panik. Er galoppierte über den Außenreitplatz und entlang der Stallzelte. Normalerweise suchen Pferde in solchen Situationen die Nähe zu ihren Artgenossen. In diesem Fall überwog jedoch die Panik: Das Tier verließ das Turniergelände, lief ins Altgefäll und schließlich auf die Wurmberger Straße.
Gegen acht Uhr meldeten mehrere Autofahrer der Polizei ein frei laufendes Pferd. Christian Kraus, Vorsitzender des Pforzheimer Reitervereins, berichtet, dass die Polizei schnell und umsichtig reagiert habe.
„Das Pferd ist panisch auf der Straße galoppiert, in Richtung Autobahn“,
- sagt Kraus.
Kurzzeitig wurde deshalb die Autobahn 8 bei Pforzheim-Süd gesperrt. Polizei und Helfer des Vereins verloren zwischenzeitlich den Blickkontakt zu dem Tier, das auf Höhe der alten Nike-Station in den Hagenschießwald abgebogen war. Daraufhin übernahm die Besatzung eines Polizeihubschraubers die Suche aus der Luft.
In dieser Phase wurde auch eine mögliche dramatische Konsequenz angesprochen. Wie Kraus berichtet, machte die Polizei deutlich: Sollte das Pferd auf die Autobahn laufen, hätte es aus Sicherheitsgründen erschossen werden müssen, um Autofahrer nicht zu gefährden.
Währenddessen machten sich Reitsportartikel-Ausstellerin Alexandra Hopfauf, Angelika Serf vom Pforzheimer Reiterverein und die Betreuerin des Turnierpferdes mit einem Pferdeanhänger – zur Verfügung gestellt von Vereinsmitglied Ana Rendes – mit Polizeieskorte auf den Weg in Richtung Nike-Station.
Dann kam die erlösende Nachricht: Der sechsjährige Wallach ist gefunden. Die Hubschrauberbesatzung gab die Koordinaten durch, sodass die Helfer das Tier schnell lokalisieren konnten. Der Fuchs hatte sich in seiner Panik in einem Gestrüpp oberhalb der Autobahn verfangen. Vom Stress gezeichnet und völlig nassgeschwitzt ließ er sich schließlich auf den Anhänger führen. „Das hätte auch anders ausgehen können“, sagt Alexandra Hopfauf später.
Währenddessen hielten die Helfer telefonisch Kontakt mit Christian Kraus. Als der Transporter schließlich am Stallzelt am Heuweg eintraf, war zunächst unklar, wie es dem Pferd ging.
Tierärztin Rika Pültz von der Pferdeklinik Salzhofen in Bretten bereitete sich auf alles vor, als der Ausreißer die Rampe hinuntergeführt wurde. Der Wallach lief etwas wacklig – möglicherweise, weil er auf seiner Tour alle Hufeisen verloren hatte.
Im Stallzelt wurde er sofort von den anderen Pferden mit lautem Wiehern begrüßt. In der Box untersuchte Pültz das Tier gründlich. Zur Sicherheit kam auch Dr. Ulrich Gerweck, Leiter der Klinik Salzhofen, mit einem mobilen Röntgengerät dazu.
Dann folgte das große Aufatmen: Dem sechsjährigen Pferd geht es gut. Bis auf drei kleinere Schnittverletzungen hat sein unfreiwilliger Ausflug keine weiteren Schäden hinterlassen.
Um kurz nach neun Uhr konnte schließlich auch die erste Prüfung der 17. Pforzheimer Dressurtage beginnen. Mit leichter Verspätung. Turniersprecher Roland Kern aus Weilheim war auf der Autobahn im Stau stecken geblieben – mutmaßlich genau in dem, der durch den Pferdeeinsatz entstanden war.
Als er schließlich auf dem Turniergelände eintraf, folgte die nächste Erleichterung: Auch von der Reiterin gab es gute Nachrichten. Sie war mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht worden und hat sich „nur“ einen Knochenbruch zugezogen.
Bleibt zu hoffen, dass bald auch für sie wieder gilt: Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde.
