„THG vs. Wild“: Schüler aus Mühlacker wandern ohne Handy über die Alpen
Mühlacker. 70 Kilometer zu Fuß, bis zu 1200 Höhenmeter pro Tag und Übernachtungen in Selbstversorgerhütten: 16 Schülerinnen und Schüler des Theodor-Heuss-Gymnasiums Mühlacker brechen bald zu einer Alpenüberquerung bis zum Lago Maggiore auf.
Noch ist der Rucksack nicht geschultert. In wenigen Tagen wird er zum ständigen Begleiter. Dann tauschen 16 Schülerinnen und Schüler des Theodor-Heuss-Gymnasiums (THG) Mühlacker ihr gewohntes Zuhause gegen schmale Bergpfade und Selbstversorgerhütten. Vom 19. bis 25. Juli führt ihr Weg vom Schweizer Ort Ulrichen bis zum Lago Maggiore in Italien. Fünf Tage lang wollen sie die Alpen zu Fuß überqueren.
Vom Seminar zum Abenteuer
Hinter der außergewöhnlichen Reise steckt ein Seminarkurs des THG. Unter dem Motto „Neue Pfade finden, Grenzen überwinden“ sollten die Jugendlichen ein gemeinsames Projekt entwickeln. Am Ende fiel die Entscheidung für eine Alpenüberquerung – ein Vorhaben, das sie von der ersten Idee bis zur Finanzierung nahezu vollständig selbst auf die Beine gestellt haben. „Jeder hat eine Idee vorgestellt“, erzählt Pia Glauner aus Dürrmenz. Entscheidend sei am Ende gewesen, dass die gesamte Gruppe hinter dem Projekt stand. „Es ging darum, hinter welcher Idee alle stehen“, ergänzt Mia Jäger aus Dürrn. Intern trägt das Vorhaben den Namen „THG vs. Wild“ – angelehnt an das bekannte Outdoor-Format. Ganz so extrem wird die Wanderung zwar nicht. Doch einfach wird sie ebenfalls nicht.
Rund 70 Kilometer wollen die Jugendlichen zu Fuß zurücklegen. An fünf Wandertagen stehen jeweils etwa 1000 bis 1200 Höhenmeter auf dem Programm. Übernachtet wird unter anderem in Selbstversorgerhütten, man orientiert sich mit der Wanderkarte statt dem Smartphone. Die Handys bleiben während der Wanderung ausgeschaltet. „Wir wollen abends alle zusammensitzen“, sagt Mia. Gerade diese gemeinsamen Stunden gehören für die Gruppe zum besonderen Reiz der Reise. Seit Beginn der elften Klasse arbeiten die Schülerinnen und Schüler an ihrem Projekt. Immer dienstagnachmittags traf sich der Seminarkurs, vieles wurde zusätzlich zu Hause vorbereitet. „Man musste viel Zeit investieren“, sagt Mia. Damit bei der Organisation nichts untergeht, wurde die Gruppe in verschiedene Arbeitsbereiche aufgeteilt. „Es macht jeder was. Niemand sitzt nur rum“, sagt Pia, die zusammen mit Mia für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.
Respekt vor Herausforderung
Nicht alle bringen aber die gleichen Voraussetzungen mit. Viele besuchen zwar den Sport-Leistungskurs, einige haben bereits Wandererfahrung, vereinzelt gibt es aber auch Teilnehmer mit Höhenangst. Eine geplante Probewanderung musste wegen der großen Hitze kurzfristig abgesagt werden. Stattdessen wurden die Rucksäcke probeweise gepackt. Mehr als zehn Kilogramm soll möglichst niemand tragen. Mitgenommen werden deshalb nur die wichtigsten Dinge – darunter Wanderkarten, Porridge und gefriergetrocknete Trekkingnahrung.
Respekt vor der Strecke haben beide Schülerinnen. „Angst habe ich aber nicht“, sagt Mia. Schließlich könne immer etwas passieren – vom Umknicken bis zu Fußproblemen. Für solche Fälle sei vorgesehen, notfalls früher ins Tal abzusteigen. Auch das Wetter könne zur Herausforderung werden. „Es kann heiß und kalt werden“, ergänzt Pia. Begleitet wird die Gruppe von zwei Lehrkräften. Dennoch blickten die Eltern dem Abenteuer mit gemischten Gefühlen entgegen.
„Sie sind zuversichtlich, machen sich aber natürlich schon ein bisschen Sorgen“, erzählt Mia.
Die Lehrer hätten die Tour und die Planungen der Schüler sorgfältig geprüft und alle sicherheitsrelevanten Punkte abgeklärt.
Sponsoren entlasten
Insgesamt kostet das Vorhaben rund 6650 Euro. Ursprünglich sollte jeder Teilnehmer rund 250 Euro selbst beisteuern. Dank Sponsoren wie Johann’s Imbiss, den Stadtwerken Mühlacker, Delker Optik und der Fahrschule NoLimit sowie weiterer Unterstützung aus den Familien sank der Eigenanteil auf etwa 150 Euro.
Am 19. Juli geht es schließlich mit dem Zug in Richtung Schweiz. Eine möglichst nachhaltige Anreise war der Gruppe wichtig, deshalb fiel die Wahl bewusst auf die Bahn. Fünf Tage später soll die Gruppe den Lago Maggiore erreichen, ehe am 25. Juli die Rückreise nach Mühlacker ansteht. Ihre Erlebnisse wollen die Jugendlichen anschließend in einem Video festhalten. Noch wichtiger dürfte für viele aber die Erfahrung sein, gemeinsam ein Projekt verwirklicht zu haben, das sie über Monate hinweg geplant und organisiert haben.
