THW trainiert für kommende Krisen
Niefern-Öschelbronn. Bei einer großen Übung sind rund 400 Einsatzkräfte aus ganz Baden-Württemberg vier Tage lang in Niefern-Öschelbronn.
Ratternd arbeitet sich der Bagger vor. Schaufel für Schaufel wird die geschotterte Fläche größer. Später, wenn sie mit der Rüttelplatte verdichtet ist, sollen auf ihr mehrere Container stehen. Nicht dauerhaft, sondern nur für etwas mehr als einen Tag, gewissermaßen zur Probe. Denn die Baggerarbeiten im Wald bei Niefern-Öschelbronn sind Teil einer großangelegten Übung, bei der das Technische Hilfswerk den Katastrophenfall simuliert: mit rund 400 Einsatzkräften und mehr als 100 Fahrzeugen aus ganz Baden-Württemberg, teilweise in Zusammenarbeit mit Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei.
„In der Größe ist das ein Novum“, sagt Moritz Geppert. Der Ortsbeauftragte ist der Kopf des THW in Niefern-Öschelbronn und seit rund anderthalb Jahren zusammen mit Zugführer Fabian Kettenbach damit beschäftigt, die Übung vorzubereiten. Mehr als 1000 Stunden hat jeder von ihnen investiert, ehrenamtlich, zusätzlich zum normalen Dienst. Sie wissen, dass die Einsätze immer komplexer werden, dass sich die Technik weiterentwickelt und insbesondere Unwetterereignisse zunehmen.
Geppert spricht mit Blick auf die Großübung von einer technischen Meisterleistung: nicht nur für das THW, sondern auch für die Gemeindeverwaltung, die „vorbildliche Unterstützung“ geleistet habe. Etwa durch das Anordnen von mehreren Dutzend Halteverboten, damit die großen Fahrzeuge durch die Straßen kommen. Oder durch das Bereitstellen von Infrastruktur und Räumlichkeiten. Fast alle kommunalen Gebäude werden am Wochenende für die Übung genutzt, auch die Steighalle in Öschelbronn, hinter der unzählige Zelte stehen, alle in Reih und Glied, alle mit Heizung und Feldbetten.
Wochenlang könnte man dort autark leben, ohne Hotels und Caterer. An Fronleichnam war der Aufbau des sogenannten Bereitstellungsraums die erste große Aufgabe für die Einsatzkräfte. Die viertägige Übung bringt ihnen laut Geppert ein „sehr anspruchsvolles Szenario und sehr lange Tage“, aber auch die Chance, sich zu vernetzen und die Kameradschaft zu pflegen.
„Alle sind sehr motiviert dabei und zeigen einen hohen Einsatzdienst.“ Alle, das sind rund 400 Ehrenamtliche von 20 Ortsverbänden aus ganz Baden-Württemberg, vor allem aus dem hiesigen Regionalbereich, zu dem unter anderem der Enzkreis, Pforzheim, Baden-Baden, Rastatt, Waghäusel und Dettenheim gehören.
Geübt wird oft in gemischten Teams, mit Kameraden, die man nicht kennt. „Die Kollegen wissen vorher nicht, was auf sie zukommt“, sagt Melanie Furch, die in der Regionalstelle für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist und weiß, dass sich die Ortsverbände darauf freuen, das Gelernte in einem größeren Kontext anzuwenden. Denn die Aufgaben sind inzwischen so komplex, dass nicht jeder alles abdecken kann. Die meisten Ortsverbände haben einen Zugtrupp und eine Bergungsgruppe, zudem mindestens eine spezialisierte Fachgruppe, etwa für die biologische Ortung mit Suchhunden, für die Elektroversorgung oder die Logistik.
Ihnen gibt die Übung die Möglichkeit, ihr Handeln noch besser aufeinander abzustimmen. Das Geschehen erstreckt sich auf rund 30 Einsatzpunkte, von denen die meisten auf Gemarkung Niefern-Öschelbronn liegen, einige auch im östlichen Enzkreis, etwa in Illingen oder Enzberg. Geübt wird so realitätsnah wie möglich, teilweise mit Ehrenamtlichen des Roten Kreuzes, die Verletzte spielen.
Es geht um einen Gefahrgutunfall, das Sprengen einsturzgefährdeter Bäume, das Retten aus Trümmern und um die Bekämpfung von Waldbränden, Letzteres in Kooperation mit einigen Feuerwehren aus dem Enzkreis, die phasenweise ebenso in das Übungsgeschehen eingebunden sind wie Rettungsdienste, die Polizei und der Führungsstab des Landratsamts. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Aus- und Fortbildung, bei der die Ehrenamtlichen unter anderem einen Behelfskran aus Holz bauen, das Zusammenwirken von Fahrzeugen wie Teleskoplader und Kettenbagger testen oder die weiterentwickelten Faltbehälter mit einem Fassungsvermögen von 24.000 Litern kennenlernen.
Ihre Mahlzeiten bekommen sie nicht von einem Caterer, sondern von der Fachgruppe für Logistik und Verpflegung, die kalorienreich und deftig kocht, damit den Einsatzkräften bei der Arbeit die Kraft nicht ausgeht. Pulled Pork steht ebenso auf der Speisekarte wie Linseneintopf und Spaghetti Bolognese. „Die klassische Gulaschkanone gibt es schon lang nicht mehr“, sagt Maximilian Bretter, der Zugführer des Ortsverbands Künzelsau ist und während der Übung als Gruppenführer die Küche leitet. Über die vier Tage bereiten er und seine sechs Kollegen knapp 3.000 Mahlzeiten zu, immer mit und ohne Fleisch, in einer Feldküche, die ursprünglich von der Bundeswehr stammt. Am Ende des Wochenendes haben sie rund 1,8 Tonnen Lebensmittel verarbeitet, darunter allein 75 Kilogramm Nudeln. Bretter weiß: „Die Stimmung steigt und fällt mit dem Essen.“
