„Talente im Land“ fördert begabte Schüler: Zwei Jugendliche erhalten Stipendium der BW-Stiftung
Pforzheim. Ein Stipendium, das begabte Schüler aus Baden-Württemberg fördert, die „auf dem Weg zum Abitur Hürden zu überwinden haben“: So beschreibt die Baden-Württemberg-Stiftung das „Talente im Land“-Programm in einer Pressemitteilung.
Die Förderung des neuen Jahrgangs begann bereits am 1. September und bietet insgesamt 56 Schülern eine finanzielle Unterstützung. Auch zwei Pforzheimer Jugendliche werden im Rahmen dieses Programms begünstigt: der 16-jährige Marius Younan und der 17-jährige Adham Alnakeshbandi, beide Schüler am Hebel-Gymnasium.
Neben der finanziellen Förderung ist auch die persönliche Beratung Teil des Programms. Die insgesamt 56 Jugendlichen sind 13 bis 21 Jahre alt, kommen unter anderem aus Syrien, der Ukraine, Iran oder Saudi-Arabien. Der Großteil der Stipendien werde durch die Baden-Württemberg-Stiftung sowie die Josef Wund Stiftung getragen, drei zusätzliche Programme werden durch die Menold-Bezler-Stiftung und eines durch die Elisabeth Stiftung bereitgestellt.
Der Wunsch nach einem friedlichen Leben sowie die Verfolgung, die ihnen in ihrem Heimatland, dem Irak, drohten, zwang die Eltern von Marius Younan nach Deutschland.
Vater als Alleinverdiener
Der 16-jährige Schüler, der sein Abitur anstrebt, erzählt im PZ-Gespräch von den Problemen, mit denen er in den vergangenen Jahren konfrontiert war: Eine der größten Herausforderungen stellte in der Vergangenheit die finanzielle Situation der Familie des in Deutschland geborenen Jugendlichen dar. „Da mein Vater Alleinverdiener ist, ist es für meine Eltern besonders schwierig, auf alle Kinder gleichzeitig zu achten und auf ihre individuellen Wünsche einzugehen“, sagt der 16-Jährige, der drei ältere und zwei jüngere Brüder hat.
Durch das Stipendium habe er die Möglichkeit, sich seine Weiterbildungskurse selbst zu organisieren: „Dadurch entlaste ich meine Eltern sehr.“ So habe er sich unter anderem Lernhefte gekauft, zum Beispiel für das Fach Mathematik, zusammen mit Informatik seine große Leidenschaft. In welcher Branche er später einmal tätig sein will, hat er sich bereits jetzt genau ausgemalt: Ein duales Studium bei einem IT-Unternehmen ist sein großer Traum. Außerdem eröffne ihm das Stipendienprogramm vielfältige Optionen, darunter, eigene IT-Projekte umzusetzen: zum Beispiel ein Bestellsystem für die Schulcafeteria.
Auch außerhalb des Schullebens ist der 16-Jährige sehr engagiert: Er ist ehrenamtlich als Ministrant in der Pfarrgemeinde Liebfrauen tätig und hat bis vor kurzem noch Fußball beim SV Huchenfeld gespielt. Zudem ist Marius politisch interessiert: So will er demnächst ein Wochenendseminar zum Thema Grundgesetz belegen.
Große Sprachbarriere
Ähnliche Interessen hat auch Adham Alnakeshbandi. Der 17-Jährige spielt nicht nur gerne Tennis, sondern interessiert sich zudem für die Konflikte dieser Welt und den Klimawandel. Sein großer Traum: das Medizinstudium, um als Arzt Menschen in anderen Ländern zu helfen. Doch der Weg dahin war für den Jugendlichen, der 2015 aus Syrien nach Deutschland flüchtete, nicht einfach: „Als ich vor neun Jahren nach Deutschland kam, stand ich vor vielfältigen Herausforderungen, insbesondere der Sprachbarriere“, erzählt er im PZ-Gespräch. Eine Hürde sei zudem das neue Schulsystem gewesen.
Zuerst führte ihn sein Weg nach Crailsheim, wo er nach der Grundschule ein Gymnasium besucht habe. Diese Zeit sei geprägt gewesen, so Alnakeshbandi, von „intensivem Einsatz und Wachstum, sowohl persönlich als auch schulisch“. Vor rund einem Jahr kam er dann nach Pforzheim, fand schnell Anschluss in seiner neuen Klasse am Hebel-Gymnasium. Auch außerhalb der Schule engagiert sich der Jugendliche vielfältig: Er hilft arabischsprachigen Menschen bei Arztterminen oder Übersetzungen, unterstützt andere Jugendliche bei den Hausaufgaben.
Über die Möglichkeiten, die ihm das Stipendium gibt, freut sich der 17-Jährige: „Das ,Talent im Land‘-Stipendium ist für mich eine Quelle der Inspiration und der Möglichkeit, nicht nur finanziell, sondern auch persönlich zu wachsen“, sagt Alnakeshbandi stolz. Doch für ihn sei das Programm mehr als nur finanzielle Unterstützung: „Es ist eine Gemeinschaft, in der ich mich eingebunden fühle.“ Denn die Stiftung ermögliche ihm, nicht nur seine eigenen Herausforderungen zu meistern, sondern auch, anderen zu helfen.
