Talhubenfest: Unterreichenbacher erwecken am Wochenende ihre alte Flößertradition zum Leben
Unterreichenbach. Als im 14. Jahrhundert die Pforzheimer Flößerkolonie Au, das Zentrum der Flößerei auf Enz, Nagold und Würm, niederbrannte, ließen sich viele Pforzheimer Flößerfamilien in Unterreichenbach nieder. So wurde das Dorf zu einem wichtigen Flößerort.
Manche jungen Flößerknechte reisten auf den Gefährten sogar bis nach Rotterdam. Meist gingen sie jedoch in Bietigheim oder Heidelberg vom Floß, ließen sich auszahlen und traten zu Fuß den Heimweg an. In die Zeit der Flößer werden die Besucher am Samstag und Sonntag beim Talhubenfest zurückversetzt, das alle drei Jahre in Unterreichenbach stattfindet. „Es ist mein erstes Talhubenfest als Unterreichenbacher Bürgermeister“, sagt Lukas Klingenberg und macht keinen Hehl daraus, aufgeregt zu sein. Als Besucher war er schon oft dabei. Seine Kinder durften einmal sogar die Startraketen zünden.
Höhepunkte werden Schaufahrten der Unterreichenbacher Talhubenflößer und eine Nachtfahrt mit Fackelbeleuchtung am Samstag um 22.30 Uhr mit anschließender Lasershow.
„Vor zwei Wochen haben wir beschlossen aufgrund der Trockenheit auf ein Feuerwerk zu verzichten“,
so Klingenberg, der sich stattdessen nun auf die Lasershow freut.
Am Samstag gegen 14.30 Uhr werden die Flößer, die ihr 100 Meter langes Originalfloß im Monbachtal zu Wasser lassen, gemeinsam mit Bürgermeister Klingenberg am Kurt-Fischer-Weg erwartet. Danach wird das Fest mit einem Fassanstich auf dem Schulhof eröffnet. Auf der Flößerbühne spielt um 16.30 Uhr das Schlagzeugensemble „FAB4“, um 18 Uhr „Herb & Tom“ unplugged. Um 19 Uhr folgt eine weitere Floßfahrt, um 21 Uhr betritt die Band „Incorrect“ die Bühne. Auch für Kinder gibt es Floßfahrten und weitere Angebote. Führungen im Flößer- und Dorfmuseum starten am Samstag um 17 Uhr und am Sonntag um 14 Uhr. Der Sonntag beginnt um 10 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst im Festzelt des Musikvereins.
Ab 11 Uhr ist Festbetrieb und Tag der offenen Tür bei der Tagespflege des Deutschen Roten Kreuzes. Um 11.30 Uhr folgt eine Floßfahrt. Die rasante Abschlussfahrt durch die Wehranlage gibt es gegen 17.30 Uhr. Gemeinde, Vereine, Organisationen und auch die PZ (siehe Extra-Text) sind im Flößerdorf dabei. Neben Schau- und Floßfahrten gibt es ein buntes Programm für Groß und Klein sowie Kulinarisches. Froh ist der Bürgermeister, dass die Nagold derzeit genügend Wasser führt. Denn auch beim Naturschutz muss alles passen. Das Floß darf nicht vor dem 1. September die Fluten hinuntergleiten. Deshalb findet das Talhubenfest dieses Wochenende statt. Seinen Namen verdankt es einer Flößertechnik. Die Holzstämme wurden zusammengebunden und talabwärts getrieben. Als Talhuben wird auch ein Talbecken bezeichnet, in dem die Flößer ihre Stämme zu Gestören und Flößen zusammenbanden. In der Zeit des Niedergangs der Flößerei lebten noch vier Flößerfamilien im Dorf. Einer der letzten seiner Zunft starb 1919. Karl Haisch vom Mühlenhof berichtete von der letzten Floßfahrt, die er als junger Bursche 1911 auf der Nagold. Zwei Jahre später fuhr auch auf der Enz das letzte Floß. Damit endete das Flößergewerbe im Schwarzwald. Die Eisenbahn hatte es abgelöst.
