Tiefe Erdlöcher und eiszeitliche Spuren: Auf der Suche nach Naturwundern in der Region
Enzkreis/Pforzheim/Kreis Calw. Das „Naturwunder des Jahres 2026“ suchen derzeit die Heinz Sielmann Stiftung und der Deutsche Wanderverband. Bis zum 27. September können Naturinteressierte online für einen von neun nominierten Naturorten in Deutschland abstimmen – vom Steinzoo im Zittauer Gebirge über die Bruchhauser Steine in Nordrhein-Westfalen bis zu den Saalfelder Feengrotten in Thüringen. Pforzheim, der Enzkreis und der Nordschwarzwald sind bei der Wahl nicht vertreten. Dabei muss man gar nicht weit reisen, um erstaunliche Landschaften, seltene Lebensräume und außergewöhnliche geologische Formationen zu entdecken. Die PZ stellt acht Naturwunder vor der eigenen Haustür vor.
Volzemer Steine
Ungewöhnliche Felsen im sonst flachen Gelände finden sich bei Neuenbürg: Die „Volzemer Steine“ – der Große und der Kleine liegen knapp 200 Meter auseinander – sind laut der Internetseite der Gemeinde Dobel Überreste ehemaliger Felswände. Durch geologische Verwerfungen und Verwitterungsprozesse wurde ihnen förmlich „der Boden unter den Füßen entzogen“. Früher wurden aus dem feinkörnigen Buntsandstein Mühlsteine gefertigt. Wegen ihrer Ähnlichkeit mit hochwertigen französischen Mühlsteinen aus der Champagne – und wegen ihres Glitzerns – wurden die Felsen auch „Champagnersteine“ genannt, heißt es auf der Internetseite der Gemeinde Dobel.
Wo: Östlich von Dennach, nahe Dobel. Die Großen und Kleinen Volzemer Steine liegen knapp 200 Meter voneinander entfernt im Wald und sind über ausgeschilderte Wanderwege erreichbar.
Enzschleife bei Mühlhausen
„Eine der schönsten und spektakulärsten Landschaftsformen im Enzkreis“ – so bezeichnet ein Faltblatt der Staatlichen Naturschutzverwaltung Baden-Württemberg die Felsengärten bei Mühlhausen. Zwischen Mühlacker und Vaihingen hat sich die Enz in mehreren Schleifen 70 Meter tief in den Muschelkalk gegraben. Ihren Namen verdanken die „Felsengärten“ einer 15 Meter hohen und 600 Meter langen Felswand, die zwischen den Weinbergen steil emporragt. Doch die Felsengärten sind nicht nur geologisch bemerkenswert. Felsen, Magerrasen, Gebüsche, Trockenmauern, Wiesen und Weinberge bilden auf engem Raum ganz unterschiedliche Lebensräume. Den besten Eindruck von diesem Naturwunder bekommt man von oben: Vom ausgeschilderten Enztalblick zwischen Mühlhausen und Roßwag lässt sich die große Schleife mit ihren steilen und flachen Hängen besonders gut erkennen.
Wo: Nördlich von Mühlhausen. Besonders gut lässt sich die Enzschleife vom ausgeschilderten Enztalblick zwischen Mühlhausen und Roßwag überblicken. Wanderwege führen durch die Weinberge und zu den Felsengärten am Prallhang der Enz.
Bärlochkar
Ein Märchen aus Moos, Bäumen und umgestürzten Stämmen: Im Bärlochkar bei Enzklösterle hüpfen vielleicht keine Feen – aber das Abenteuer über Wurzeln, Riesenrutschen und die Quelle der Enz verzaubert Wanderer. Das Große und das Kleine Bärlochkar bei Enzklösterle entstanden während der letzten Eiszeit vor mehr als 10.000 Jahren. Hängegletscher und mitgeführtes Gesteinsmaterial formten die charakteristischen Mulden in den Berg. Der 100 Hektar große Bannwald wird seit 1997 als Totalreservat sich selbst überlassen.
Wo: Südwestlich von Enzklösterle im Nordschwarzwald. Der rund 3,2 Kilometer lange Urwalderlebnisweg Bärlochkar führt vom Ort durch den Bannwald und zu den eiszeitlich geprägten Karen.
Lettenbachklinge
Zwischen „mächtigen, moosbewachsenen Buntsandsteinblöcken“ hindurch suche sich die Lettenbachklinge einen Weg ins Würmtal, schreibt die Stadt Pforzheim auf ihrer Internetseite. Ein kleiner, zeitweise sogar trockenfallender Bach hat dort also über Jahrtausende eine Schlucht in den Buntsandsteinhang gegraben. Die feuchte und schattige Schlucht mit ihren „grünen Moospolstern“ ist nicht nur landschaftlich reizvoll, sondern auch ein besonderer Lebensraum. Zu ihren Bewohnern gehört der Feuersalamander.
Wo: Im Pforzheimer Stadtwald Hagenschieß zwischen dem Stadtteil Würm und dem Seehaus. Von Würm führt ein Waldweg durch die Lettenbachklinge hinauf zum Seehaus.
Büchelberg
„Ein bezauberndes Naturschutzgebiet“ ist der Büchelberg laut der Staatlichen Naturschutzverwaltung Baden-Württemberg. Auf den kargen, trockenen Böden des Muschelkalks habe sich „durch jahrhundertelange Schafbeweidung eine besondere Pflanzenwelt entwickelt“: der Kalk-Magerrasen. Seltene Blütenpflanzen machen den Büchelberg demnach besonders wertvoll. Hier wachsen unter anderem Fransen-Enzian, Karthäuser-Nelke und Silberdistel sowie gefährdete Wildrosenarten. Um das Gebiet zu erhalten, weiden dort noch heute regelmäßig Schafe und Ziegen.
Wo: Südöstlich von Neuhausen, 500 Meter nordwestlich von Münklingen. Von Neuhausen aus ist das Naturschutzgebiet Büchelberg in etwa 30 Minuten zu Fuß erreichbar.
Eisinger Löcher
Ein echtes Naturphänomen sind die zwei gewaltigen Einsturztrichter des Eisinger Lochs und des Neuen Eisinger Lochs.. In dem quellarmen Gebiet zwischen Eisingen und Göbrichen, wo Wasser in den Spalten des Kalksteins spurlos verschwindet, entstanden durch den Zusammenbruch unterirdischer Hohlräume kleinere und größere Erdvertiefungen. „Diese Erdfälle haben im Mittelalter den Einwohnern Angst und Schrecken eingejagt“, heißt es auf der Internetseite der Gemeinde Eisingen. Das Eisinger Loch entstand demnach etwa um 1806. Um den tiefen Schlund rankt sich eine Sage: Zwei Gänge sollen von hier aus unter die Erde führen. Der eine ende im Keller des Lammwirtshauses in Göbrichen, der andere direkt in der Hölle. Durch diesen, so heißt es in der Überlieferung, „pflegt der Teufel aus- und einzufahren“, besonders wenn er nachts am Loch seine Hexenversammlungen abhält.
Wo: Rund 2,5 Kilometer östlich von Eisingen in Richtung Göbrichen. Von einem Parkplatz an der Verbindungsstraße führt ein ausgeschilderter Wanderweg durch die Feldflur zu den Eisinger Löchern. Altes und Neues Eisinger Loch liegen nur rund 70 Meter voneinander entfernt.
Felsenmeer im Hagenschieß
Imposante Gesteinsbildungen gibt es im Naturschutzgebiet Felsenmeer im Pforzheimer Stadtwald Hagenschieß. „Der mit riesigen Felsbrocken übersäte Buntsandstein-Hang oberhalb der Würmtalstraße und sein teils zum Schonwald erklärter, naturnaher Buchen-Eichen-Tannenwald stehen schon seit 1978 unter Schutz“, schreibt die Staatliche Naturschutzverwaltung Baden-Württemberg.
Wo: Im Pforzheimer Stadtwald Hagenschieß, oberhalb der Würmtalstraße zwischen Pforzheim und Würm. Das Felsenmeer liegt am Naturpfad Hagenschieß und lässt sich auf ausgeschilderten Waldwegen erkunden.
Kaltenbronner Moor
„Eine nordisch anmutende Landschaft geprägt von unterschiedlichen Waldtypen und Mooren, dunklen Mooraugen, Bulten und Schlenken, die ein einzigartiges Mosaik aus geschützten Lebensräumen bilden“ – so beschreibt das Regierungspräsidium Karlsruhe den Kaltenbronn. Eine „große Besonderheit“ und ein „Schutzgebiet von europäischer Bedeutung“, wird der Bereich dort genannt. Das Natur- und Waldschutzgebiet Kaltenbronn umfasst den Hohlohsee und den Wildsee mit umliegenden Moorflächen und angrenzenden Wäldern. Bei der bundesweiten Abstimmung zum „Naturwunder des Jahres 2023“ landete der Wildsee übrigens auf dem zweiten Platz.
Wo: Im Natur- und Waldschutzgebiet Kaltenbronn zwischen Bad Wildbad und Gernsbach. Ein guter Ausgangspunkt ist das Infozentrum Kaltenbronn. Von dort führen ausgeschilderte Wanderwege durch die Hochmoorlandschaft zum Wildsee; im empfindlichen Moor verlaufen die Wege teilweise über Holzstege.
