Tiefenbronns Räte geben Gas für eigenes Trinkwasser ohne giftige Schadstoffe
Möglichst schnell sollen die Filter gegen giftiges Tetrachlorethen in Mühlhausens Quelle kommen.
Die Quellen im Seegraben oberhalb von Tiefenbronns Teilort Mühlhausen leiden unter zu hohen Schadstoffanteilen. Zu viel Tetrachlorethen ist der Grund, warum die Gemeinde seit längerem auf dieses Wasser verzichtet und Mühlhausen stattdessen mit zusätzlichem Bodenseewasser für jährlich 56.000 Euro versorgt. Dabei soll es nicht bleiben. Seit Monaten wird an einer Anlage geplant, die Schadstoffe aus dem Quellwasser holen soll. Einstimmig hat der Gemeinderat am Freitag nicht nur beschlossen, die RBS wave GmbH mit den letzten Planungsschritten zu beauftragen. Das Gremium hat auch den Weg dafür freigemacht, dass noch diesen Montag der entscheidende Antrag für den wichtigen Finanzierungszuschuss gestellt wird. Außerdem bittet die Gemeinde um eine Genehmigung, mit dem Projekt schon vor einer Entscheidung über die Förderung beginnen zu dürfen.
Damit schlucken die Räte das theoretische Risiko, dass die erhofften 405.000 Euro doch nicht kommen und die Kommune die Kosten von insgesamt 954.000 Euro alleine tragen muss. Doch erstens hält man diese Gefahr in Tiefenbronn für äußerst gering. Fernando Vicente Ruiz von der Kämmerei spricht zum einen von ermutigenden Signalen aus Regierungspräsidium und Landratsamt. Außerdem sei die Anlage zum Kampf gegen Tetrachlorethen in die allerhöchste Priorität eingestuft worden. Und 2025 seien alle Anträge sogar der Stufen eins bis drei bewilligt worden. Außerdem ist allen klar, dass es die Aufbereitungsanlage so oder so braucht. „Wir kommen um die Investition nicht herum“, formuliert es Stefan Kunle (CDU), der die Sitzung als Stellvertreter des erkrankten Bürgermeisters Frank Spottek leitet.
Allen Räten ist es wichtig, keine Zeit zu verlieren. So äußern sich etwa Bernd Schmid (CDU), Florian Jost und Bettina Günther (beide Liste Mensch und Umwelt). Wartet man nicht erst auf die Förderentscheidung, gewinnt die Gemeinde mindestens ein halbes Jahr. So will man noch im Winter loslegen. Trotz letzter Fragezeichen. Jost hinterfragt etwa die geschätzten Kosten für das Gebäude der Anlage, die ihm viel zu hoch erscheinen. Kunle setzt darauf, dass die konkrete Ausschreibung da bessere Zahlen bringt. Günther erinnerte daran, dass Rechte, zeitweise mehr Bodenseewasser zu beziehen, 2027 auslaufen. Laut Vicente Ruiz gibt es aber das Signal, dass eine Verlängerung möglich sei, wenn Tiefenbronn mit dem Anlagenbau beginnen würde.
So könnte es womöglich noch im Winter losgehen. Gerechnet wird mit einer neunmonatigen Bauzeit. Geht die Aufbereitung einmal in Betrieb, könnte Mühlhausen zu 75 Prozent eigenes Wasser beziehen und nur noch 25 Prozent vom Bodensee. Wichtig, so Kunle, sei, dass die Mischung stabil angeboten werden könne. Geprüft worden war noch, ob über eine Ringleitung auch Lehningen angeschlossen werden könnte. Die Planer sehen das aktuell als unwirtschaftlich an. CDU-Rat Schmid ist aber wichtig, dass mit der auf den Weg gebrachten Anlage für die Zukunft auch solche Optionen nicht verbaut werden.
Das wurde außerdem in der Sitzung besprochen:
Neuer Anlauf für Bikesport-Club: Applaus von einigen Radsportlern im Zuhörerraum für den einstimmigen Beschluss. Der Gemeinderat macht den Weg frei für einen neuen Förderantrag bei Leader Heckengäu. Der Zuschuss ist Voraussetzung für die 34.000 Euro, mit denen die Kommune den Verein unterstützen will. Der Club will auf dem Vereinsgelände in Lehningen Aufenthaltsraum und Bike-Container errichten. Der neue Leader-Antrag klammert die Kosten für die nötige Bebauungsplanänderung aus. Die Räte loben den Verein besonders für starke Jugendarbeit.
