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Schömberg -  14.07.2026
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Tödlicher Unfall bei Schömberg: Gutachten dauert, das ist aber schon bekannt

Schömberg. Fast fünf Monate ist der Autounfall jetzt her, der Schömberg und die Region schockte und in tiefe Trauer stürzte. Über die Zeit kamen immer mehr Details und Indizien ans Licht, warum eine 18-jährige Beifahrerin auf der Landesstraße bei Oberlengenhardt sterben musste und zwei junge Männer auf dem Rücksitz schwer verletzt wurden. Der ebenfalls tödlich verunglückte Fahrer war nicht nur zu schnell, sondern hatte so viel Promille im Blut, dass er als „absolut fahruntüchtig“ galt.

Unfallstelle L346 Oberlengenhardt
In dieser langgezogenen Kurve bei Oberlengenhardt – oben ist Schömberg zu sehen – ereignete sich der Unfall. Foto: Meyer

Zudem hatte der mehrfache 38-jährige Familienvater keine gültige Fahrerlaubnis und das Antiblockiersystem seines hochmotorisierten Wagens war offensichtlich nicht aktiv. Doch noch immer fehlt der Polizei das wichtige Gutachten, um den Fall abzuschließen. Das wissen wir mittlerweile über den Unfall und diese Fragen sind noch offen.

Warum ist der Wagen von der Straße abgekommen und gegen die Straßenlaterne sowie zwei Bäume geprallt?

Der 38-jährige Fahrer war zu schnell. „Der Unfall ereignete sich aufgrund der überhöhten Geschwindigkeit“, teilt Anna Schwalbe, Sprecherin des Polizeipräsidiums Pforzheim mit. Die Kolleginnen und Kollegen haben ihre Ermittlungen zwar abgeschlossen, doch sie warten noch auf das Gutachten – nach nun viereinhalb Monaten. Das wurde nach dem Unfall am 28. Februar, einer Nacht von Freitag auf Samstag, in Auftrag gegeben. „Die Fertigstellung eines Sachverständigengutachtens nimmt eine gewisse Zeit in Anspruch. Auf die Dauer hat die Polizei keinen Einfluss und kann daher keine Angaben hierzu machen“, so Schwalbe weiter. Darin wird sicher auch die Frage beantwortet, wie viel zu schnell der Wagen mit den vier Insassen war. Eine Rolle bei dem Unfall werden auch die 1,4 Promille Alkohol gespielt haben, die bei dem Mann posthum festgestellt wurden. Im juristischen Sinne gelten Fahrer ab einem Wert von 1,1 als „absolut fahruntüchtig“.

Warum hatte der Fahrer keine gültige Fahrerlaubnis?

Die polnische Fahrerlaubnis des 38-Jährigen war in Deutschland nicht anerkannt. Das bestätigte die Polizei Anfang Juni. Warum, bleibt jedoch im Dunkeln. Die Gründe dafür sind verschieden. Das unspektakulärste Beispiel: Die Fahrerlaubnis in Polen ist schlichtweg abgelaufen. „Dann liegt in der Regel nur eine Ordnungswidrigkeit vor“, so das Landratsamt Calw. Das zweite Beispiel hat es schon etwas mehr in sich. Der Fahrer hatte im Nachbarland die Genehmigung verloren, ein Fahrzeug zu führen. Und der dritte mögliche Grund ist dann laut dem Amt in Calw von den Behörden hierzulande abhängig: Die Fahrerlaubnis wurde in Deutschland entzogen. Das passiert wiederum aus drei Gründen: zum Beispiel beim sogenannten Führerscheintourismus. Ein Fahrer lebt offiziell nicht mehr als die Hälfte des Jahres (185 Tage) im Ausstellungsland. Zweitens, der Führerschein wird während einer laufenden Sperrfrist in Deutschland im Ausland erworben. Oder die ausländische Fahrerlaubnis wird entzogen, wenn eine in Deutschland angeordnete Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) nicht gemacht wird. Die Führerscheinstellen ordnen eine solche Prüfung bei Alkohol- und Drogendelikten, Punkten in Flensburg, Straftaten oder medizinisch-psychologischen Auffälligkeiten an. Welches Szenario auf den 38-jährigen Fahrer zutrifft, ist unklar.

Warum war das ABS nicht aktiv?

Auch das wird erst das Gutachten beantworten können. Vor der Unfallstelle sind lange Reifenabriebspuren auf der Straße zu sehen, die eindeutig zum Unglücksfahrzeug gehören. Laut Polizei handelt es sich nicht um Brems-, sondern um sogenannte Blockierspuren. Ein Indiz dafür, dass das ABS des modernen Audi außer Funktion war. Ob es wegen eines technischen Defekts nicht funktionierte oder aktiv vom Fahrer oder anderen Personen abgestellt wurde, ist unklar.

In der Unfallnacht sollen Schömberger laute Motor- und Driftgeräusche wahrgenommen haben. Besteht ein Zusammenhang?

„Die Motoren- und Driftgeräusche konnten keinem Fahrzeug zugeordnet werden“, so Polizeisprecherin Schwalbe dazu.

Das Unglück ereignete sich mitten in der Nacht um kurz vor 3 Uhr. Wohin waren die vier Insassen unterwegs?

Die Polizei hat die Stunden davor rekonstruiert. Demnach sollen die junge Frau und die drei Männer den Abend gemeinsam in einer Lokalität verbracht haben. Es heißt in einer Bar im Nordschwarzwald.

„Auf dem Weg zur Wohnanschrift einer der Beteiligten ereignete sich der Unfall“, teilt Schwalbe mit.

Was ist mit den Videos passiert, die vor dem Unfall von den Beteiligten auf Social Media geteilt wurden?

Die sind laut Schwalbe in die Unfallakte aufgenommen und dem Sachverständigen übermittelt worden.

„Weiteres kann zum noch laufenden Verfahren nicht erläutert werden.“