Tödlicher Unfall in Dobel: Kritik an Calwer Landratsamt
Dobel. Ein Fußgänger stirbt kurz vor Weihnachten am Dobler Ortsausgang. Aus dem Genmeinderat und von Dobler Bürgern hagelt es nun massive Kritik am Landratsam in Calw. PZ-news erklärt, warum.
„Das Calwer Landratsamt arbeitet hier komplett entgegen dem Willen der Kommunen“, sagte der Dobler Gemeinderat Reimund Ruff von der Liste Pro Dobel am Dienstagabend in der Gemeinderatssitzung.
Grund für seine Kritik war der schwere Unfall, bei dem kurz vor Weihnachten ein 80-jähriger Fußgänger ums Leben kam. Dieser hatte beim Supermarkt am Ortsausgang in Richtung Bad Herrenalb die Landesstraße überqueren wollen, wurde dabei von einer 57-jährigen Autofahrerin erfasst und erlag im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Im Jahr 2018 hatte das Landratsamt die Versetzung des Ortsschildes in Richtung Ortsmitte angeordnet, so dass der Supermarkt nun hinter dem Ortsschild liegt.
Viele Diskussionen
Die Gemeine hatte sich aus Sicherheitsgründen schon damals dagegen gewehrt – mit teilweisem Erfolg: So hatte das Landratsamt nachträglich die Geschwindigkeit nach dem Ortsschild bis zum Supermarkt auf 60 Stundenkilometer reduziert. Vielen Doblern reichte diese Maßnahme allerdings nicht. „Es ist so gefährlich dort unten, zumal auch der Gehweg plötzlich schmäler wird“, schildert einer der anwesenden Bürger und fordert zum Schutz der Fußgänger ein Geländer zwischen Fahrbahn und Gehweg. Denn zahlreiche Fußgänger nutzten diesen Gehweg. Gemeinderat Tobias Kull forderte, über bauliche Maßnahmen nachzudenken, die den Verkehrsfluss verlangsamen könnten. Amtskollege Ruff fand noch deutlichere Worte:
„Weder im Kreis Rastatt noch im Enzkreis wird das mit den Ortsschildern so gehandhabt wie bei uns. Ich weiß nicht, welcher Idiot sich das ausgedacht hat. Das Ortsschild sollte sofort wieder raus, dorthin wo es war“, so der Gemeinderat sichtlich aufgebracht.
Dobels Bürgermeister Christoph Schaack erklärte: „Ich habe dem Landratsamt bereits am Tag nach dem Unfall geschrieben mit der Bitte, die Maßnahmen dort noch einmal zu überdenken. In Dobel machen derzeit Gerüchte die Runde, das Gutachten zum Unfallhergang sei bereits da. Bei der Pressestelle des Polizeipräsidiums in Pforzheim heißt es: „Die wesentlichen polizeilichen Ermittlungen sind abgeschlossen und die Akten werden der zuständigen Staatsanwaltschaft Tübingen zur weiteren Entscheidung vorgelegt.“ Zum Inhalt des Gutachtens könne die Polizei nichts sagen, weil ihr dieses nicht vorliege. Bei der Tübinger Staatsanwaltschaft sind die Akten nach Auskunft des Ersten Staatsanwaltes Nicolaus Wegele derweil noch nicht eingegangen. Es dauere noch bis Ende Februar, bis man hier Auskunft geben könne. Und aus dem Landratsamt Calw antwortet Sprecherin Valerie Nußbaum:
„Das Gutachten liegt bisher leider noch nicht vor, so dass keine Aussage zu den genauen Unfallumständen möglich ist. Erst wenn das Gutachten vorliegt, kann auch über mögliche Verbesserungen gesprochen werden.“
Erst dann werde auch die Verkehrsunfallkommission tätig, um über mögliche Maßnahmen zu beraten.
Zur weiteren Kritik am Standort des Ortsschildes schreibt Nußbaum: „Der Standort der Ortstafel wurde an die aktuelle Rechtslage angepasst. Diese hat sich nicht verändert. Eine Änderung des Standortes ist nicht möglich.“
Zu viele Schilder
Auch Lutz Auerswald von der Liste Freie unabhängige Dobler kritisierte die bestehenden Regelungen. „Auf unserer Ortsdurchfahrt herrscht ein wilder Mix aus Geschwindigkeiten von 50, 40, 30 und 60 Kilometern pro Stunde. Der Schilderwald ist für die Autofahrer sehr verwirrend“, sagte er. Schaack erwiderte, bei der Reduzierung der Geschwindigkeit auf 30 Kilometer pro Stunde beim Seniorenzentrum auf das Landratsamt eingewirkt zu haben, die 30er Zone weiter fortzuführen – vergebens. „Für die Anordnung von Verkehrsbeschränkungen müssen die rechtlichen Vorgaben erfüllt sein“, heißt es hierzu aus dem Landratsamt. Die Beschränkungen könnten nur in bestimmten Bereichen Anwendung finden und nicht auf eine ganze Ortsdurchfahrt ausgedehnt werden.
