Gemeinden der Region
Fußball -  10.07.2025
Artikel teilen: Facebook Twitter Whatsapp

Trainer-Legende Hermann Gerland macht mit 71 Jahren Schluss - Pforzheimer lauschte ihm beim „Sportstudio“-Schauen

Pforzheim/München/Bochum. Wenige Stunden nachdem er von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) den Verdienstorden des Freistaats entgegennehmen durfte, ließ Hermann Gerland am Mittwoch den Deutschen Fußball-Bund seine Trainerkarriere für beendet erklären. Zuletzt hatte der 71-jährige gebürtige Bochumer als Assistent von Chefcoach Antonio di Salvo die U-21-Europameisterschaft in der Slowakei begleitet, bei der das deutsche Team ins Finale einzog.

Verleihung Bayerischer Verdienstorden
Von Ministerpräsident Markus Söder erhielt Hermann Gerland den Bayerischen Verdienstorden. Foto: Lukas Barth/dpa

Zuvor verschrieb sich Gerland vor allem beim Fußball-Rekordmeister FC Bayern der Talentförderung. Zum DFB kam er zusammen mit Hansi Flick, als der 2021 Bundestrainer wurde: Nach einer beispiellosen Erfolgsgeschichte verließen beide den Münchner Club wegen Unstimmigkeiten mit dem damaligen Sportdirektor Hasan Salihamidzic.

„Ich habe früher als Spieler alles gegeben, aber ich war zu schlecht, um für Deutschland zu spielen“, sagte Gerland nun laut DFB-Pressemitteilung und schwärmte: „Dazustehen und die Nationalhymne zu singen, das war für mich ein Traum.“

Als Spieler reichte es immerhin, um mit 18 in der Bundesliga zu debütieren und um bis zum Karriereende zwölf Jahre später für den VfL Bochum 204 Spiele im Oberhaus zu absolvieren. Während seiner Zeit trainierte sogar Herbert Grönemeyer mal mit, dem jedoch nicht als Kicker, sondern als Musiker der Durchbruch gelang.

Zum Thema „Männer“ könnte sicher auch Gerland eine Menge sagen. Nur würde er wahrscheinlich wie gewöhnlich wenige und dafür klare Worte bevorzugen: Ähnlich wie Sänger Grönemeyer ist er einfach ein Ruhrpott-Original.

„Du musst fleißig sein“

„Meine Aufgabe war es, junge Spieler zu entwickeln – und das ist mir ab und zu geglückt. Du musst fleißig sein im Leben, dann macht man sich verdient“, sagte Gerland bei der Ordens-Übergabe in München: „Dafür stehe ich: Dass gerade die jungen Leute sich immer wieder bewusst sind, dass man nur nach vorne kommt, wenn man bereit ist, sich leidenschaftlich für seine Sache einzusetzen.“ Auch FCB-Senior Franz „Bulle“ Roth und der als „harter Hund“ geltende Felix Magath wurden geehrt. Gerland galt übrigens erst als „Eiche“, bis ein Journalist ihm den Beinamen „Tiger“ verpasste.

Von Bochum aus, wo Gerland Rolf Schafstalls Assistent war, ehe er ihn 1986 beerbte, ging es Mitte 1988 nach Franken, genauer gesagt zum Uefa-Cup-Teilnehmer 1. FC Nürnberg. Ehe er im April 1990 gefeuert wurde, gab es auch ein 0:1 gegen den 1. FC Pforzheim. Das war drei Monate vorher beim Karlsruher Hallenturnier – und von daher nicht allzu bedeutsam. Wichtig für den (deutschen) Fußball war, dass Gerland Talente wie Thomas Müller förderte, der den FC Bayern nun mit 35 Jahren verlässt. Bei dessen letztem Spiel für den FCB in der Münchner Arena saß auf der Tribüne der Calmbacher Jörg Wacker neben Gerland. Wacker, ab 2013 acht Jahre Vorstandsmitglied der Bayern sagt über „Tiger“ Gerland: „Ein cooler Typ, der vor allem kein Blatt vor den Mund genommen hat.“

„Ein bisschen Glück braucht am Ende jeder“, räumt Gerland ein. Der Vater dreier Töchter und mehrfache Großvater will sich nun der Familie widmen: „In diesem Sinne: Glück auf!“

Pforzheimer Walter lauschte Trainer-Idol beim „Sportstudio“-Schauen

Schon ewig lässt sich Ronny Walter kaum mehr ein Spiel des FC Bayern entgehen, gerade hat er den Fußball-Rekordmeister bei der Club-WM in den USA begleitet. Walters riesige Bayern-Leidenschaft hat durchaus auch mit der nun abgetretenen Trainer-Legende Hermann Gerland zu tun.

Der arbeitete nach seiner Freistellung beim 1. FC Nürnberg ab Sommer 1990 erstmals für die Bayern. In der ersten Saison coachte er außer dem Amateur-Team auch die A-Jugend und fuhr mit ihr zum Pfingstturnier des VfRPforzheim. So wurde der 18. Mai 1991 für den damals 13-jährigen Ronny (Foto: PZ-Archiv/Ronny Walter) zu einem gleich in doppelter Weise unvergesslichen Samstag. Damals heiratete seine Schwester Manuela Ehemann Michael Kleiner und zwar im Eutinger „Bären“, in dem der Bayern-Nachwuchs untergebracht war. Als Ronny abends im Fernsehzimmer saß, um das ZDF-“Sportstudio“ anzusehen, kam plötzlich Coach Gerland samt zahlreicher Schützlinge. Mit im Team war der spätere Europameister Markus Babbel, dasselbe gilt für Christian Nerlinger oder etwa Max Eberl.

Ausgiebig habe er mit den Gästen aus München den 30. Bundesliga-Spieltag diskutiert, erinnert sich Walter. An dem kam der spätere Meister 1. FC Kaiserslautern bei Fortuna Düsseldorf nur zu einem 0:0, während die Bayern bei Borussia Dortmund mit 3:2 und der Karlsruher SC bei Gerlands früherem Club VfL Bochum mit 1:0 siegten. „Auffällig: Bei beiden Spielen erzielten sehr junge Spieler die Siegtreffer, bei Bayern Christian Ziege und beim KSC Mehmet Scholl. Ich weiß noch wie Gerland damals seinen Jungs eingetrichtert hat: Seht ihr, harte Arbeit zahlt sich aus“, erinnert sich Walter.

Zumindest kurz habe in der Fernsehstube auch der frühere Torjäger Gerd Müller vorbeigeschaut. „Zur besseren Unterhaltung sind ich und meine Cousine dann irgendwann noch runter ans Kuchenbuffet der Hochzeit und hab den Jungs Kuchen gebracht“, berichtete Walter nun der „Pforzheimer Zeitung“. Geschadet haben die Leckereien nicht: Zwei Tage später holten Gerlands Jung-Bayern am Holzhof den Turniersieg.