Gemeinden der Region
Pforzheim -  12.06.2026
Artikel teilen: Facebook Twitter Whatsapp

Trainerlegende Michael Fuchs beendet nach 45 Jahren seine Karriere

Irgendwann kommt für jeden Trainer der Moment, an dem das letzte Training endet, die letzte Ansprache gehalten ist und der Abschied unausweichlich wird. Für Michael Fuchs ist dieser Moment nun gekommen. Mit dem 63-Jährigen verlässt nicht nur ein Trainer die Fußballbühne. Der Kreis Pforzheim verabschiedet eine Persönlichkeit, die den regionalen Fußball über Jahrzehnte hinweg geprägt hat wie nur wenige andere. Mit dem Klassenerhalt des SV Huchenfeld in der Landesliga schloss Fuchs nun das letzte große Kapitel seiner außergewöhnlichen Trainerlaufbahn ab.

Eine Ära geht zu Ende: Michael Fuchs hört nach 45 Jahren als Trainer auf. Seine letzte Station war der SV Huchenfeld.
Eine Ära geht zu Ende: Michael Fuchs hört nach 45 Jahren als Trainer auf. Seine letzte Station war der SV Huchenfeld. Foto: Ralf Becker

45 Jahre stand er an der Seitenlinie. Generationen von Spielern trainierten unter ihm, zahlreiche Vereine profitierten von seinem Wissen, seiner Erfahrung und seiner Leidenschaft für den Fußball. Wer heute auf seine Karriere zurückblickt, erkennt schnell: Die Geschichte von Michael Fuchs lässt sich nicht allein in Aufstiegen, Punkten oder Meisterschaften erzählen. Sie ist vor allem die Geschichte eines Menschen, der den Fußball gelebt hat.

Mit Woltersdorf beim VfR

Begonnen hat alles beim VfR Pforzheim, wo er mit 18 Jahren auch schon Jugendtrainer war. Bei den „Rassler“ durchlief Fuchs – unter anderem mit seinem Kumpel Gerhard „Keule“ Woltersdorf die Juniorenmannschaften. Woltersdorf wechselte dann in der A-Jugend zum 1. FC Pforzheim, Fuchs heuerte als Spieler unter anderem beim SV Büchenbronn, dem 1. FC Unterreichenbach und dem 1. FC Dietlingen an. Er war tief verwurzelt im lokalen Fußball und sammelte früh Erfahrungen auf und neben dem Platz.

Doch Fuchs blickte auch über die Grenzen der Goldstadt hinaus. Nach dem Studium machte er als 29-Jähriger die Trainerlizenz (Steg 1) in Schweden und arbeitete dort beim Verein Borens IK. Das eröffnete ihm neue Perspektiven. Er sammelte Erfahrungen, die damals keineswegs selbstverständlich waren und seinen weiteren Weg nachhaltig prägten.

In Schweden entstand auch seine Examensarbeit zum Thema „Kooperation Schule und Verein – dargestellt am schwedischen Bildungssystem“. Daraus entwickelte sich sein Interesse für die Arbeit im Badischen Fußballverband sowie für den Mädchen- und Frauenfußball.

Zurück in Deutschland führte der Pädagoge in den 90er-Jahren als Trainer das Frauenteam des VfL Sindelfingen auf einen hervorragenden vierten Platz in der Frauen-Bundesliga und zog mit dem Team ins Halbfinale des DFB-Pokals ein.

Auch im Schulfußball hinterließ Fuchs deutliche Spuren. Gemeinsam mit dem damaligen BFV-Geschäftsführer Werner Kraft baute er die Abteilung Schulfußball, Freizeit- und Breitensport auf und leitete sie drei Jahre hauptamtlich. Als Co-Autor veröffentlichte er zudem zahlreiche Unterrichtshilfen. Über die Jahre hinweg entstand ein Netzwerk, das weit über die Grenzen des Fußballkreises hinausreichte. Wer Rat suchte, fand bei ihm ein offenes Ohr.

Als Trainer von Germania Brötzingen und später als Spielertrainer des 1. FC Kieselbronn gelang ihm jeweils der Aufstieg in die Landesliga. Darüber hinaus sorgte er mit seinen Mannschaften auch im badischen Pokalwettbewerb für Aufsehen. Unvergessen bleibt das Spiel in der Saison 2000/2001 in Kieselbronn gegen den Karlsruher SC, der damals in der 3. Liga von Stefan Kuntz trainiert wurde. Die Fuchs-Elf verlor mit 0:8.

Zur Saison 2002/03 übernahm Fuchs den 1. FC Pforzheim. Trotz drohender Insolvenz und zahlreicher Spielerabgänge führte er den Traditionsverein in der damals viertklassigen Oberliga zum Klassenerhalt.

Fast wäre Fuchs Co-Trainer in der zweiten Liga geworden – beim SSV Reutlingen. Bei einem „Casting“ setzte er sich mit Chefcoach Peter Starzmann gegen Jogi Löw und Frank Wormuth durch. Mit der zweiten Liga wurde es dann aber leider nichts. Reutlingen wurde die Lizenz entzogen. Fuchs und Starzmann trainierten den SSV somit in der Oberliga. Nach dieser einen Saison begann schließlich das Kapitel, das wohl am engsten mit dem Namen Michael Fuchs verbunden bleiben wird: der FC Nöttingen.

Zwischen 2007 und 2020 – mit Unterbrechungen – prägte Fuchs den Verein in unterschiedlichen Funktionen. Als Cheftrainer führte er den FCN zurück in die Oberliga, später betreute er gemeinsam mit Michael Wittwer die Mannschaft in der Regionalliga. Der Abstieg aus der vierthöchsten Spielklasse war letztlich nicht zu verhindern – und blieb zugleich der einzige Abstieg seiner gesamten Trainerkarriere.

Auch im badischen Pokalwettbewerb schrieb Fuchs mit dem FCN Geschichte. 2010 im Halbfinale besiegte sein Team den Drittligisten SV Sandhausen sensationell mit 3:1. Im Endspiel traf der FCN erneut auf die Sandhäuser – eigentlich auf deren zweite Mannschaft, doch es trat natürlich wieder die „Erste“ an. Nach großem Kampf verlor der FCN mit 6:7 im Elfmeterschießen. Die Diskussionen rund um dieses Finale führten schließlich dazu, dass zweite Mannschaften nicht mehr am BFV-Pokal teilnehmen dürfen.

Neben Nöttingen vertrauten auch der SV Spielberg, Fatihspor Pforzheim und der TSV Pfaffenrot auf die Erfahrung von Fuchs. Mit allen Mannschaften erreichte er seine wichtigsten Ziele und führte sie zum Klassenerhalt. Besonders eng verbunden blieb er jedoch dem FC Nöttingen. Dort wirkte er nicht nur als Trainer, sondern auch als Sportlicher Leiter und Nachwuchsförderer. Gemeinsam mit seinem langjährigen Weggefährten Herbert Stamminger gehörte er zu den entscheidenden Architekten der heutigen Jugendstruktur des Vereins.

Grandiose Zeit in Grunbach

Zu den erfolgreichsten Stationen seiner Karriere zählt zudem der TSV Grunbach, den er von 2011 bis 2016 coachte und das Team auf Anhieb mit 21 Punkten Vorsprung (!) zur Meisterschaft in der Verbandsliga und somit zum Aufstieg in die Oberliga Baden-Württemberg führte.

Eine der größten Herausforderungen seines Lebens wartete allerdings abseits des Fußballplatzes. Eine Krebserkrankung zwang ihn zu einer rund anderthalbjährigen Pause. Für viele wäre dies der Zeitpunkt gewesen, sich endgültig zurückzuziehen. Michael Fuchs aber kämpfte sich zurück.

Als er 2021 das Traineramt beim SV Huchenfeld übernahm, war das weit mehr als nur eine weitere Station. Es war die Rückkehr eines Menschen, der den Fußball nie loslassen konnte. Mit seiner Erfahrung stabilisierte er die Mannschaft in schwierigen Zeiten. Als der Verein ihn 2025 erneut um Hilfe bat, sagte er wieder zu. Typisch Michael Fuchs! Noch einmal Verantwortung übernehmen, helfen und Erfahrungen weitergeben. Mit Erfolg: In seiner letzten Saison führte er den SV Huchenfeld zum Klassenerhalt in der Landesliga.

Ein Menschenfänger

Wer mit Weggefährten spricht, hört immer wieder dieselben Worte: Michael Fuchs war ruhig, besonnen, loyal und analytisch. Er war jemand, der Menschen zusammenbringen konnte. Seine größte Stärke lag dabei nie allein an der Taktiktafel. Er war ein Menschenfänger im besten Sinne.

Fuchs gehört jener Trainergeneration an, die den Fußball in der Region über Jahrzehnte geprägt hat – gemeinsam mit Rolf Mayer, Dietmar Dierlamm, Jürgen Geigle oder auch Walter Götz. Während seine langjährigen Trainerkollegen aber ihre Laufbahn bereits vor Jahren beendet hatten, war Fuchs der letzte Vertreter dieser Generation an der Seitenlinie.

Wenn man ihn heute fragt, was das Schönste an seiner Trainerkarriere gewesen sei, nennt er nicht die sportlichen Erfolge. „Für mich waren immer das Miteinander und die Begegnungen mit anderen Menschen das Wertvollste“, sagt der 63-Jährige im Gespräch mit der PZ. „Ausflüge, Feierlichkeiten – die einfachen Dinge werden mir immer in Erinnerung bleiben.“

Eine besondere Bedeutung hatte für Fuchs, der ohne Vater aufgewachsen ist, auch der Abschluss seiner Trainertätigkeit beim SV Huchenfeld gemeinsam mit seinem Sohn Yannik als Spieler. „In der Jugend wollte ich ihn nie trainieren. Vater und Sohn in einer Mannschaft – das hat für mich damals nicht gepasst. Aber zum Abschluss meiner Karriere war das noch einmal ein echtes Highlight“, erzählt der Coach.

Künftig möchte Fuchs, der schon in Rente ist, mehr Zeit mit seiner Frau Jutta und seinen drei Kindern Lydia, Yannik und Alexander verbringen. Mit Letzterem war er bereits mehrfach als Helfer bei Dopingkontrollen im Profifußball im Einsatz.