Übernachtung des Grauens: Besucher schockiert von Wohnmobil-Stellplatz in Pforzheim
Pforzheim. Straßentheater-Festival, Gasometer-Besuch, Flößervortrag im Stadtmuseum: Martin Spreng und seine Frau hatten sich sehr auf ihren Wochenendausflug in die alte Heimat gefreut. Doch was sie bei ihrer Übernachtung auf dem Wohnmobil-Stellplatz am ehemaligen Kohlebunker erlebten, machte sie fassungslos.
„Wir waren wirklich geschockt“, sagt der ehemalige DGB-Regionsvorsitzende und schildert die Zustände auf dem abschüssigen, „verwahrlosten“ Areal: Kreuz und quer vollgestellt mit Schrottautos ohne Kennzeichen, Pferdeanhängern, geparkten Lieferwagen und Wohnmobilen mit Pforzheimer Kennzeichen. Dazwischen heruntergekommene Wohnanhänger, in denen offensichtlich schon seit Wochen gewohnt werde. Bei der einzigen Stromsäule sei die Hälfte der Steckdosen defekt gewesen.
„Gegen Abend belebte sich der Platz, und es wurden wohl wenig legale Geschäfte abgewickelt.“
Martin Spreng, Wohnmobil-Besitzer und Besucher der Stadt Pforzheim.
Die anfahrenden Wohnmobile seien daher nach kurzer Lagebeurteilung sofort wieder weitergefahren. „So ein Stellplatz ist doch eigentlich keine große Sache. Man braucht ein ebenes Gelände, eine Entsorgungssäule für Wasser und Abwasser und je nach eingezeichneten Stellplätzen genügend Stromanschlüsse“, wundert sich Spreng über das Areal, das eher einem Müllabladeplatz gleiche. Dabei solle es doch das einladende Tor für die Stadt sein und Lust auf einen erlebnisreichen Kurzurlaub machen. „Wir schämen uns für unsere Heimatstadt, und es sollten sich einige Verantwortliche mit uns schämen“, sagt Spreng.
Vernichtende Bewertungen im Internet
Mit seinem Urteil ist der ehemalige Gewerkschaftschef nicht allein. Auch die Bewertungen im Internet sprechen Bände: „Dreckig und jede Menge Suffköppe, die Mucke laut wie nix“, „Unfassbar, dass eine Stadt wie Pforzheim so etwas zulässt. Da kann man nicht schlafen“, „Schlimmster Stellplatz, den wir je angefahren haben“, sind nur einige der wenig schmeichelhaften Kommentare.
Auch der Stadt ist bewusst, dass das Areal an der Wildersinnstraße kein Aushängeschild darstellt, dessen Attraktivität durch die vom Netz genommene Stromanlage weiter geschmälert werde. Die Stadt habe die Stromanlage abgeschaltet, da es immer wieder technische Defekte gegeben habe und sie auch nicht mehr den aktuellen technischen Standards entspreche, sagt Sprecher Philip Mukherjee. Dennoch bleibe die Wohnmobilanlage zumindest über die Sommerzeit vorläufig in Betrieb.
„Wir haben die Wohnmobilanlage aber komplett aus der öffentlichen Bewerbung herausgenommen.“
Philip Mukherjee, Sprecher der Stadt Pforzheim.
Ihm zufolge werden auch entsprechende Hinweisschilder angebracht und geklärt, wie es weitergeht. Aktuell sei die Stadt dabei, mögliche Alternativen zu prüfen. „Abstellmöglichkeiten in kleinerem Rahmen gibt es am Hauptfriedhof oder beim Wartbergbad. Eine größere Variante könnte am Enzauenpark auf der Seite der Kanzlerstraße entstehen“, so Mukherjee.
In der zum 1. Juli in Kraft getretenen neuen Campingplatz-Verordnung sehe die Stadt deutliche Erleichterungen in der Ausweisung von Stellplätzen auch ohne infrastrukturelle Ausstattung, da eine entsprechende Vorhaltung nun erst ab sechs Stellplätzen vorgeschrieben sei. Dennoch liege die Herausforderung darin, möglichst solche Alternativflächen zu suchen, die von der Autobahn oder den Bundesstraßen aus gut erreichbar seien, eine Anknüpfung an die Innenstadt zu Fuß oder per Rad ermöglichten und eine touristische Standortqualität aufwiesen.
Auch Anwohner sensibel
Der Parkplatz Kohlebunker werde wegen dort immer wieder einmal dauerhaft abgestellter Anhänger bestreift. Auch einzelne Anlieger aus dem dortigen Umfeld seien sehr sensibel, wenn der Wohnmobilplatz unberechtigterweise benutzt werden. „So fallen dann auch nicht zugelassene Fahrzeuge auf, gegen die eingeschritten wird“, sagt Mukherjee.
