Gemeinden der Region
Enzkreis -  12.11.2019
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Umweltstaatssekretär Baumann in Tiefenbronn: Die vielen Konflikte beim Schutz von Natur und Klima

Tiefenbronn/Enzkreis/Pforzheim. „Die Gemeinden sind in Baden-Württemberg der Ort der Wirklichkeit“: Tiefenbronns Bürgermeister Frank Spottek hätte keinen treffenderen Satz finden können bei seiner Begrüßung von Andre Baumann (Grüne), dem Staatssekretär im Landesumweltministerium. Der 46-Jährige ist Naturschutzexperte, ein Vierteljahrhundert im Nabu aktiv, war acht Jahre lang Landesvorsitzender. Nun soll er Ziele der grün-schwarzen Landesregierung zu Energie, Klima-, Arten- und Landschaftsschutz bürgernah erklären.

Großes Interesse am Diskussionsabend der Kreisgrünen mit Umweltstaatssekretär Andre Baumann in Tiefenbronns Bürgerhaus „Rose“. Foto: Meyer
Großes Interesse am Diskussionsabend der Kreisgrünen mit Umweltstaatssekretär Andre Baumann in Tiefenbronns Bürgerhaus „Rose“. Foto: Meyer

So beschreibt Grünen-Landtagsabgeordnete Stefanie Seemann den Sinn der Reihe „Das neue Baden-Württemberg“. Die Besucher im Tiefenbronner Bürgerhaus „Rose“ nutzen die Gelegenheit für eine teils leidenschaftliche Debatte.

Baumann schildert schon in seinem Vortrag offen die „Zielkonflikte“, die sich in seinem Ministerium ständig auftun. Zwischen beschlossenem Ausstieg aus Kernkraft oder Kohle und den Widerständen besonders gegen Windkraft oder den Ausbau von Stromtrassen. Zwischen Unterstützung für Landwirte, die für unsere Kulturlandschaft wichtig seien, und den Auflagen, die man ihnen etwa für den Insektenschutz machen müsse. Zwischen Verkehrsplänen auf der Schiene und den auch dort schleppenden Planverfahren.

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Dass Landschaftschutz zum Beispiel nicht leicht ist, zeigt sich auch im Enzkreis bei Streuobstwiesen. Das Problem, das Baumann beschreibt: Die Wiesen grenzten in der Regel wie ein grüner Gürtel direkt an die Dörfer an. Was das bedeutet, sieht Kreis- und Gemeinderätin Pina Stähle (Grüne) auch in Tiefenbronn. Wenn eine Gemeinde neues Bauland in den Blick nimmt, wie in Tiefenbronn langfristig im Bereich Finkenhütte, dann seien Obstwiesen betroffen. Schon konkreter sei der drohende Verlust in Neuhausen-Steinegg, sagen Zuhörer wie Friedrich Oberndörfer.

Er hatte Baumann schon persönlich angeschrieben, weil das Land Staatsflächen mit Obstbestand teilweise verkauft hatte, die nun für Bauplätze vorgesehen seien. Zum Zeitpunkt des Verkaufs hätten Untersuchungen gegen einen besonderen Schutzwert dieser Flächen gesprochen, so Baumann. Eine Zuhörerin entgegnet vehement, sie habe anders als Gutachter zahlreiche geschützte Arten nachgewiesen. Baumann will sich ihre Aufzeichnungen anschauen. Kontrovers geht es besonders auch bei der Energiewende und beim Verkehr zu. Grünen-Kreisvorstand Klaus Fingerhut haben die Tiefenbronner Diskussionen jedenfalls Lust auf mehr derartige Abende gemacht. Mehr dazu lesen Sie in der „Pforzheimer Zeitung“ am Mittwoch.

Autor: hei