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Bad Wildbad -  13.10.2021
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Universität Hohenheim will Schilf aus Nonnenmiß für Forschungsprojekt

Bad Wildbad-Nonnenmiß. Schilf und Nonnenmiß – passt irgendwie nicht zusammen, ist aber trotzdem erwähnenswert. Also, Hans und Karina Gauß wohnen in Nonnenmiß. Sie haben einen wunderschönen und sehr gepflegten Garten, in dem einige Schilfpflanzen wachsen. Wunderschöne Büsche, bis zu vier Meter hoch. Aber jedes Jahr im Herbst muss man die Büsche mit der Motorsense abschneiden, denn die Schilfrohre sind am Boden bis zu einem Zentimeter dick, was eine ziemlich anstrengende Arbeit ist. Das abgeschnittene Schilf muss außerdem noch entsorgt werden.

Jasha Auer und Thomas Hiller von der Universität Hohenheim bündeln die frisch geschlagenen Schilfrohre. Foto: Bechtle
Jasha Auer und Thomas Hiller von der Universität Hohenheim bündeln die frisch geschlagenen Schilfrohre. Foto: Bechtle

Jedes Jahr die gleiche Prozedur, das war Hans Gauß zu viel. Deshalb ging er ins Internet, googelte und fand heraus, dass die Universität Hohenheim Schilf benötigt. Nicht zum Verbrennen oder zum Häckseln, sondern für „Bienenhotels“, genauer gesagt für Wildbienen. Diese Bienenhotels, größer als die bekannten Insektenhotels, werden in etwa 20 Flächen in der Region Nordwürttemberg aufgestellt, auf jeweils bis zu einem Quadratkilometer großen landwirtschaftlichen Untersuchungsflächen unterschiedlicher Art. Also beispielsweise auf Getreide-, Mais-, Feldfrüchten- und Obstanbaufeldern.

Ziel dieser Bienenhotels ist es, festzustellen, ob sie als „Quartier“ angenommen werden, wie viele der bis jetzt bekannten 570 Wildbienenarten es noch gibt, wo sie vermehrt zu finden sind und wo gar nicht. Mit den Erkenntnissen will man später Wildbienen „auswildern“, die besonders günstig zur Befruchtung der speziellen Pflanzenarten sind, also ökologischen Anbau zu fördern und chemische Maßnahmen zu verringern bzw. ganz zu stoppen.

Am Donnerstag der vergangenen Woche waren von der Uni Hohenheim zwei junge Leute, Thomas Hiller (wissenschaftlicher Mitarbeiter) und Jasha Auer (technische Assistentin) nach Nonnenmiß gekommen, und machten sich an die anstrengende Arbeit, die Schilfbüsche abzuhauen, zu bündeln und in den Kleintransporter einzuladen. Wenn man also im nächsten Jahr solche Wildbienenhotels auf Feldern oder Äckern entdeckt, kann man vermuten, dass die Schilfhalmstücke, die in den Kunststoffrohren stecken, aus dem oberen Enztal kommen.

Autor: Götz Bechtle