„Unser Herz schlägt für die Nordstadt“: Bäckerpaar Toifl glauben fest an das Quartier
Pforzheim. Sabine Toifl weiß genau, was in den Produkten steckt. Nicht nur, weil die Bäckermeisterin gemeinsam mit ihrem Mann Emmerich Brezeln, Brot und Co. selbst backt, sondern weil ihre Kundschaft darauf großen Wert legt. Vegane Croissants? Kein Problem. Aufschnitt ohne Schweinefleisch? Auch das gibt’s bei Toifl. Gluten-, Laktose- oder Fruktose-Allergie? Für jeden findet sich etwas in der Auslage. „Unsere Kundschaft stellt uns immer wieder vor Herausforderungen – und das macht Freude, so bleibt es spannend“, sagt die 53-Jährige.
Von Brötzingen in die Nördstadt
Ein Publikum, so facettenreich wie die Nordstadt selbst. „Vom alteingesessenen Rentner über die WG bis zu jungen Familien – alle Gruppen, die hier wohnen, zählen zu unseren Kunden“, erklärt Toifl. Neben den Bewohnern des Quartiers versorgten sich aber auch viele Arbeitnehmer im Umkreis für Frühstück oder Kaffeepause an der Hohenstaufenstraße 1. 51 Jahre gibt es die Bäckerei Toifl inzwischen, 1978 verlegten Sabine Toifls Schwiegereltern die Backstube aus der Brötzinger Fußgängerzone – in der es bis heute eine Filiale gibt – in die Nordstadt. Eine Entscheidung, über die sich Sohn und Schwiegertochter, die 2001 den Betrieb übernahmen und ihn zur Demeter-Bäckerei machten, bis heute freuen.
„Für uns stand nie zur Debatte, den Standort zu wechseln. Zum einen wegen der Kosten, aber auch, weil es sich hier wirtschaftlich für uns gut entwickelt hat. Es ist ein tolles Einzugsgebiet“, sagt die Bäckerin. Die meisten Kunden kämen zu Fuß, einige mit dem Fahrrad. Doch auch Autofahrer zählten dazu. Und die hätten es immer schwerer. „Wir haben durchaus welche, die sagen: ,Wenn das so weitergeht, dann kann ich nicht mehr kommen‘“, sagt Toifl hinsichtlich der chaotischen Parkverhältnisse. Der Verkehr habe in den vergangenen Jahren massiv zugenommen. Für Toifl eine schlechte Entwicklung. Die Autos aber gänzlich zu verbannen, hält sie für die falsche Lösung. „Das Problem Verkehr löst sich nicht auf, nur weil man Straßen sperrt“, sagt die Bäckermeisterin. Die Brötzinger Filiale sei quasi nur noch zu Fuß erreichbar – „das sollte in der Nordstadt nicht passieren“, sagt sie.
Parkplatz-Problem muss gelöst werden
Und auch Parkraum müsse es geben. „Es ist mit Abstand das größte Problem, und ich kenne keine Lösung. Aber da braucht es vielleicht einfach Querdenker“, sagt Toifl. Bis dahin könne die Stadt aber die Regeln, die es bereits gebe, konsequenter verfolgen. „Große Teile der Straßen hier sind verkehrsberuhigt. Das sollte die Stadt dann aber auch durchziehen und gegen Raser vorgehen“, sagt sie. Nicht nur den Anwohnern und Passanten, sondern auch den Radfahrern zuliebe. „Ein gut sichtbarer Radweg wäre nicht nur für Umweltbewusste, sondern auch die vielen Kinder hier schön“, schlägt sie vor.
Ebenfalls eine kleine Maßnahme mit großer Wirkung: weniger Müll, dafür mehr Grün. Gerade die Beetpflege sei von der Stadt zuletzt vernachlässigt worden. „Vielleicht könnte die Stadt hier aber auch mit den Gewerbetreibenden kooperieren“, regt Toifl an. Vorstellbar sei vieles, das Potenzial im Quartier da, das sich laut der Bäckermeisterin mit den Cafés und Kneipen positiv entwickelt habe. Sie ist gespannt, was passiert und hofft auf eine breite Beteiligung der Bewohner: „Unser Herz schlägt für die Nordstadt. Wenn hier etwas passiert, dann aber bitte so, dass für alle gut ist.“
