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Kreis Calw -  19.07.2020
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Unterwegs auf dem „Auerhahn-Steig“ mit Förster Martin Hauser: „Fünf nach zwölf für das Auerwild“

Kreis Calw. „Auf einmal rauscht es und schon sieht man einen Hahn auf den Baum fliegen. Mit eindrucksvollem Trillern und Schleifen lockt er die Henne an, denn er muss sich präsentieren. Wilde Kämpfe sind dann zu beobachten, denn nur der Stärkste, der Gewinner, bekommt die Hennen für sich“, erzählt der Wildtierbeauftragte Martin Hauser. Es ist ein Erlebnis, das der leidenschaftliche Waldgänger schon einige Male mit eigenen Augen mitverfolgen durfte: Die Balz der Auerhähne.

Den Worten des Experten lauschen 14 Interessierte, die sich auf dem Kaltenbronn bei einer geführten Wanderung auf die Spuren des Auerhahns begeben haben. Und da geht es auch schon weiter zur nächsten Station – Martin Hauser vorneweg auf dem abenteuerlichen Auerhahn-Steig, vorbei an Heidelbeeren, über Stock und Stein. Nach seiner 30-jährigen Erfahrung als Revierförster auf dem Kaltenbronn kennt er dort die Wege durch den Wald, wo keine Tiere gestört werden, ganz genau. Zum Wildtierbeauftragten wurde der 60-Jährige im letzten Jahr ernannt und blüht in seiner Arbeit gänzlich auf: „Ein Traum ist für mich in Erfüllung gegangen, denn ich mache jetzt hauptberuflich, was ich vorher nebenbei gemacht habe.“ Durch seine Vorträge oder Wanderungen durch den Wald sollen die Menschen wieder einen Bezug zu Wildtieren bekommen, sie kennen- und akzeptieren lernen.

Ein Gewicht von fünf Kilogramm und eine Flügelspannweite von bis zu 1,20 Meter: Der Auerhahn ist der größte Vertreter der Hühnervögel Europas, den wohl nur die Wenigsten selbst zu Gesicht bekommen haben. Doch das sei auch gut so, sagt Hauser, denn die Raufußhühner sind in Deutschland vom Aussterben bedroht. Dabei sei der Mensch die größte Gefahr: Störungen in seinem Lebensraum sind ein enormer Stress für den Vogel. „Es gibt auch Schlafbäume an Langlaufloipen, an die sich der Auerhahn gewöhnt. Er lernt, dass die Fahrer kommen und schnell wieder gehen. Bleibt jemand aber plötzlich stehen, fliegt er aufgrund seines Fluchtinstinkts weg.“

Vermehrte Fluchtaktionen können für das Tier, das es schon seit der Eiszeit gibt, den Tod bedeuten. „Durch seine energiearme Nahrung, im Sommer Heidelbeeren, im Winter bevorzugt Kiefern-nadeln, kostet ihn das abrupte Wegfliegen zu viel seines sowieso geringen Energiespeichers“, sagt der Wildtierexperte. Fressfeinde, etwa Marder oder Fuchs, würden zusätzliche Gefahren darstellen. Ein Bereich wurde für das Auerwild mit dem Wegsägen kleiner Bäume optimiert: So entstehen lichtere Strukturen, in denen es einfacher fliegen kann. Die Zahl der balzenden Auerhähne im Schwarzwald beträgt insgesamt nur 135 Tiere. Hauser: „Trotz aller Bemühungen ist es fünf nach zwölf für das Auerwild.“

Autor: Lena Knöller