Viel Lob, trotz knapper Kassen: Die Halbzeitbilanz von Neulingens Bürgermeister Michael Schmidt
Neulingen. Ruhig, gelassen und den Blick in die Zukunft gerichtet. So beschreiben mehrere Gemeinderäte Neulingens Bürgermeister Michael Schmidt zur Halbzeit seiner dritten Amtszeit. 20 Jahre nach seinem Amtsantritt fällt die Bilanz im Gemeinderat überwiegend positiv aus. Gelobt werden vor allem die Zusammenarbeit mit den Fraktionen sowie Schmidts Einsatz für Zukunftsprojekte. Gleichzeitig sehen die Fraktionen angesichts knapper Kassen große Herausforderungen für die kommenden Jahre.
Für den fraktionslosen Gemeinderat Sead Karić steht vor allem das Miteinander im Vordergrund. Schmidt bemühe sich darum, dass die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Gemeinderat harmonisch verlaufe – auch wenn das nicht immer einfach sei. „Obwohl manchmal die Fetzen fliegen und man nicht immer einer Meinung ist, bleiben die Diskussionen immer sachlich“, sagt Karić. Positiv hebt er den Einsatz des Bürgermeisters für Vereine hervor. Auch bei Zukunftsthemen wie der Windkraft habe Schmidt wichtige Weichen gestellt. Für die kommenden Jahre nennt Karić den angedachten Neubau eines Feuerwehrhauses für alle drei Ortsteile, die Wasserversorgung und die Sanierung des Dorfangers als zentrale Aufgaben. Angesichts der schwierigen finanziellen Lage sei Schmidt „der richtige Mann, der die Gemeinde durch schwere Zeiten führen kann.“
Auch die CDU zieht zur Halbzeit eine positive Bilanz. Michael Schmidt habe wichtige Zukunftsthemen angestoßen und scheue auch unbequeme Entscheidungen nicht, wenn sie der Gemeinde langfristig zugutekämen. Besonders hebt die Fraktion seinen Einsatz für die Windkraft, die Einführung der E-Carsharing-Stationen in allen Ortsteilen und die Angersanierung hervor. Auch die gute Zusammenarbeit mit den Nachbarkommunen und dem Landratsamt wird gelobt. Insgesamt beschreibt sie Schmidt als einen „Bürgermeister mit Herz und Seele“, der Neulingen mit Weitblick gestalte. Die größte Herausforderung der kommenden Jahre sieht die CDU in der finanziellen Handlungsfähigeit der Gemeinde. Der Fokus müsse deshalb auf der Realisierung der Windkraftanlagen sowie einer bezahlbaren Wasserversorgung trotz notwendiger Sanierungen liegen. Auch bei der Angersanierung sei aufgrund der angespannten Haushaltslage eine konsequente Kostenkontrolle wichtig. Gleichzeitig müsse die Gemeinde bei strategischen Zukunftsentscheidungen Kurs halten und sich nicht von lautstarken Einzelstimmen vom eingeschlagenen Weg abbringen lassen.
Gut bewertet auch die Liste Mensch und Umwelt (LMU) die Zusammenarbeit mit Bürgermeister Schmidt. Der Umgang mit der Fraktion sei stets „korrekt, kollegial und respektvoll“. Diskutiert würde auf Augenhöhe, wodurch keine wesentlichen Probleme im Raum stünden. Auf eine weitergehende Bewertung der Amtszeit verzichtete die LMU.
Auch die SPD wollte sich zur Halbzeitbilanz nicht näher äußern, bewertete die Zusammenarbeit mit Bürgermeister Schmidt jedoch positiv. Die Freie Wählervereinigung verzichtete ebenfalls auf eine inhaltliche Einschätzung und verwies darauf, dass man sich jederzeit selbst ein Bild vom Miteinander im Gemeinderat machen könne.
Diese Bilanz zieht der Bürgermeister selbst
Wie blickt Bürgermeister Michael Schmidt selbst auf die vergangenen vier Jahre seiner dritten Amtszeit? Die PZ hat mit ihm über zukünftige Projekte, aktuelle Herausforderungen und Ziele gesprochen.
■ Was waren die bestimmenden Themen der ersten vier Jahre Ihrer aktuellen Amtszeit?
Schmidt blickt realistisch auf die vergangenen vier Jahre zurück. Viele Themen seien die gleichen, die die Gemeinde bereits seit Längerem beschäftigten. Als aktuelle Schwerpunkte nennt er die Wasserversorgung und die Umgestaltung des Angers. Beide Projekte benötigten eine lange Vorbereitungszeit und würden die Gemeinde auch in den kommenden Jahren weiter begleiten.
Als bereits abgeschlossenes Großprojekt hebt er den Bau der Flüchtlingsunterkunft in Göbrichen hervor, dem ein Bürgerentscheid vorausgegangen war.
Zudem verweist er auf die laufende Sanierung der Ortsdurchfahrt Bauschlott: „Da sind wir gut dabei.“
■ Welche Aufgaben und Herausforderungen warten in den nächsten Jahren?
Über allem stehe die finanzielle Situation der Gemeinde, sagt Schmidt. Defizite schränkten den Handlungsspielraum ein und hätten unmittelbare Auswirkungen auf wichtige Vorhaben. Große Projekte könnten nur umgesetzt werden, wenn ausreichend Rücklagen vorhanden seien. Deshalb werde sich etwa die Umgestaltung des Angers voraussichtlich in den nächsten vier bis fünf Jahren nicht realisieren lassen. Auch beim geplanten gemeinsamen Feuerwehrhaus werde zunächst weiter geplant. Im Herbst solle das Projekt in die nächste Phase gehen, Gespräche mit den zuständigen Behörden und die Standortsuche stünden an. „Wir wollen nicht ins Blaue planen“, betont Schmidt. Eine der größten Herausforderungen sieht er außerdem in der Wasserversorgung. Angesichts zunehmender Trockenheit müsse die Gemeinde ihre Versorgung langfristig sichern. Ein zentraler Baustein sei der neue Hochbehälter in Göbrichen, dessen Bau beginnen solle und der innerhalb der kommenden vier Jahre fertiggestellt werden solle. Eine Anbindung an die Bodenseewasserversorgung sei keine Option. Gleichzeitig müsse Wasser als gebührenfinanzierte Leistung für die Bürger bezahlbar bleiben. Zudem werde die Gemeinde ihre Projekte in den kommenden Jahren sorgfältig priorisieren müssen.
Wie hat Michael Schmidt seine Arbeit gemacht?
Jerome Kronenwetter, Vorsitzender des 1. FC Nußbaum 1910: „Die Zusammenarbeit mit Bürgermeister Michael Schmidt erleben wir als offen und konstruktiv. Er hat stets ein offenes Ohr für die Anliegen der Vereine. Gemeinsam mit der Gemeinde wurden in den vergangenen Jahren einige Sportanlagen modernisiert. Wir würden uns freuen, wenn in den kommenden Jahren auch unser Vereinsgelände weiter an dieser positiven Entwicklung teilhaben könnte.“
Martin Kull, Vorsitzender des Heimatvereins Bauschlott: „Kontinuität und Fortentwicklung, Schlagworte schon unter seinem Vorgänger Heinz Raissle, sind die Erfahrungen unter denen der Heimatverein Bauschlott gedeihen konnte. Ein offenes Ohr, auch seitens seiner Verwaltung hat zur kontinuierlichen Weiterentwicklung beigetragen. Und wenn das Ohr unbekannt war oder wechselte, hat Michael Schmidt geholfen Verbindungen zu festigen.“
Jens Hofsäß, Fußballverein 08 Göbrichen: „Als FV 08 Göbrichen pflegen wir mit Bürgermeister Michael Schmidt und der gesamten Gemeindeverwaltung Neulingen ein sehr freundschaftliches und vertrauensvolles Verhältnis. Anliegen und Anfragen werden zeitnah bearbeitet, die Zusammenarbeit ist unkompliziert und lösungsorientiert. Diese verlässliche Unterstützung ist für die ehrenamtliche Vereinsarbeit absolut Gold wert.“
Elvira Knothe, Vorsitzende des Heimatvereins Nußbaum: „Bürgermeister Schmidt hat für uns immer ein offenes Ohr. Eine seiner ersten Amtshandlungen 2006 war die Einweihung des Heimatmuseums in Nußbaum. Mit Bürgermeister Schmidt können wir über Probleme und auch Ereignisse, welche den Verein und das Museum betreffen, jederzeit sprechen. Wenn wir Hilfe von der Gemeinde benötigen, ist er für uns ansprechbar.“
Holger Müller, Evangelischer Pfarrer Bauschlott und Göbrichen: "Auch wenn die Gemeinde unserer Kirchengemeinde angesichts der Finanzlage nicht mit direkten Zuschüssen für unsere Kirchensanierung helfen kann, unterstützt BM Schmidt unser Projekt nach Kräften: durch die Anmietung des Pfarrhauses für Flüchtlingsfamilien, durch die Überlassung der Rhenahalle und der Büchighalle für Benefiz-Veranstaltungen, und durch die Übernahme einer Schirmherrschaft für die Kirchensanierung.“
Ein Kommentar von PZ-Redaktionsmitglied Pia Philippen: "20 Jahre an der Gemeindespitze zu stehen, spricht für sich. Michael Schmidt führt Neulingen sachlich und mit dem richtigen Maß an Autorität. Im Gemeinderat lässt er Diskussionen zu und greift ein, wenn es nötig ist. Dieser Führungsstil kommt offenbar an: Zur Halbzeit seiner dritten Amtszeit ist aus den Reihen des Gemeinderats viel Lob zu hören. Die eigentliche Bewährungsprobe steht allerdings noch bevor. Denn die Kassen sind leer und die Aufgaben groß – nun wird sich zeigen, ob Schmidt seinen Kurs auch in den kommenden Jahren erfolgreich fortsetzen kann."
