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Enzkreis -  24.05.2026
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Vom Wilden Westen zum E-Auto-Alltag: Das hat sich in zehn Jahren für die Stromer im Enzkreis getan

Enzkreis. Enzkreis/Mühlacker/Pforzheim. Günter Bächle fährt seit 2016 reine Stromer. Anfangs war der CDU-Politiker aus Lienzingen damit ein Exot - und er erlebte einige Abenteuer. Heute steht er für einen Trend. Die Zulassungszahlen der E-Autos steigen rasant. Die Daten dazu hat Bächle für jede einzelne Enzkreis-Gemeinde gesammelt. Die PZ zeigt sie in einer Tabelle. Aktuell sind kreisweit 6170 reine Stromer zugelassen. Im Vergleich zu insgesamt 199.127 registrierten Fahrzeugen ist das immer noch überschaubar. Trotzdem hat sich in den vergangenen zehn Jahren viel getan bei der Elektromobilität.

Günter Bächle Elektroauto
Der Lienzinger Günter Bächle lädt seinen Honda während des PZ-Gesprächs an der SWP-Station in der Poststraße. Foto: Röhr

6170 rein elektrisch betriebene Autos, die aktuell im Enzkreis zugelassen sind – ist das nun viel oder wenig? Wahnsinnig viel, vergleicht man es mit 2016, als gerade mal 149 reine Stromer auf unseren Straßen unterwegs waren. Die Steigerung bei den zugelassenen E-Autos im Enzkreis beträgt unglaubliche 4040 Prozent. Aktuell befeuern eine neue Prämie und die hohen Spritpreise durch den Iran-Krieg die Nachfrage bundesweit. Wie berichtet, hat zuletzt sogar der lange mit Skepsis betrachtete E-Gebrauchtwagenmarkt zugelegt. Doch prozentuale Steigerungen erzählen nicht die ganze Geschichte. Im Enzkreis waren Ende 2025 insgesamt 199.217 Fahrzeuge zugelassen. Gemessen daran wirken die 6170 E-Autos immer noch wie Zwerge. Auch dann, wenn man die 10.570 Hybrid-Fahrzeuge hinzurechnet, die E-Antrieb und Verbrennermotor kombinieren.

Zugelassene E-Autos in den Enzkreis-Gemeinden von 2017 bis heute

Für einen, der seit 2016 mit reinen Stromern unterwegs ist, fühlt es sich derzeit trotzdem so an, als kämen die E-Autos „raus aus der Nische“. So schreibt das der Lienzinger Chef der CDU-Kreistagsfraktion, Günter Bächle, in seinem Blog. Er hat in einem Verkehrsjahrzehnt Daten zur Entwicklung der E-Mobilität in jeder Kreisgemeinde gesammelt. Mit Hilfe des Landratsamts. Die PZ hat sich mit ihm an der Ladesäule getroffen.

Daten standen bei ihm schon am Anfang dieser Mobilitätsgeschichte. Es war der SPD-Politiker Thomas Knapp, der ihn vor zehn Jahren auf die Chance hingewiesen hatte, ein E-Auto im Rahmen eines wissenschaftlich begleiteten Projekts zu leasen. „Ich bin ihm bis heute dankbar“, sagt Bächle. Er legte sich einen Nissan Leaf zu und sammelte Betriebsinformationen für ein Bundesministerium. Und abenteuerliche Erlebnisse.

„Früher war ein Ärgernis, die Unsicherheit, ob man die richtige Ladekarte hat. Aber das ist heute vorbei.“

Günter Bächle, CDU-Politiker und seit zehn Jahren E-Auto-Fahrer

Steige er dagegen heute in sein E-Auto – mittlerweile ein Honda –, dann fahre er einfach los, sagt Bächle. Ladesäulen gebe es praktisch überall, teilweise auch besonders leistungsfähige wie den Ladepark der Stadtwerke Mühlacker in der Senderstadt. Vor zehn Jahren dagegen habe er jede Fahrt genau planen müssen, um nicht Gefahr zu laufen, ohne Strom liegenzubleiben. Und knapp genug wurde es dennoch oft. Mal passte der Stecker des Ladekabels nicht zur Ladesäule oder die Bezahlkarte war die falsche. „Ich bin damals mit meinem E-Nissan noch angestaunt worden wie der Mann vom Mond“, sagt er. Das sei vorbei. Die Infrastruktur habe sich in den vergangenen zehn Jahren enorm entwickelt.

Der CDU-Politiker ist längst überzeugter Stromfahrer. Dass Hybride noch die Nase vorn haben, liegt für ihn am deutschen Bedürfnis, sich für alle Eventualitäten abzusichern. Nötig findet er das nicht mehr. Und nicht nur mit Blick auf die hohen Benzin- und Dieselpreise sagt er: „Das elektrische Fahren selbst ist richtig günstig.“ Jedenfalls, wenn das Auto in Lienzingen den Strom aus der Photovoltaikanlage auf dem Garagendach bunkert. Dann zahlt Bächle nichts fürs Tanken. Und an öffentlichen Ladesäulen? Nur ein Beispiel, mit dem Bächle auch an Stadtwerke-Stationen bezahlen kann, ist „EnBW mobility+“: Dort werden Preise von 56 Cent pro Kilowattstunde fällig – im Tarif S ohne Abogebühr. Vielfahrer können den Kilowattstundenpreis über Monatsgebühren von 5,99 Euro auf 46 Cent oder für 11,99 Euro auf 39 Cent senken. Bächles Honda ist in drei Jahren rund 40.000 Kilometer gefahren. Im Schnitt hat er 19,4 Kilowattstunden pro 100 Kilometer verbraucht.

Mit reinem Netzstrom kosten 100 Kilometer also über zehn Euro – es braucht den PV-Strom von zuhause. Ins Geld geht oft die Anschaffung. Bächles Modell hätte neu rund 40.000 Euro gekostet. Er least es für 426 Euro im Monat. Viel billiger geworden sei dafür der Kundendienst, meint der Lienzinger. Ein Thema bleibt Reichweite. Bei seinem Honda liegt die bei rund 220 Kilometern im Sommer und nur rund 150 im Winter.