Was wird aus der Leitstelle der Feuerwehr in Pforzheim? So soll die ILS laut Visionspapier neu organisiert werden
Pforzheim. Zur Erinnerung: Die Integrierte Leitstelle (ILS) Pforzheim-Enzkreis am Mühlkanal in Pforzheim hat für Blaulicht-Meldungen eine zentrale Bedeutung. In diesen Einsatzzentralen, die über die Notrufnummer 112 erreichbar sind, werden alle Notrufe für den Rettungsdienst, die Feuerwehr und den Katastrophenschutz gemeinsam koordiniert. Seither gibt es 34 ILS-Einrichtungen im Land. Die Rede in der Landeshauptstadt und bei den beteiligten Organisationen ist nach Einschätzung der Landesmedien die, die Leitstellen in Gruppen von drei bis fünf Einheiten zu bündeln. Mittlerweile gibt es ein sogenanntes Visionspapier zur künftigen Organisation der Leitstellen. Müssen wir Abschied nehmen von der ILS in Pforzheim?
Klar ist, Synergieeffekte werden angestrebt. Und Beteiligte werden mit der Hoffnung auf eine rasche Umsetzung zitiert, etwa DRK-Landesverbände, Landesfeuerwehrverband, Landkreis- und Städtetag oder diverse Krankenkassen.
Auf konkrete Nachfrage beim DRK-Kreisverband Pforzheim-Enzkreis heißt es zur Aktualität der Planungen: „Es gibt keinen zeitlich vorgegebenen Rahmen für die Umsetzung des Visionspapiers. Zum Zeithorizont sagt das Papier lediglich: Soweit sich aus dem Sondervermögen des Bundes keine Finanzmittel für den Ad-hoc-Umbau der Leitstellenstruktur generieren lassen und auch der Haushaltsgesetzgeber im Land die nötigen Finanzressourcen insoweit nicht bereitstellt, müssen die Umsetzung der Konzeption durch finanzielle Anreize durch das Land im Zuge anstehender Neubauten von Leitstellen beziehungsweise bei Ersatzbeschaffungen der Technikkomponenten erreicht werden.“
Weiter teilt DRK-Pressesprecherin Anna Brenner mit:
„Die neue Leitstellenstruktur würde somit organisch wachsen und könnte in einem Zeithorizont zwischen fünf bis zehn Jahren erreicht werden. Die sukzessive Umsetzung würde mit den natürlichen Investitionszyklen zusammenfallen und hierdurch ebenfalls zur Kosteneffizienz beitragen.“
Eine schnellere Umsetzung wäre nur dann vorstellbar, wenn über das Sondervermögen des Bundes oder den Haushaltsgesetzgeber die Finanzmittel bereitgestellt würden, um – ganz oder teilweise unabhängig von den regulären Investitionszyklen – in die Weiterentwicklung der Leitstellenstruktur einzusteigen. Brenner weiter: „Das Papier sieht die Bildung regionaler Leitstellenverbünde vor. Es fordert jedoch nicht die Schließung bestehender Leitstellen oder die Reduzierung auf einen einzigen Standort.“ Vielmehr betone es, dass sich Anzahl und Ausgestaltung der Standorte an den regionalen Erfordernissen und den vorhandenen Strukturen orientieren sollten. Der Schwerpunkt liegt auf der technischen und organisatorischen Vernetzung sowie der gegenseitigen Unterstützung der Leitstellen innerhalb eines Verbundes.
Räumliche Trennung in Pforzheim
In Pforzheim gibt es nach Ansicht von Kritikern den Umstand, dass die ILS Am Mühlkanal angesiedelt ist, die Berufsfeuerwehr hingegen an der Habermehlstraße. Die Redaktion wollte deshalb auch von der Stadt Pforzheim wissen, wie man das Visionspapier und seine denkbaren Auswirkungen auf den hiesigen Raum einschätzt. Christian Schweizer, der stellvertretende Pressereferent der Stadt Pforzheim, teilt mit: „Das Visionspapier beschreibt mit Blick auf regionale Leitstellenverbünde keine zwingende räumliche Zusammenlegung aller beteiligten Funktionen an einem gemeinsamen Standort.“ Vielmehr werde betont, dass sich die künftigen Strukturen an den bestehenden örtlichen und regionalen Gegebenheiten orientieren sollten. Der Hinweis auf die Vorteile von Standorten mit Feuerwehren beziehe sich insbesondere auf dort vorhandene Schichtdienstmodelle sowie zusätzliche personelle Ressourcen, durch die im Bedarfsfall eine kurzfristige Verstärkung ermöglicht werden könne. Schweizer weiter: „Die ILS und die Hauptfeuerwache der Berufsfeuerwehr Pforzheim liegen nur rund 1,5 Kilometer beziehungsweise etwa zwei Fahrminuten voneinander entfernt. Vor diesem Hintergrund verstehen wir den Hinweis im Visionspapier nicht als zwingenden Bezug auf ein gemeinsames Gebäude, sondern auf die an einem Standort im städtischen Sinne vorhandenen personellen und organisatorischen Ressourcen.“ Zwar biete eine unmittelbar in eine Feuerwache integrierte Leitstelle zusätzliche Synergieeffekte, etwa durch die gemeinsame Nutzung technischer Infrastruktur sowie von Bereitschafts-, Ruhe- und Sozialräumen. Bereits heute werde jedoch eine der beiden von der Berufsfeuerwehr besetzten Funktionen in der Integrierten Leitstelle durch mehrere entsprechend qualifizierte und im Dienst anwesende Beamte abgesichert, so dass im Bedarfsfall kurzfristig zusätzliche Kräfte zur Verfügung stünden. Ab Januar 2027 werde dieses Modell auch auf die zweite von der Berufsfeuerwehr besetzte Funktion ausgeweitet. Damit stünden, so Schweizer, „für beide Funktionen mehrere qualifizierte Disponenten im 24-Stunden-Dienst bereit, die neben administrativen Aufgaben sowie Tätigkeiten in Ausbildung und Qualitätssicherung bei erhöhtem Einsatzaufkommen kurzfristig die Leitstelle personell verstärken können“.
Eigene Ruheräume
Die Leitstelle verfüge über eigene Ruheräume, in denen sich dort in Bereitschaft befindliches Personal aufhalten könne. Der städtische Referent für Kommunikation: „Gerade in Stadtkreisen stehen darüber hinaus rund um die Uhr Führungskräfte der Berufsfeuerwehr mit einsatztaktischen und rechtlichen Kompetenzen zur Verfügung, die im Ereignisfall die schnelle Handlungsfähigkeit der unteren Katastrophenschutzbehörde unterstützen. Diese schnelle Verfügbarkeit qualifizierten Personals ist aus unserer Sicht der wesentliche Vorteil, den das Visionspapier beschreibt.“
Das sind die vielfältigen Aufgaben der Integrierten Leitstelle Pforzheim-Enzkreis
Die Feuerwehr Pforzheim beschreibt die Funktionalität der Integrierten Leitstelle (ILS) Am Mühlkanal in der Goldstadt wie folgt: Neben der Notrufabfrage und Alarmierung von Einsatzkräften übernimmt die Integrierte Leitstelle Pforzheim-Enzkreis zahlreiche weitere Aufgaben, die über die reine Einsatzsachbearbeitung hinausgehen und regelmäßige Fortbildung erfordern. Die wesentlichen Tätigkeiten umfassen: Abfrage des Euronotrufs 112 sowie der Servicenummer für Krankentransporte (19222), Umsetzung der Notrufinhalte in Alarmstichwörter gemäß der Alarm- und Ausrückeordnung, Setzen von Prioritäten bei gleichzeitigem Eingang mehrerer Alarme, Alarmierung von Einsatzmitteln und -kräften der Stadt Pforzheim sowie der 28 Enzkreiskommunen, Koordination der Alarmierung und Einsatzsteuerung des Rettungsdienstes, Verständigung und Alarmierung anderer Ämter, Organisationen oder Fachfirmen, Unterstützung der Einsatzleitung, beispielsweise bei der Raumordnung während der Anfahrt oder der Informationsrecherche im Gefahrguteinsatz, Führen eines Lagebildes für die nichtpolizeiliche Gefahrenabwehr, Dokumentation der Einsätze, Aufsicht über den Sprechfunk, Datenpflege des Einsatzleitsystems, Bearbeitung von Brandmelde- und Störmeldealarmen, Bearbeitung von Wetter- beziehungsweise Unwetterwarnungen, Handling von Hochwassermeldungen, Bearbeitung von Störmeldungen der Gas-, Wasser-, Strom- und Fernwärmeversorgung für die Stadtwerke Pforzheim.
Die Disponenten der Berufsfeuerwehr sind zudem in der Führungsgruppe sowie als Unterstützungspersonal im Führungsstab eingesetzt. Außerdem haben sie regelmäßig Einsatzdienst im Löschzug, Hilfeleistungszug oder Gefahrgutzug der Berufsfeuerwehr. Die Integrierte Leitstelle Pforzheim ist eine zentrale Anlaufstelle für Notfälle und Rettungsdienste in der Stadt Pforzheim mit 128.000 Einwohnern sowie im Enzkreis, der 28 Gemeinden mit insgesamt 200.000 Einwohnern umfasst. Der Zuständigkeitsbereich der ILS erstreckt sich über eine Fläche von 672 km², wobei Pforzheim selbst eine Fläche von 98 Quadratkilometern einnimmt. Ein wichtiger Aspekt im Zuständigkeitsbereich ist das Teilstück der Autobahn. Diese Verkehrsader spielt eine entscheidende Rolle im regionalen Verkehr.
