„Wir dulden keinen Rassismus“ - Chef von Firma G.Rau geht in die Offensive
Pforzheim. Im Eingangsbereich der Pforzheimer Firma G.Rau hängt seit sechs Jahren ein Schild: „Respekt! Kein Platz für Rassismus“. Offenbar haben einige der über 540 Mitarbeiter diese klare Botschaft nicht verstanden. Denn in einer privaten Whatsapp-Gruppe tauschten sie angeblich fremdenfeindliche und rassistische Inhalte aus. Ein anonymer Hinweis aus der Belegschaft brachte diese Verfehlungen ans Licht. Die Staatsanwaltschaft ist eingeschaltet.
Auch Betriebsrat und Gewerkschaft sind alarmiert: Unter dem Titel „Stoppt Rassismus“ werde ein Affenkind mit einem schwarzen Kind verglichen, berichtet Liane, erste Bevollmächtigte der IG Metall Pforzheim. Auch ein Hitlergruß werde gezeigt. „Der Vorgang ist für uns wirklich brisant“, sagt Papaioannou. Die IG Metall stehe mit dem Betriebsrat und der Geschäftsführung in Kontakt. „Es ist wichtig, dass man das im Unternehmen aufarbeitet“, sagte die Bevollmächtigte der PZ. „Allein die Schilder nützen nichts, man muss mit den Belegschaften ins Gespräch kommen.“
„Das Unternehmen G.Rau steht als Familienunternehmen für Toleranz und Respekt“, erklärte gestern Firmenchef Axel Pfrommer. „Wir sind schockiert über die in einer privaten Whatsapp-Gruppe geteilten Inhalte, die uns in einem kleinen Auszug vorliegen. Wir verurteilen auf Schärfste alle Formen von Rassismus und Rechtsradikalismus.“ Zwei Verantwortliche der Chat-Gruppe mit elf Mitgliedern wurden von der Arbeit freigestellt. „Wir sind an einer raschen Aufklärung der Vorwürfe interessiert.“
Keinerlei Konflikte im täglichen Umgang
Im täglichen Umgang gebe es keinerlei Konflikte zwischen den unterschiedlichen Kulturen im Haus. G. Rau habe ganz bewusst auch Flüchtlingen aus Syrien und dem Irak als Produktionshelfer eingestellt, um ihnen eine berufliche Perspektive zu bieten. „Um es deutlich zu sagen: In Wirtschaft und Gesellschaft darf es keinen Platz für Rassismus, Rechtsradikalismus, Diskriminierung, Gewalt oder Hass geben“, so der Chef der G.Rau-Unternehmensgruppe.
„Auch wenn die nun bekannt gewordenen Chat-Inhalte rein von privaten Handys aus getätigt wurden, so werden wir trotzdem alles daran setzen, zur Aufklärung des Falls beizutragen. „Unser Selbstverständnis als tolerantes und wertebewusstes Unternehmen haben wir in unserem Leitbild verankert, das allen Mitarbeitern bekannt ist.“ Bei G.Rau arbeiten Menschen aus 25 Nationen respektvoll zusammen. „Dafür sind wir dankbar und sehen uns auf besondere Weise verpflichtet, gegen Rassismus und Diskriminierung vorzugehen.“
