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Pforzheim -  13.06.2026
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„Wir finden kaum noch einen Arzt“: Pforzheimer Senioren senden lauten Hilfreruf

Pforzheim. Kommt man mit den Menschen ins Gespräch, die sich montags auf Kaffee und Kuchen in den Räumen des Kreisseniorenrats am Ebersteinplatz treffen, merkt man: Es ist fünf vor Zwölf. Die Frauen und Männer im Alter zwischen 68 und 92 Jahren haben zwar fast alle – teilweise nach langer Suche – jedes Mal noch einen Platz beim Haus- und Facharzt gefunden. Trotzdem machen sie jetzt mit einem Hilferuf auf den eklatanten Ärztemangel in Pforzheim aufmerksam. Das Gesundheitssystem drohe sonst zu kippen in der Stadt.

Die Seniorinnen und Senioren des Kreisseniorenrats wollen auf ihre Situation aufmerksam machen. Gerade für ältere Menschen, die häufiger zu Kontrollterminen müssten, sei der Ärztemangel in Pforzheim besonders schlimm.
Die Seniorinnen und Senioren des Kreisseniorenrats wollen auf ihre Situation aufmerksam machen. Gerade für ältere Menschen, die häufiger zu Kontrollterminen müssten, sei der Ärztemangel in Pforzheim besonders schlimm. Foto: Hegel

Dabei ergeht es ihnen wie allen Pforzheimern: Hausärzte sind knapp, Hautärzte sind knapper, Kinderärzte sind fast nicht mehr zu finden, bei Psychotherapeuten wartet man bis zu 18 Monate auf einen Termin. Allerdings trifft die Situation ältere Menschen besonders. Sie müssen viel häufiger zu Kontrollterminen zum Hausarzt, manche vierteljährig zur Blutabnahme. Außerdem sind sie weniger mobil als jüngere. Längere Wege zu weiter entfernten Ärzten sind für sie ohne Hilfe nicht zu meistern, außerdem müssen die Praxen barrierefrei sein – woran die Arztsuche ebenfalls scheitern kann. Der Kreisseniorenrat forderte erst kürzlich in einem Brief an Oberbürgermeister Peter Boch, die ärztliche Versorgung in der Stadt dringend zu verbessern.

„Früher war das viel einfacher“, sagt Elsa Reinacher (92) und erntet in der Runde große Zustimmung.

Die Rentnerin ist auf der Suche nach einem Hausarzt. „Aber alle Ärzte sind überlastet.“ Man habe sie sogar schon bis nach Niefern verwiesen.

Frédéric Mahler (65), der zusammen mit seiner Frau Susanne Straßen (66) ebenfalls in Pforzheim lebt, nennt das langatmige Herumtelefonieren und in Warteschlangen festhängen den „Gang nach Canossa“, der bei jedem Arzttermin anstehe. Vor allem für chronisch Kranke sei es schwierig, da diese auf regelmäßige Termine und Medikamenten-Rezepte angewiesen seien. Und für Kassenpatienten. Edeltraut Linder (76) ist mit ihrem Mann sogar extra aus Friolzheim nach Pforzheim gezogen, um im Alter eine bessere ärztliche Versorgung zu haben.

Früher, da habe man sich die Ärzte aussuchen können, man habe nicht lange auf einen Termin warten müssen. Da waren sogar Hausbesuche noch an der Tagesordnung, sagt Gerda Faas-Holstein (72). Das biete mittlerweile nur noch ein Hausarzt in Pforzheim an.

Allen in der Runde ist klar: Es muss sich was tun, sonst ist das Gesundheitssystem so nicht zu halten. Es brauche mehr Ärzte. Mehrere berichten von Enkeln und anderen Verwandten, die nicht zum Medizinstudium zugelassen worden seien, weil sie keinen 1,0-Abitur-Schnitt gehabt hätten. Da müsse man ran.

Andrea Überall (68) vom Kreisseniorenrat gibt noch andere Tipps: Seniorinnen und Senioren müssten sich für das Alter ein soziales Netz aufbauen, auf das sie im Notfall zurückgreifen können. Dabei gehe es nicht nur um familiäre Hilfe. Auch zu Freunden und gerade Nachbarn sollte man einen guten Draht aufbauen, offen auf Leute zugehen, damit man in schwierigen Situationen nicht alleine dasteht.

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