Gemeinden der Region
Nordschwarzwald -  12.07.2020
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„Wir werden lernen, mit dem Wolf zu leben“ - BUND-Geschäftsführer über den Wolf, den Klimawandel und neue Impulse

Der neue BUND-Regionalgeschäfsführer heißt Patrick Maier. Der 34-Jährige aus Seeberg hat in Corona-Zeiten an einer auch digital optimal aufgestellten Geschäftsstelle gearbeitet. Über seine Ansichten sprach nun die Redaktion mit ihm.

Der 34-jährige Patrick Maier sucht das Gespräch mit Ortsgruppen, Verbänden und Behörden: Er will Meinungen einsammeln und die Positionen des BUND voranbringen. Foto: Privat
Der 34-jährige Patrick Maier sucht das Gespräch mit Ortsgruppen, Verbänden und Behörden: Er will Meinungen einsammeln und die Positionen des BUND voranbringen. Foto: Privat

PZ: Am Wolf scheiden sich auch in der Region die Geister. Wie stehen Sie selber zum Wolf?

Patrick Maier: Ich finde es gut, dass Wolf, Luchs und Wildkatze wieder da sind. Es zeigt, dass es Gebiete gibt, in denen Natur wieder Natur sein darf. Ich bin froh, dass sich diese nicht nur auf das Nationalparkgebiet, sondern auch auf Calw und den Enzkreis erstrecken und ich hoffe, dass es in Zukunft mehr solcher Gebiete gibt. Ich bin der Meinung, dass der Wolf weder romantisch verklärt, noch wie im Märchen verteufelt werden sollte. Er ist da und wir werden lernen, mit ihm zu leben.

Vermittelnde Positionen gibt es eher wenige...

Wir müssen jetzt am Anfang die Strukturen für ein gutes Miteinander von Wolf und Mensch schaffen. Verbunden damit sind noch mehr gemeinsame Anstrengungen. Im Nordschwarzwald sind wir aber auf einem guten Weg. Politik, Verwaltung und Umweltverbände wie BUND und zum Wolf vor allem auch der Nabu sind schon seit längerem dabei, die Öffentlichkeit über den Wolf aufzuklären und mit der Landwirtschaft und den Jagdverbänden an Konzepten der Wolfsprävention und Schadensregulation zu arbeiten.

Halten Sie die seitherigen Entschädigungen für hoch genug und praktikabel?

Ich halte vor allem den Verdienst von Schäferinnen und Schäfern im Vergleich zum Aufwand für zu gering. In weiten Teilen stellt die Schaf- und Ziegenhaltung eine nachhaltige Landwirtschaftsform dar. Schafe und Ziegen halten Flächen offen und leisten einen wichtigen Beitrag für den Biotop- und Insektenschutz. Mit dieser arbeitsintensiven Haltungsform kann die Schäferei nicht mit anderen industrialisierten Landwirtschaftsformen konkurrieren. Der Wolf bringt nun das wirtschaftliche Fass zum Überlaufen und stellt einen einfachen Sündenbock für die Misere dar. Wie der Nabu sehen wir die unlängst erfolgte Aufstockung der Herdenschutzförderung des Landes tendenziell positiv.

 Wie verstehen Sie ihre Tätigkeit beim BUND?

Als Geschäftsführer bin ich oft ein Scharnier zwischen Politik und Verwaltung, zwischen Vorstandschaft und Mitgliedern, zwischen Umweltschutz und Öffentlichkeit und stelle in dieser Funktion auch das Aushängeschild für Wünsche, Hoffnungen aber auch Zweifel vom BUND Nordschwarzwald dar.

 

Mit Ihrem auch räumlich großen Tätigkeitsbereich haben Sie bestimmt viele Baustellen...

Im Nordschwarzwald sind wir wie überall stark vom Klimawandel betroffen. Als große Themen haben wir den Wald und die Streuobstflächen. Wir haben aber auch mit Flächen- und Artenverlusten durch Infrastrukturprojekte und Landwirtschaft, oder die Verschmutzung von Luft, Boden und Gewässer zu kämpfen.

 

Wie wirkt sich der Klimawandel auf Ihre Arbeit aus?

Der Klimawandel muss zumindest zweischichtig betrachtet werden. Es geht dabei um den rapiden Temperaturanstieg und es geht, das wird häufig vergessen, um die sehr starke Zunahme langandauernden Großwetterlagen. Jede weitere Temperaturerhöhung führt zu größeren ökologischen und volkswirtschaftlichen Schäden. Im Nordschwarzwald allein werden wir diesen Prozess nicht aufhalten können. Wir können aber an den Zerstörungsmechanismen wie Flächenverbrauch oder nicht nachhaltigen landwirtschaftlichen Nutzungen arbeiten. Beispielsweise können wir auf den großflächigen Einsatz von Pestiziden verzichten.

Patrick Maier

...ist 34 Jahre alt, verheiratet und wohnt in Seewald (Landkreis Freudenstadt). Er ist seit dem 1. Mai neuer BUND-Geschäftsführer für die Region Nordschwarzwald. Er tritt damit die Nachfolge von Sabine König an. „Als Kind des Schwarzwalds freue ich mich sehr auf die unterschiedlichen Aufgaben eines BUND-Regionalgeschäftsführers. Mit den Landkreisen Freudenstadt, Calw, Enzkreis und der Stadt Pforzheim ist das Gebiet des Regionalverbands flächenmäßig recht groß. Im Westen reichen die Schwarzwaldgipfel bis über die 1000-Meter-Marke und bieten Wolf und Luchs einen neuen Lebensraum. Im Osten finden sich in den wärmebegünstigten Weinbergen Sonnenanbeter, wie gefährdete Blauflügelige Ödlandschrecke. Flüsse und Bäche wie die Enz schlängeln sich durch die Tallagen und beheimaten zum Beispiel den seltenen Strömer“, berichtet er.

Maier lebt mit seiner Frau in Seewald. Sein Geoökologie-Studium in Tübingen hat er mit der Diplomarbeit „Wintersport im Nationalpark Schwarzwald“ abgeschlossen. Für die neuen Aufgaben sieht sich Maier gut gerüstet: „Wie die Wissenschaft funktioniert, konnte ich als Dozent am Lehrstuhl für Umweltmanagement in Hohenheim erfahren.“

Autor: mar