Wird die Neuenbürger Klinik kaputtgerechnet? Erik Schweickert gibt Lösungsansätze zur Klinikrettung
Neuenbürg. Am liebsten hätte der FDP-Landtagsabgeordnete und Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Erik Schweickert, das Thema nach eigenem Bekunden außerhalb des Wahlkampfs behandelt. Dann hätte er zu seinem Bürgerdialog einladen und öffentliche Räume nutzen dürfen, dann hätten Bürgermeister Fabian Bader sowie die Kreistagsmitglieder Christine Fischer (Grüne) und Günter Bächle (CDU) nicht nur rein privat, sondern ganz offiziell an der Veranstaltung am Feitagabend im Neuenbürger Wanderheim teilnehmen können. Doch Schweickert kann sich nicht aussuchen, wann die Zukunft des Neuenbürger Krankenhauses auf der Kippe steht.
Für den FDP-Landtagsabgeordneten steht fest, dass das im Besitz des Enzkreises befindliche, zur Regionalen Kliniken Holding (RKH) gehörende Haus nicht geschlossen werden darf. Schon deshalb, weil der Enzkreis aus seiner Sicht alles andere als überversorgt ist.
Der Abgeordnete verweist auf Daten der deutschen Krankenhausgesellschaft, die zeigen, dass Baden-Württemberg mit knapp 470 das Bundesland mit den wenigsten Klinikbetten pro 100.000 Einwohner ist. Zum Vergleich: Thüringen hat fast 700 Betten.
Auf den Enzkreis bezogen, sehen die Zahlen laut Schweickert noch düsterer aus: Mit nur knapp 170 Betten auf 100.000 Einwohner soll er in ganz Baden-Württemberg den vorletzten Platz belegen. „Es gibt nur einen Kreis, der noch weniger hat als wir.“ Schweickert will nicht ausschließen, dass es in Deutschland zu viele Kliniken gibt. „Aber die sind sicher nicht im Enzkreis.“
Spezialisierung auf Demenz
Für ihn steht fest, dass man den Standort Neuenbürg retten kann, etwa durch eine Spezialisierung in Richtung Demenzsensibilität. Wie das funktionieren kann, hat er sich vor anderthalb Wochen mit weiteren Mitgliedern des Kreistags und Neuenbürger Gemeinderäten in Bad Cannstatt angeschaut. Schweickert ist sicher, dass sich das operative Defizit reduzieren lässt. Allerdings nicht, wenn für eine Neuausrichtung zuerst große Teile der Gebäude abgerissen und durch neue ersetzt werden sollen.
Der RKH-Geschäftsführung wirft er vor, genau das zu wollen. Der Abgeordnete hat zahlreiche Zahlen zur Neuenbürger Klinik angefordert. Zahlen, die zeigen sollen, dass sich die stationären Fälle langfristig in „einem relativ stabilen Korridor“ bewegen, während die ambulanten zuletzt deutlich zurückgegangen sind. Nicht nur Schweickert macht dafür die Schließung der Notfallpraxis verantwortlich: für ihn ein großer Fehler, der sich nun rächt.
Er behauptet, dass trotz des Patientenrückgangs zuletzt mehr Personal eingestellt wurde. Zahlen der Klinikleitung dazu darf er nicht öffentlich zeigen. Aber er hält es für wahrscheinlich, dass die gestiegenen Verluste damit in Zusammenhang gebracht werden können: „Eine gewisse Korrelation kann niemand verneinen.“
Hinter vorgehaltener Hand
An vielen Stellen im Bürgerdialog wird deutlich, dass Schweickert mehr weiß, als er öffentlich sagen darf. Auf die Leinwand projiziert er Ausschnitte aus Mails, in denen ihn die Verantwortlichen bitten, die überlassenen Informationen vertraulich zu behandeln und Dritten nicht zur Verfügung zu stellen. Der Abgeordnete hat den Eindruck, dass es der RKH und der Kreisverwaltung am liebsten wäre, er würde gar nicht über das Thema sprechen. Doch diesen Gefallen tut er ihnen nicht.
Schweickert hält es für einen Skandal, dass ihm eine Aufschlüsselung der zuletzt getätigten Investitionen nach Mühlacker und Neuenbürg mit Verweis auf den Datenschutz verweigert wird. Über das grün geführte Sozialministerium und die RKH-Geschäftsführung sagt er wenig Positives. Schweickert hat den Eindruck, dass Neuenbürg „kaputtgerechnet“ wird. Er sagt: „Die Region braucht eine Lösung, keine Hängepartie.“ Zeit ist dafür nicht mehr viel. Dem Vernehmen nach soll schon Ende März im Kreistag die finale Entscheidung zur Zukunft der Klinik fallen.
