Wolfgang Härter hinterlässt Spuren: Stanztec und Mittelstand verlieren einen Wegbereiter
Pforzheim. Pforzheim. Vor Kurzem verstarb Wolfgang Härter. Der Unternehmer hinterlässt vielfältiges Erbe – sein Name bleibt eng mit der Fachmesse verbunden.
Als vor wenigen Wochen die Fachmesse Stanztec in Pforzheim über die Bühne ging, waren sich alle Beteiligten – Aussteller, Besucherinnen und Besucher sowie die Organisatoren der Veranstaltung – einig, dass dieses Format weiterhin ein Erfolgsprodukt ist.
Dass die Messe als Magnet für die Branche fungiert und wichtige Akteure hier in Pforzheim zusammenbringt, ist unter anderem auch einem in diesem April verstorbenen Unternehmer zu verdanken. Denn Wolfgang Härter, langjähriger Chef der ehemaligen Härter-Gruppe (heute: H2 Stamping-Gruppe), hat vor etlichen Jahren einen großen Teil dazu beigetragen, dass die Stanztec heute so dasteht.
„Die Branche hat sich in Essen oder Hannover auf den großen Messen getroffen und den Kunden immer vorgeschwärmt, was zu Hause in Pforzheim und im Enzkreis an Technologien und Kapazitäten vorgehalten wurde“, erinnert sich Martin Härter, der Sohn von Wolfgang Härter, im Gespräch mit der PZ an Erzählungen seines Vaters.
Gefragt, ob er denn wisse, was denn die Motivation von Wolfgang Härter und seinen Mit-Streitern zur Gründung dieser Messe – in den Anfangsjahren firmierte diese ja noch unter den Namen Stamping Days – war, sagt Martin Härter: „Da spielte sicherlich der Wunsch mit, den Interessenten vor Ort die Kompetenz der Region zu zeigen – und natürlich auch sein eigenes Unternehmen.“
Dazu gehören neben dem Werkzeugbau die gesamte Prozesskette vom Metall- und Maschinenhersteller über den Werkzeugbau, die Stanzerei, bis hin zur Galvanik und dem Recycling des Metallschrottes. Eben alles, was man hier in der Region im Rahmen dieser Produktionskette antreffen kann.
Ins Rampenlicht stellen
„Es war somit ein logischer Schritt“, fasst Martin härter zusammen, „in Pforzheim eine Plattform zu schaffen, um die hier regional angesiedelten Hidden Champions sichtbar für den internationalen Markt zu machen“.
Und was würde Wolfgang Härter heute zur Entwicklung der Messe sagen, wie würde er sie einordnen? „Er würde sich freuen, dass die Branche des Werkzeug- und Maschinenbaus, beziehungsweise die gesamte Wertschöpfungskette ‚Made in Germany‘ immer noch international eine Benchmark setzt“, ist sich Martin Härter sicher und ergänzt: „Und dass nach wie vor technologische Entwicklungen und Innovationen bei uns in der Region im Zusammenspiel mit mittelständischen Unternehmen und deren bestens ausgebildeten Mitarbeitern, entstehen.“
Eine Gedankenfolge, die naheliegt, wenn man Wolfgang Härters Lebensweg näher betrachtet: Geboren am 27. Juli 1944 in Ispringen, absolvierte er eine Ausbildung zum Werkzeugmacher und legte in diesem Handwerk auch die Meisterprüfung ab. Bereits 1964 gründete er gemeinsam mit seinem Bruder Gerhard in Ispringen die Firma Härter Werkzeugbau.
Mit dem 1977 erfolgten Umzug ins Industriegebiet Stein ging auch die kontinuierliche Weiterentwicklung der Konstruktion und Herstellung von Stanzwerkzeugen vonstatten. Auf die Mitte der 1980er Jahre lässt sich der Einstieg in die Stanzteileproduktion datieren.
1999 folgte dann die Gründung der Härter Stanztechnik GmbH und der Eintritt der Kinder Isabel und Martin Härter in die Unternehmung. Ein Datum, dass auch den Start der Stanzteileproduktion in Großserie, die Internationalisierung des Kundenstamms sowie der Einstieg in die Marktbereiche der Telekommunikation und Elektronik markiert.
Bereits zwei Jahre zuvor erhielt der nahbare „Unternehmer mit Weitblick“, wie die PZ damals titelte, die Wirtschaftsmedaille des Landes Baden-Württemberg verliehen.
Ab 2000 machte sich die Härter Unternehmensgruppe an die Portfolioerweiterung durch Kunststoffverbundtechnologie sowie an den Ausbau des Standortes in Königsbach-Stein bei gleichzeitiger Internationalisierung der Produktionsstandorte in USA, China und Polen sowie die Erschließung des Marktsegments Automotive.
Die Expansion ging einher mit einer jahrzehntelangen, mehrfach als vorbildlich gewürdigten Ausbildungsleistung im Handwerk sowie mit einem stabilen Beitrag zur Beschäftigung und zur Schaffung neuer Arbeitsplätze im Hochtechnologiesektor der Region.
Soziale Seite
Ein anderes Ereignis belegt eine weitere Seite von Wolfgang Härter: Dass er 2004 das Verdienstkreuz am Bande für sein soziales Engagement verliehen bekam, hat auch mit seiner langjährigen Zusammenarbeit mit der Einrichtung Lebenshilfe Pforzheim Enzkreis e.V. zu tun. „Meinem Vater hat gefallen“, erinnert sich Martin Härter, dass „die Menschen in den Werkstätten der Lebenshilfe – etwa bei Sortier- und Montagearbeiten – hochmotiviert und mit einer lebensfrohen Einstellung am Werk waren“. Diese positive Einstellung, trotz bestehender Handicaps, habe ihm sehr imponiert. „Deshalb war es ihm ein Anliegen, Einrichtungen wie die Lebenshilfe regelmäßig zu unterstützen.“
