Zäher Kampf gegen Legionellen in Turnhalle der Pforzheimer Ottersteinschule
Pforzheim. Es sind besorgte Eltern von hier Vereinssport betreibenden Kindern, die sich an PZ-news wenden. Ein Aushang in der Turnhalle neben der Pforzheimer Ottersteinschule treibt sie um. Darauf wird auf den Befall von Teilen der sanitären Anlagen mit Legionellen hingewiesen. Schon lange gehe das so, irgendwie tue sich nichts, schildern diese PZ-Leser.
Tatsächlich haben es die stäbchenförmigen Bakterien in sich. Berüchtigt ist die sogenannte Legionärskrankheit. Eine konkrete Gefahr, an dieser zu erkranken, bestehe hier nicht, wie die Antwort auf eine entsprechende PZ-news-Anfrage bei der Stadtverwaltung zu interpretieren ist. Handlungsbedarf aber sehr wohl. Dem wird auch nachgekommen.
Im Rahmen einer Routineüberprüfung Mitte Mai sei eine erhöhte Legionellen-Konzentration festgestellt worden, heißt es in dem Aushang des städtischen Gebäudemanagements. Genauer: „im EG, Umkleide Mädchen 2, hintere Dusche Strang 3“, so der Unterzeichner. Pro 100 Milliliter habe man 1300 Koloniebildende Einheiten (KBE) gemessen. Absolut unbedenklich, das ist bei einschlägigen Quellen wie dem Bundesministerium für Gesundheit nachzulesen, sind Werte unter 100 KBE. Oder anders herum: Bei Werten bis 1000 KBE sind weitere Untersuchungen vorgeschrieben, über 1000 dann Sofortmaßnahmen angesagt, zu denen etwa auch solche Hinweise gehören. Aber eben nicht nur.
„Der Aushang der Stadt wird einfach immer wieder erneuert, ohne dass etwas getan wird“, urteilt eine besorgte Mutter.
Und weiter: „Die Sportler haben das Gefühl, da wird einfach nur das Datum aktualisiert, damit es so wirkt, als sei es eine neue Erkenntnis. Die Duschen sind auf jeden Fall schon deutlich länger gesperrt als seit dem 13. März, auf jeden Fall mehrere Monate.“ Die städtische Sprecherin Ljiljana Berakovic bestätigt, dass „in der Vergangenheit vereinzelt positive Untersuchungsergebnisse festgestellt“ worden seien. So wie auch jetzt wieder in besagter Mädchendusche. Sie stellt aber auch heraus: „Den vorliegenden Prüfprotokollen seit 2019 sind keine kritischen Überschreitungen der geltenden Maßnahmenwerte zu entnehmen, die eine Sperrung der betroffenen Anlagen erforderlich gemacht hätten.“ Auch aktuell seien die sanitären Anlagen „uneingeschränkt nutzbar“.
Die städtische Sprecherin Berakovic verweist auf die gemessenen 1300 KBE. „Der Grenzwert von 10.000 KBE/100ml, der zu einer Sperrung führen würde, wurde bei weitem nicht erreicht.“
Somit könnten die Duschen „verlässlich benutzt werden“, so die Sprecherin. Allerdings relativiert das Gebäudemanagement diese Aussage mit ihrem Aushang. „Immungeschwächte Personen sollten vorerst auf das Duschen verzichten“, heißt es dort. Zum Trinken und Händewaschen sei das Wasser aber weiter geeignet.
Laut Berakovic hat die Stadt einen externen Dienstleister beauftragt, entsprechende Maßnahmen zu erörtern. Erst wenn dessen Konzeption vorliege, könnten Umfang, Zeitrahmen und Kosten benannt werden. Das Ergebnis werde „nach den Pfingstferien“ erwartet.
Hohe Auslastung
Insgesamt sei die Halle der 1981 fertiggestellten Ottersteinschule in einem „altersgemäßen Zustand“, so Berakovic. Es gebe sanierungsbedürftige Bereiche, aber in anderen Schulen auch: „Aus prioritären Gründen wurde noch kein Sanierungskonzept erstellt.“
Die Sporthalle sei durch die Otterstein-Werkrealschule und die Otterstein-Realschule mit rund 1000 Schülern in 40 Klassen unter der Woche belegt. Während der für den Vereinssport an Schultagen zur Verfügung stehenden Zeit sei sie im Winterhalbjahr zu nahezu 100 Prozent ausgelastet, im Sommerhalbjahr gebe es vereinzelt Belegungslücken.
Für die Schule selbst, urteilt Werkrealschulrektor Tobias Dauenhauer im PZ-news-Gespräch, sei das Legionellenproblem „nicht so dramatisch“. Denn anders als früher, wollten heutzutage kaum noch Schüler nach dem Sportunterricht duschen.
Informationen zu Legionellen finden sich viele im Netz. Eine gute Zusammenfassung liefert etwa das nordrhein-westfälische Umweltministerium auf seinem Umweltportal. Dort heißt es, diese Bakterien kämen natürlicherweise in geringen Konzentrationen in Oberflächengewässern, in Grundwasser und auch im Boden vor. Sie gelangten auch in technische Systeme, wie Warmwasserverteilungsanlagen und Verdunstungskühlanlagen und vermehrten sich dort unter geeigneten Bedingungen. Legionellen könnten beim Menschen zu schweren Erkrankungen der Atemwege, also zu Legionellosen führen. Insbesondere bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem bestehe ein erhöhtes Risiko, daran zu erkranken. Bei der Legionellose werde unterschieden zwischen dem „Pontiac-Fieber“, einer grippeähnlichen, aber ohne Lungenentzündung verlaufenden Form, und der „Legionärskrankheit“, die durch eine schwere Lungenentzündung charakterisiert sei und tödlich verlaufen könne. Die Infektion erfolge durch das Einatmen kleinster legionellenhaltiger Wassertröpfchen, die sich als Aerosole in der Luft befinden. Quellen könnten unter anderem heimische Wasseranlagen und Duschen, aber auch industrielle technische Anlagen sein. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch sei bisher nicht bekannt.
