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Pforzheim -  02.07.2026
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Zähes Ringen um Feuerwache Ost: Eutinger in Rage, Turnverein in Erklärungsnot

Eutingen. Das verspricht ein zähes Ringen zu bleiben, bis der Gemeinderat am Dienstag, 21. Juli, endgültig über den Standort der Feuerwache Ost entscheiden wird. Wegen der juristischen Drohkulisse, die der TV Eutingen zur Verteidigung des Sportplatzes neben der Turnhalle aufgebaut hat, visieren die Stadtverwaltung und offenbar auch ein Großteil der Gemeinderatsfraktionen nun abermals den Dreschplatz als Standort an. Doch hierzu formiert sich erneut Widerstand aus Eutingens Bevölkerung, aktuell auch in Form einer Online-Petition. Der Zankapfel treibt den Stadtteil und dessen Ortsvorsteher sowie zahlreiche ehrenamtlich Aktive um, aber auch viele Bürger der Gesamtstadt, um deren Schutz und Sicherheit es hier geht.

Insel Areal Eutingen
Hier auf dem Dreschplatz soll nun die Feuerwache Ost gebaut werden. Die heiß begehrten Parkplätze wären dann weg. Für hohe Kosten müsste zumindest teilweise Ersatz geschaffen werden. Foto: Meyer

Am Donnerstagmittag hatten bereits rund 400 Bürger die Online-Petition unterzeichnet. Sie richtet sich generell gegen eine Feuerwache auf dem Insel-Areal, sie soll nach dem Wunsch der Unterzeichner also weder auf dem Sport- noch auf dem Dreschplatz entstehen. Wie berichtet, sehen Experten nach eingehenden Prüfungen aber nur dieses Areal als geeignet an. Dies unterstreicht ein dreiseitiges Schreiben des Feuerwehrausschusses, das diese Woche an die Rathausspitze sowie an alle Stadt- und Ortschaftsräte ging. Es gehe hier nicht um ein Einzelprojekt der Feuerwehr, sondern „um die langfristige Sicherstellung der Gefahrenabwehr, des Bevölkerungsschutzes und des Katastrophenschutzes für die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt“, schreibt das Expertengremium. Der Feuerwehrausschuss ist ein nach dem Feuerwehrgesetz vorgeschriebenes Organ jeder Freiwilligen Wehr. Er setzt sich zusammen aus den Abteilungskommandanten der ehrenamtlichen Abteilungen und weiteren gewählten Mitgliedern. Dieses Gremium mahnt: Weitere „Ehrenrunden“ dürfe es nicht geben.

Bereits in der denkwürdigen Sitzung des Bauausschusses am Mittwochabend hatte Feuerwehrkommandant Sebastian Fischer versucht, im Ort kursierenden Behauptungen mit Fakten zu begegnen. So sei etwa das Insel-Areal erwiesenermaßen selbst bei extremem Hochwasser stets zu erreichen. Es sei kein sprunghafter Anstieg des Einsatzverkehrs zu befürchten, wovor Projektkritiker warnen. Für die Hauptfeuerwache am Messplatz, die ja weiter bestehen bleibt, würden binnen 24 Stunden sechs bis sieben Einsätze registriert. Auf Eutingen käme also eine geringe Anzahl an Einsatzfahrten zu. „Kein Vergleich zu den Elterntaxis morgens“, so Fischer. Und die Feuerwehr rücke durch den neuen Standort ein gutes Stück weg vom Bereich mit Schulen und Kindergärten, in dem sich aktuell noch das 1972 gebaute, viel zu enge und marode Gerätehaus befindet.

Besorgter Ortsvorsteher

In der Sitzung am Mittwoch ließen die Sprecher der gemeinderätlichen Fraktionen und Gruppierungen keine Zweifel am Bedarf dieser Wache und am Insel-Areal als einzig möglicher Lage. Das Mahle-Behr-Gelände liegt weit außerhalb. Wie Kommandant Fischer bekräftigte, wohnt im Umkreis von 500 Metern kein einziger Kamerad der Freiwilligen Feuerwehr, zu lange Ausrückzeiten wären die Folge. Eine Freifläche an der B10 scheidet wegen des Trinkwasserschutzes aus. Mehrere Fraktionssprecher prangerten aber auch die harte Gangart des Turnvereins an.

Die Stimmung in Eutingen und die andauernde Diskussion bereiten auch Ortsvorsteher Andreas Renner Sorgen. Drei Punkte seien für ihn zentral: Die Sicherheit Eutingens müsse gewährleistet sein. Es brauche eine Kombiwache für Berufswehr und Freiwillige Abteilung, weil das aktuelle Feuerwehrhaus massive Mängel aufweise. Und: Feuerwehr wie Turnverein müssten dauerhaft weiterexistieren können. Renner hält fest, dass der Standort an der B10 für ihn die „Top-Variante“ gewesen wäre. Von den beiden realistischen Standorten wäre der Sportplatz „nach Aktenlage die weniger schlechte Lösung“.

Das Angebot einer modernen Ersatz-Anlage nach den Vorstellungen des Vereins samt Funktionsgebäude bezeichnet Renner als „Riesenchance“. Aber: „Wenn der gesamte Turnverein sagt, das wollen wir nicht, dann ist das zu akzeptieren.“ Das Risiko einer zeitlichen Verzögerung durch Rechtsstreitigkeiten könne man mit Blick auf die kollektive Sicherheitslage nicht eingehen, weswegen nur der Dreschplatz bleibe. Wichtig sei, dass „die entstandenen Gräben zugeschüttet werden“.

TV in kniffliger Lage

Den Dreschplatz wird der TV laut einer schriftlichen Mitteilung des Vorsitzenden Florian Korschin – wenn auch zähneknirschend („hilfsweise Weg B“) – als Standort akzeptieren. Ein Bau dort kommt übrigens deutlich teurer. Unter anderem deshalb, weil für die komplett wegfallenden Parkplätze zumindest teilweise Ersatz geschaffen werden muss.

Auf eine Anfrage hat der Vorstand des TV Eutingen um Korschin bis Redaktionsschluss nicht geantwortet. Nach PZ-Informationen herrscht bei den Verantwortlichen aber Unmut darüber, dass die Stadt durch die überraschende Wendung hin zur „Dreschplatz-Lösung“ nun quasi dem Turnverein den „Schwarzen Peter“ zugeschoben habe. Wie aus dem Umfeld des Vereins zu erfahren ist, sei es deswegen aber bisher zu keinerlei Anfeindungen aus der Eutinger Bevölkerung gekommen. Außerdem weisen Mitglieder darauf hin, dass der TV – sollte der Dreschplatz wegen des Feuerwachenneubaus als Festplatz wegfallen – anderen Vereinen angeboten habe, das Areal des Turnvereins nutzen zu dürfen. „Trotzdem fühlen wir uns gerade als Buhmänner, die ungerechtfertigterweise an den Pranger gestellt werden“, sagt ein 73-jähriges Vereinsmitglied.

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