Zeit, dass sich was dreht: Windrad auf dem Kälbling wird repariert
Bad Wildbad. Seit Monaten steht ein Windrad auf dem Kälbling wegen eines Defekts still. Die PZ war vor Ort, um sich die beiden Windkraftanlagen anzuschauen. Und hat dabei eine interessante Entdeckung gemacht, die hoffnungsvoll stimmt: Ein Großkran wird gerade bei Anlage zwei aufgebaut.
Knapp ein Jahr ist es jetzt her, seit der Windpark Kälbling auf dem Höhenzug hinter Calmbach in Betrieb gegangen ist. Zumindest zur Hälfte. Denn wie berichtet, steht eine der beiden Anlagen fast von Beginn an wegen eines schwerwiegenden Defektes still. Und das Warten auf die Reparatur zieht sich seit Wochen hin.
In dieser Woche kommt nun endlich Bewegung in die Sache. Schon auf den breit geschotterten Wegen zu den beiden Anlagen, die aufgrund der anstehenden Reparaturen mit schwerem Gerät noch nicht wie geplant zurückgebaut werden konnten, merkt man, dass auf dem Kälbling Betrieb ist. Lieferwagen fahren auf den Schotterpisten, die Zufahrt zur Anlage zwei ist von einem Lastwagen blockiert. Schon kurz davor verbietet ein Schild, weiter zu fahren: Gefahrenbereich, Kranarbeiten, Betreten verboten steht darauf.
Kranarbeiten? Das sind schon mal gute Nachrichten, denn auf die haben die Beteiligten schon seit Wochen gewartet. Denn ein solches Gerät ist laut der zuständigen EnBW-Pressesprecherin Miriam Teige nötig, um die das Windrad zu reparieren. Der defekte Triebstrang müsse getauscht werden, sagte sie bereits im März. Und so einen Großkran nach Bad Wildbad zu bekommen, ist offenbar gar nicht so einfach – diese Arbeitsgeräte seien ständig ausgebucht. Noch vor wenigen Tagen hieß es, es gebe noch keinen konkreten Termin. Nun wird ein solcher aber tatsächlich aufgebaut.
„Der eingesetzte Kran hatte an seinem vorherigen Einsatzort einen technischen Defekt, der inzwischen kurzfristig behoben wurde. Aktuell wird er am betroffenen Windrad aufgebaut, um die notwendigen Reparaturarbeiten durchzuführen“, so Teige.
Wie lange die Reparatur dauert, sei noch nicht abzuschätzen. Die Pressesprecherin betont: „Der Schaden am Windrad stellt ein absolutes Einzelfallereignis dar.“ Wann die zweite Windenergieanlage endlich in Betrieb gehen kann, wisse man auch noch nicht.
Nicht nur im Bad Wildbader Gemeinderat gab es schon mehrfach kritische Nachfragen, warum der zehn Jahre lang geplante Windpark nicht wie vorgesehen Strom produziere und was dies für die Stadt finanziell bedeutet. Auch die Menschen in Calmbach selbst sind verwundert.
„Ich sehe direkt von meinem Balkon, dass sich ein Windrad dreht und das andere steht“, sagt Jessica Blume.
Sie fände es gut, wenn das endlich richtig funktioniert. Ein älterer Mann, der gerade auf den Ersatzbus in Richtung Pforzheim waret, schimpft:
„Das ist so typisch für Deutschland mittlerweile. Was funktioniert hier überhaupt noch?“, fragt er auch mit Blick auf die vielen Baustellen, an denen seiner Meinung nach mit zu wenig Einsatz zu lange gearbeitet werde.
Yvonne Bott aus Calmbach bekräftigt:
„Ich stehe voll hinter den erneuerbaren Energien. Allerdings schaue ich morgens immer aus dem Badfenster und sehe, dass sich seit Monaten ein Windrad dreht und eines nicht. Ich habe selbst ein E-Auto, wir brauchen erneuerbare Energien. Aber dann sollten sie auch funktionieren“ meint sie.
Manche sprechen auch von einem Imageschaden für die Windkraft angesichts des langen Wartens auf eine Reparatur.
Bad Wildbads Stadtförster Andreas Wacker ist froh, dass der Rückbau noch rechtzeitig für die Reparaturarbeiten gestoppt wurde und man nicht wieder neu abholzen musste. Die Bad Wildbader Stadtverwaltung geht aktuell davon aus, dass ihnen durch den Stillstand der einen Anlage keine finanziellen Nachteile entstehen, weder bei der Pacht noch bei der Umsatzbeteiligung.
An einigen Stellen rund um die Windräder auf dem Kälbling wirkt es dennoch, als hätte sich die Natur die Flächen wieder zurückgeholt. Unmengen an knallig pinkem Fingerhut wachsen an den Böschungen entlang der Schotterpisten. Es ist windstill an diesem Vormittag, auch die funktionierende Anlage dreht sich nicht. Zu hören ist nur Vogelgezwitscher – und die Arbeiter, die mit großem Aufwand den Kran aufbauen. Wenn der steht, kann das Windrad repariert werden. Und sich dann hoffentlich endlich wie geplant drehen.
