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Remchingen -  14.01.2026
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Zeitloses Schein und Sein: Filmtheater mit Erich Kästners „Drei Männer im Schnee“ in Remchingen

Remchingen. Dass es keine schrillen Farben oder spektakuläre Licht- und Soundeffekte für ein unterhaltsames Theaterstück braucht, beweist das Filmtheater Lange & Leder GbR mit seiner Aufführung von Erich Kästners „Drei Männer im Schnee“ – ganz in Schwarz-Weiß gehalten. 600 Gäste kommen in die ausverkaufte Remchinger Kulturhalle für einen Dienstagabend voller Humor und Nostalgie.

Lässt sich vom Schein blenden: Frau Casparius (Kirsten A. Lange) macht sich an den vermeintlichen Millionär ran. Dabei ist Hagedorf (Slim Weidenfeld) ein arbeitsloser Akademiker.
Lässt sich vom Schein blenden: Frau Casparius (Kirsten A. Lange) macht sich an den vermeintlichen Millionär ran. Dabei ist Hagedorf (Slim Weidenfeld) ein arbeitsloser Akademiker. Foto: Dühnen

Gesellschaftskritische Verwechslungskomödie

Kästners gesellschaftskritische Verwechslungskomödie vom Millionär Tobler (Markus Rührer), der in einem Luxushotel vorgibt, ein armer Mann namens Schulze zu sein, um zu sehen, wie er ohne den Glanz seines Vermögens behandelt wird, ist 2026 so wie zu Uraufführungszeiten in 1934 aktueller denn je. „Ich werde das Glashaus zertrümmern, in dem ich lebe“, sagt Tobler und reist an mit seinem Diener Johann Kesselhut (Joeri Burger), der vorgibt ein reicher Geschäftsmann zu sein. Dem Geheimrat nicht dienen zu dürfen, fällt ihm sichtlich schwer und wird wunderbar von Joeri rüber gebracht: „Darf ich wenigstens einmal in Ihr Zimmer kommen und aufräumen?“

Das Hotelpersonal hält den arbeitslosen Akademiker Dr. Hagedorn (Slim Weidenfeld) dafür für den Millionär und zeigt durch ihr ungleiches Behandeln der beiden Männer, wie sehr Menschen nach Geld und Status urteilen.

Statusorientierte Menschen

Während Hagedorn vom Portier (Dirk Volpert) hofiert, umsorgt und bewundert wird, begegnet man Tobler mit Geringschätzung. Er versucht, den Kontakt zwischen Tobler und Hagedorn zu verhindern, aber scheitert. Die beiden freunden sich an. „Na sieh mal einer an. Unser Millionär arm in arm mit Herrn Schulze. Wie Goethe und Schiller. Einfach tierisch“, spottete der Portier.

Besonders deutlich wird die Haltung auch am Verhalten von Hotelgästin Casparius (Kirsten A. Lange). Sie sucht die Nähe des vermeintlichen Millionärs Hagedorns und behandelt Tobler abwertend. Ein Gegenpol bildet Toblers Tochter Hilde (Marylin Pardo), die aus Sorgen um ihren Vater mit Hausdame Kunkel (Saskia Leder) anreist und sich in Hagedorn verliebt und nicht in sein vermeintliches Geld.

Clevere, witzige Dialoge

Das lebendige Spiel, die Gestik und Mimik des Ensembles tragen zu der außergewöhnlichen Atmosphäre des Stücks bei. Zusammen mit Kästners brillanten Dialogen kommt das Publikum auf seine Kosten. Vor allem die Verwechslungsszenen sorgen für laute Lacher. Zum Beispiel als Hagedorn den für den Kostümball nicht verkleideten Diener fragt: „Sie sind nicht kostümiert, Herr Kesselhut?“ und er „Doch“ antwortet und ihm sein Fehler sofort auffällt. Nach einer Flasche Wein schlüpfen Tobler und der Diener aus Jux in ihre echten Rollen. Endlich kann Johann seinen Geheimrat wieder umsorgen. Hagedorn ist ganz begeistert: „Als ob ihr die Rollen jahrelang einstudiert hättet“.

Kostüme (Claudia Radowski) und Bühnenbild (Judith Bayer) schaffen dazu eine nostalgische Atmosphäre. Die wunderschöne Kleidung ist elegant und unterstreicht den ruhigen, klassischen Stil und verankert das Stück klar in den 1930er-Jahren.