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Ötisheim -  15.04.2026
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Zimmerer sind trotz Krise auf Kurs: Hoffnung schenken die Ausbildungszahlen

Ötisheim. Ötisheim. Auch wenn die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen schon mal einfacher waren: Etwa in der Mitte seines Berichts sagt Patrick Vester einen Satz, der als eine Art Motto über dem gesamten Abend stehen könnte. Der Obermeister der Zimmerer-Innung betont, wie wichtig es gerade in schwierigen Zeiten ist, zusammenzurücken. Denn er weiß: „Einigkeit macht stark.“

Der ehemalige Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Matthias Morlock, seine Nachfolgerin Catarina Haberstroh und Obermeister Patrick Vester (von links) sehen die Zimmerer-Innung auf einem guten Weg.
Der ehemalige Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Matthias Morlock, seine Nachfolgerin Catarina Haberstroh und Obermeister Patrick Vester (von links) sehen die Zimmerer-Innung auf einem guten Weg. Foto: Nico Roller

Dass die Rahmenbedingungen für das Zimmerer-Handwerk anspruchsvoll sind und die Zukunft voller Herausforderungen steckt, daraus macht Vester bei der Hauptversammlung seiner Innung am Dienstag keinen Hehl. Steigende Auflagen im Umweltbereich zählt er ebenso auf wie überbordende Bürokratie und explodierende Energiepreise. Sein Fazit: „Ein wirklich spürbarer Aufschwung für Baden-Württemberg ist unter diesen Umständen nicht zu erwarten.“ Obwohl sich an den politischen Kraftverhältnissen im Land bei der Wahl wenig geändert hat, wird das für die Innung wichtige Bauministerium die Farbe wechseln.

Damit endet die Zeit der CDU-Bauministerin Nicole Razavi, mit der die Innung laut Vester bislang einen „guten Kontakt“ hatte. Die Arbeit der Landesregierung war aus seiner Sicht in jüngerer Zeit für die Zimmerer „nicht so verkehrt“. Etwa durch die Holzbau-Offensive: „eine durchweg positive Geschichte für uns“. Lob gibt es auch für das Konjunkturprogramm der Bundesregierung, das es vielen Kommunen ermöglicht, Bauvorhaben trotz klammer Kassen zu realisieren.

Haushalte unter Druck

Doch was passiert, wenn die 100 Milliarden weg sind? Vester weiß, dass die kommunalen Haushalte unter Druck stehen, dass hohe Baukosten in Kombination mit gestiegenen Zinsen und wirtschaftlicher Unsicherheit dazu führen, dass auch viele Privatleute ihre Bauvorhaben zurückstellen. Aktuell sind es vor allem die energetische Sanierung und die Nachverdichtung in Form von Aufstockungen und Anbauten, die die Betriebe am Leben halten. „Aber nicht jeder Betrieb ist dafür geschaffen.“

Dennoch: Vester will nicht lamentieren, sondern „recht zuversichtlich in die Zukunft blicken“. Denn aus seiner Sicht hat das Handwerk in den vergangenen Jahren deutlich gezeigt, dass es anpassungsfähig, innovativ und krisenfest ist. Zwar wird auch bei den Zimmerern viel automatisiert: „Aber bis wir durch KI und Roboter ersetzt werden können, dauert es noch sehr lange.“

Viel Nachwuchs gewonnen

Zuversichtlich stimmen den Obermeister unter anderem die Erfolge bei der Nachwuchsgewinnung. Dass die Ausbildungszahlen auch in der Region wieder steigen, führt er unter anderem auf die verstärkte Präsenz der Innung zurück, zuletzt etwa bei Ausbildungsmessen in Remchingen und Mühlacker und auf der zweitägigen Berufe-Meile auf dem Pforzheimer Marktplatz.

Auch Catarina Haberstroh sieht die Handwerksbetriebe in der Region „auf einem guten Weg“. Die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft verweist unter anderem auf den Ausbau der Kooperationen mit allgemeinbildenden Schulen, vor allem mit Gymnasium, bei denen sie „eine sehr positive Tendenz“ wahrnimmt: weg vom Studium, hin zur handwerklichen Ausbildung.

Die Kreishandwerkerschaft steht den Innungsbetrieben stets unterstützend zur Seite, etwa durch regelmäßige Informationsschreiben, durch das Ausrichten von Veranstaltungen wie der Freisprechungsfeier, durch Seminare und als Interessenvertretung gegenüber der Politik. Mit Haberstrohs Hilfe hat sich die Zimmerer-Innung inzwischen personell neu aufgestellt, mit einer klaren Verteilung der Zuständigkeiten. Obermeister Vester ist sicher: „Damit können wir gut in das Jahr gehen und uns den neuen Aufgaben stellen.“

Künftig will der Obermeister die Geselligkeit wieder mehr in den Vordergrund rücken und neue Mitglieder gewinnen. Denn er ist überzeugt, dass die Innung einen großen Mehrwert bietet: fachlich, organisatorisch und menschlich.