Zu viele Anmeldungen im Pforzheimer Stadtgebiet: Frust über fehlende Plätze an Realschulen
Pforzheim. „Das Thema zieht sich leider wie ein roter Faden durch unser Leben“, sagt Kathrin M. (Name geändert). Beim Kindergarten-Platz habe es schon Probleme gegeben, dann beim Hort an der Grundschule und nun auch bei der weiterführenden Schule. Hier hatte sich die Familie eine Pforzheimer Realschule in der Nähe ihres Wohnorts ausgesucht und den Sohn von Kathrin M. dort angemeldet. „Aber da haben wir eine Absage bekommen, es gab dort viel mehr Anmeldungen als Plätze“, schildert die Mutter des Viertklässlers, die sich in ihrer Not an die PZ gewandt hat.
Denn auch bei den beiden anderen Pforzheimer Realschulen, die sie als Zweit- oder Drittwunsch angegeben hatte, ging die Familie leer aus. Stattdessen wurde ihnen ein Platz in Mühlacker oder Bad Liebenzell angeboten, wohin der Sohn mit dem Bus fahren müsste.
„Es ist doch wirklich irre, dass man nirgends in Pforzheim unterkommt“,
sagt Kathrin M., die von weiteren Familien berichtet, denen es ähnlich geht.
Geburtenstarker Jahrgang
Sie vermutet, dass die Platz-Not zum einen mit dem geburtenstarken Jahrgang ihres Sohnes zusammenhängt. Aber auch die verbindliche Grundschulempfehlung für die Gymnasien und die Tatsache, dass auch an den Realschulen Schüler auf G-Niveau unterrichtet werden und zum Ende der neunten Klasse den Hauptschulabschluss machen können, trägt ihrer Ansicht nach dazu bei, dass die Realschulen sehr voll sind.
Diese Gründe nennt Volker Traub allerdings nicht. Für den Leiter des Staatlichen Schulamts Pforzheim lassen sich keine belastbaren Aussagen zu den Gründen für die erhöhte Nachfrage ableiten.
„Die Anmeldezahlen in Klassenstufe 5 hängen regelmäßig von mehreren Faktoren ab“,
sagt Traub und nennt unter anderem die Schülerzahl in Klasse 4, das Wahlverhalten der Eltern, Anmeldungen aus umliegenden Gemeinden, Wechsel zwischen Schularten sowie die regionale Erreichbarkeit einzelner Schulstandorte.
Er räumt jedoch ein, dass die verfügbaren Plätze an den öffentlichen Realschulen in Pforzheim im aktuellen Anmeldeverfahren nicht ausreichen, um alle Erstwünsche im Stadtgebiet zu erfüllen. Deshalb seien im Rahmen der Schülerlenkung auch zumutbar erreichbare Realschulstandorte außerhalb des Stadtgebiets in den Blick genommen worden. Traub zufolge unterscheidet sich das diesjährige Anmeldeverfahren an den weiterführenden Schulen nicht von den Vorjahren.
Keine verbindliche Zusage
Die Eltern meldeten ihre Kinder zunächst an der gewünschten Realschule an, jedoch sei diese Anmeldung noch keine verbindliche Aufnahmezusage, betont er. Ob ein Kind letztlich aufgenommen werde, entscheide die jeweilige Schulleitung im Rahmen der rechtlichen und schulorganisatorischen Vorgaben.
„Dabei sind insbesondere die vorhandenen räumlichen und organisatorischen Kapazitäten der Schule zu berücksichtigen“,
sagt Traub.
Übersteige die Zahl der Anmeldungen die Aufnahmemöglichkeiten einer Schule, würden Schüler umgelenkt. „Ein Anspruch auf Aufnahme in eine bestimmte Schule besteht nicht, solange der Besuch einer anderen Schule desselben Schultyps möglich und der Schülerin oder dem Schüler zumutbar ist“, sagt der Amtsleiter. Bei dieser Prüfung werden ihm zufolge auch individuelle Umstände und besondere Bedarfe berücksichtigt. Konkrete Fallzahlen liegen dem Staatlichen Schulamt derzeit noch nicht vor, da sich die Anmeldezahlen laut Traub im Verfahren verändern können, etwa durch Ummeldungen, verspätete Anmeldungen oder veränderte Elternentscheidungen nach Beratung durch die Schulen. Es ist also noch manches im Fluss.
