Zwischen Bergwerk und Baustelle: So trotzt die Region der extremen Hitzewelle – Fällt der Hitzerekord?
Was für eine Bruthitze: Am Freitag oder Samstag sind die höchsten Temperaturen jemals drin. Den aktuellen Spitzenwert hält Mühlacker mit 39,2 Grad.
Die Junihitzewelle geht in der PZ-Region in den Endspurt. Und bei Prognosen, die an der 40-Grad-Marke kratzen, könnten die Hitzerekorde tatsächlich wackeln. Der brutalste Wert in der anscheinend nach oben offenen Glutofenskala hält Mühlacker. Die dortige Wetterstation hatte am 7. August 2015 39,2 Grad im Schatten gemeldet. Für die Station Ispringen-Pforzheim ging es am selben Tag so hoch wie nie: auf 38,2 Grad.
Zumindest dieser Juni steuert laut Deutschem Wetterdienst in Baden-Württemberg auf einen Monatsrekord zu. Dabei liegt der bisherige Durchschnitt in der Region noch knapp hinter dem Jahr 2023. Tendenz allerdings stark steigend. Heftige Hitze erwarten die Meteorologen von Wetterkontor für Enzkreis, Pforzheim und Kreis Calw noch bis Ende der Woche. „Im Lauf des Sonntags schiebt dann ein Tiefdruckgebiet aus Skandinavien nach Deutschland rein“, sagt Meteorologin Janina Lersch. Das könne im Lauf des Tages Gewitter bringen. Regen sei aber vor allem zwischen Montag und Mittwoch zu erwarten. Die Temperaturen könnten sinken, wären zwischen 26 und 28 Grad aber weiter hochsommerlich.
Im langjährigen Vergleich fällt auf, dass die allermeisten der jüngsten Sommer zu den heißesten zählen. In den Top-Zehn für Ispringen-Pforzheim ist mit 1994 nur noch ein Sommer vor der Jahrtausendwende. Die Hitze steigt und steigt. Eindeutig.
Unterirdische Temperaturen im Bergwerk
„Glückauf!“: Mit dem Gruß der Bergleute führt Michael Schürmburg vom Verein Grube Frischglück eine 10. Klasse des Pforzheimer Hilda-Gymnasiums in das Besucherbergwerk Neuenbürg. Vorbei geht es an Barbara, Schutzheilige der Bergleute, und 800 Meter durch die Tunnel des Eisenerzwerks. Bei jährlich konstanten sechs bis acht Grad sieht man den eigenen Atem in der Luft. „Wenn man wieder rauskommt, ist das wie ein Saunaeffekt“, warnt Schürmburg und tatsächlich: Brillenträger müssen ihre beschlagenen Gläser putzen.
Kein Schatten, aber jede Menge Arbeit
Knochentrocken ist der Boden im entstehenden Neuhausener Baugebiet Falter. „Man weiß, es wird hart, wenn man zur Arbeit kommt“, sagt Patrick Ritter von der Firma Morof über die Hitzewelle. Morof erschließt das Gebiet, die Baustelle ist ohne jeden Schatten. Ritter wechselt die Arbeiter zwischen Einsatzorten so durch, dass sie nicht immer in der Knallsonne schuften. Und: Sie beginnen eine Stunde früher. Nico Schaitle und seine Kollegen sind nun von 6 bis 16 Uhr im Einsatz. Morof stellt Getränke – und Sonnencreme.
Im Kühlschrank des Klosters
Mit jeder Stufe hinunter ins Lapidarium entflieht man der Hitze mehr. Ein Meter dicke Mauern halten im Kloster Maulbronn den Sommer draußen. Besonders hier, wie Sonja Hagenlocher erzählt. Seit über 20 Jahren führt sie durchs Kloster.
Das Lapidarium, heute ein Ausstellungsraum, diente früher als Lager für Lebensmittel. Das Kloster nutzt derzeit seine Sommerkirche mit angenehmen Temperaturen. Im Winter wäre es dort zu kalt.
Der Dönergrill heizt weiter ein
48 bis 49 Grad heiß ist es direkt am Grill des „Döner Express“ am Wildbader Bahnhof. Wer in den historischen und umgebauten Mitropa-Waggon kommt, spürt direkt, was das bedeutet. Drei Ventilatoren versuchen dagegen anzukämpfen, aber eigentlich verteilen sie nur die heiße Luft. „Wir trinken viel“, erzählen die Mitarbeiter. Bei der Hitze fehle ihnen die Hälfte der üblichen Kundschaft. Sie warten auf die Sommerferien und den Tourismus.
Heiß am Kessel, kalt im Keller
„35 Grad überschreitet es im Sudhaus schon“, sagt Leopold Volk, Inhaber von Adler-Bräu aus Wiernsheim. Während draußen die Sommerhitze drückt, herrschen in der Brauerei völlig unterschiedliche Klimazonen. Im Gärkeller liegt die Temperatur bei rund neun Grad. Noch kälter ist es im Lagerkeller mit etwa null Grad. „Erst mal ist es kurz Erholung. Wenn man wieder rauskommt, läuft man aber voll gegen eine heiße Wand.“
