Birkenfeld
Birkenfeld -  15.07.2026
Artikel teilen: Facebook Twitter Whatsapp

Großbrand in Pinache: Gewitterregen hilft der Feuerwehr spät, vergrößert aber Schäden

Wiernsheim. Am Ende kam noch das erlösende Gewitter mit kurzzeitig viel Regen nach einem sehr heißen und trockenen Sommertag in Pinache. Allerdings so spät, dass wegen des offenstehenden Dachstuhls am Alten Rathaus in der historischen Ortsmitte, durch den sich das Feuer ab 12.12 Uhr am Dienstag gefressen hat, weitere Schäden zu befürchten seien, wie Bürgermeister Matthias Enz der PZ erklärt.

Brand Pinache Waldensermuseum
Großeinsatz für alle Abteilungen der Feuerwehr Wiernsheim und benachbarte Wehren des Enzkreises: Bürgermeister Matthias Enz (ohne Helm) bespricht sich auf der Pinacher Hauptstraße am Tag des Brandes mit den Feuerwehrleuten vor Ort. Foto: Meyer

Am Morgen nach dem verheerenden Dachstuhlbrand am Alten Rathaus von Pinache, in dem das Waldensermuseumsstüble und eine Wohnung untergebracht sind, wird erst das ganze Ausmaß der Schäden sichtbar: Das Dach ist fast komplett abgedeckt, teils aktiv durch die Einsatzkräfte, um die Löscharbeiten von außen zu ermöglichen. Die Polizei beziffert den Schaden in einer ersten Schätzung auf rund 500.000 Euro. Müsste das denkmalgeschützte Fachwerkhaus von 1812 mit seiner Konstruktion aus Holzbalken und teils Stroh in den Zwischenräumen jedoch teilweise oder auch zu großen Teilen abgetragen und neu aufgebaut werden, was Bürgermeister Matthias Enz nicht ausschließen kann, könnte es noch teurer werden. Das ist am Mittwoch aber noch ungewiss. Die Kriminalpolizei und die Spurensicherung ermitteln noch vor Ort. Die Gemeinde hat eine erste Meldung an die Gebäudeversicherung abgegeben, Sachverständige machen sich auf den Weg.

Klar ist nur: Der kurzzeitig starke Gewitterregen nach Einbruch der Dunkelheit half der Feuerwehr zugleich beim Kampf gegen Glutnestern, die auch nach dem Abrücken der beiden Drehleiterfahrzeuge aus Mühlacker und Niefern-Öschelbronn am Abend und in der Nacht immer wieder aufflammten und mit Wasser aus Schläuchen von unten gelöscht werden mussten. Das berichtet der Wiernsheimer Gesamtkommandant Tobias Feucht. Zu betreten sei das Gebäude im ersten Obergeschoss mit der Wohnung bereits am Vortag nicht mehr gewesen. „Das Feuer ist vom Dachstuhl auch nach unten gedrungen“, erklärt der Einsatzleiter. So sei bereits die Holztreppe nach oben komplett verbrannt gewesen, später seien die Decken durch Löschwasser instabil geworden. So hätten vorsorglich die Kameraden unter Atemschutz ihren Löschangriff im Innern des Gebäudes abbrechen müssen. Danach wurde nur noch von den Drehleitern aus von oben gelöscht. Er selbst sei in Friolzheim bei der Arbeit gegen 12.15 Uhr alarmiert worden, erzählt der Kommandant. Auf dem Weg in seinem Auto zum Einsatz habe er bereits auf Höhe des Golfplatzes in Mönsheim eine riesige Rauchsäule sehen können. Ab da ahnte er, was auf ihn und seine Kameraden zukommen könnte.

Das Feuer muss sich, begünstigt durch den Wind bei der starken Hitze, blitzartig ausgebreitet haben, wird aus den Schilderungen Feuchts deutlich. Am Nachbarhaus seien bereits die Rollläden geschmolzen. Der Schutz der Nachbarbebauung habe alle Kräfte gefordert. Kreisbrandmeister Carsten Sorg erklärt im Nachgang, dass durch die große Hitze Einsatzkräfte schneller abgelöst werden mussten und die Versorgung mit Lösch-, aber auch Trinkwasser sowie Proviant zur Herausforderung wurde. Der Wiernsheimer Bürgermeister Matthias Enz berichtet telefonisch am Morgen: „Alle Beteiligten sind geschafft vom gestrigen Abend und der Nacht, auch aufgrund der Hitze.“ „Gefühle spielen erst einmal keine Rolle“, stellt Enz fest. Für die Nacht seien Brandwachen eingeteilt worden. Frische Kräfte aus den eigenen Reihen hätten die tagsüber im Einsatz befindlichen Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr mit ihren vier Abteilungen abgelöst. Den ganzen Abend und die ganze Nacht war die Feuerwehr Wiernsheim mit allen verfügbaren Kräften, rund 120 Kameradinnen und Kameraden aus vier Abteilungen, weiter im Einsatz. Die Bewohner des Gebäudes – eine Frau und zwei Jugendliche leben laut Verwaltung im ersten Obergeschoss – sind durch den Brand obdachlos geworden.

Cornelia Schuler, Museumsleiterin im Waldensermuseumsstüble, erhält Trost und Zuspruch von Waldenserfreunden aus aller Welt, etwa aus der Partnergemeinde Pinasca. Von dort sei erst vorigen Samstag eine Delegation zu Besuch gewesen. Die Anteilnahme sei enorm, auch von örtlichen Institutionen. „Wir hatten Glück im Unglück. Alle über 800 Ausstellungsstücke konnte die Feuerwehr aus unseren Räumen retten. Wir machen weiter“, sagt sie, auch „mit Wehmut über die Tragödie“.