Birkenfeld
Birkenfeld -  22.06.2026
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Überfall mit Baseballschläger in Birkenfeld: Angeklagter streitet Vorwurf versuchten Mords ab

Birkenfeld. Vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Karlsruhe muss sich seit Montag ein 52-jähriger Italiener laut Anklage wegen versuchten Mords, gefährlicher Körperverletzung und besonders schwerem Raub verantworten. Für das Verfahren unter Vorsitz von Fernando Sanchez-Hermosilla sind vier Verhandlungstage angesetzt. Das Opfer, ein damals 69-jähriger Mann aus Birkenfeld, war voriges Jahr bei einem brutalen Überfall mit einem Baseballschläger vor seinem Wohnhaus vom Angeklagten und einem noch flüchtigen Komplizen lebensgefährlich verletzt worden.

Der Angeklagte wird von Justizbeamten in Handschellen vorgeführt.
Der Angeklagte wird von Justizbeamten in Handschellen vorgeführt. Foto: Meyer

Rund 300 Euro Bargeld, die der 69-Jährige bei sich trug, hatten die Täter an sich genommen. Die Täter hatten das Opfer in seiner Wohnung mit einem Kabel gefesselt und ihm war eine Hose über den Kopf gezogen worden. Dies ging am Montag unter anderem aus den Aussagen von Polizeibeamten im Zeugenstand hervor.

Oberstaatsanwalt Nils Gertler wirft dem Angeklagten vor, den früheren Birkenfelder Gemeinderat aus Habgier lebensgefährlich verletzt zu haben mit der Absicht, ihn zu töten. „Sie verließen den Tatort in der festen Überzeugung, das Opfer werde seinen Verletzungen erliegen.“

Es handle sich um versuchten Mord in Tateinheit mit besonders schwerem Raub und schwerer Körperverletzung.

Das Opfer erlitt ein offenes Schädel-Hirn-Trauma und eine Fraktur der linken Stirnhöhle sowie Platzwunden. Der Mann lag nach dem Überfall schwer verletzt am Boden in seiner Wohnung, konnte sich trotz Kabelfesseln an den Händen selbst befreien und über sein Handy die Polizei anrufen. Er überlebte, anfänglich auf der Intensivstation des Pforzheimer Siloah-Krankenhauses, bei einem über einwöchigen stationären Aufenthalt.

Internationale Fahndung

Der jetzige Angeklagte war nach internationaler Fahndung durch den Treffer in einer DNA-Datenbank in Neapel Anfang Oktober festgenommen und nach Deutschland überstellt worden. Die „DNA-Mischspur“ war an der hinteren Hosentasche des Opfer gesichert worden. Der 52-jährige, in der Nähe von Neapel aufgewachsene Angeklagte räumte bei seiner Einlassung vor Gericht ein, bei der Tat vor Ort gewesen zu sein als Fahrer und Handlanger. Auch will er den Geldbeutel des Opfers auf Anweisung an sich genommen haben. Er beschrieb sich als letztlich unwissender Helfer, der von der Absicht, das Opfer mit einem Baseballschläger zu überfallen, überhaupt nichts gewusst haben will. Er habe sich sogar schützend mit seinem Körper über das Opfer geworfen, als die gezielt von seinem rumänischen Begleiter, genannt „Elvis“, auf den Kopf gesetzten Schläge niedergingen, und selbst etwas am Rücken und an der Hand abbekommen.

Das Tatwerkzeug habe der rumänische Bekannte auf der Fahrt im ausgeliehenen Auto des Italieners in einem Rucksack vor ihm verborgen, als sie zusammen zur Wohnadresse des Birkenfelders unterwegs waren. Bei Vernehmungen durch die Polizei gab der Angeklagte an, man habe zu ihm gesagt, dass es mit der Person Probleme gebe und man ihr Angst einjagen wolle. Es sei jedoch keine körperliche Gewalt zu erwarten gewesen. Er sei wegen Mafiadelikten und organisierter Kriminalität in Haft gesessen, habe jedoch nie an Schlägereien teilgenommen oder sonst Hand an jemanden gelegt. Er will dem Opfer zusammen mit dem von ihm beschuldigten flüchtigen Täter aufgelauert haben, und das Opfer in den Hauseingang und schließlich in dessen Wohnung geschoben haben. Weder habe er ihm jedoch eine Hose über den Kopf gezogen noch ihn mit Kabeln gefesselt, geschweige denn gravierendere Gewalt angewendet. Die gerichtsmedizinische Sachverständige stellte fest, Lebensgefahr sei aufgrund der schweren Verletzungen nicht auszuschließen gewesen. Das Opfer sei im Rettungswagen kurzzeitig bewusstlos gewesen.

Nebenklage: Schmerzensgeld

Der Nebenklagevertreter, Rechtsanwalt Florian Bär aus Pforzheim, fordere mindestens 25.000 Euro Schmerzensgeld, wie aus einer Feststellung des Oberstaatsanwalts hervorging. Bei einer möglichen Verurteilung würde die Strafe laut Nils Gertler in Italien vollstreckt werden.

Der Angeklagte beschrieb sich selbst als ahnungslos in Bezug auf die konkreten Tatpläne. Er sei während zweier privater Besuche in seiner Freizeit in Stuttgart in die Fänge des rumänischen Bruders einer weiblichen Liebesbekanntschaft, mit der er sexuell verkehrt habe, geraten. Kennengelernt hätten sich alle in einer Table-Dance-Bar im Rotlichtviertel der Landeshauptstadt. Seine neue rumänische Bekanntschaft, die nur etwas Italienisch sprach, habe ihm nur gesagt, er müsse mit einem Freund bei Pforzheim etwas klären. Der Italiener sagte, er habe ihn daraufhin nach Birkenfeld gebracht. Selbst sei er nach der Tat im von einem Freund geliehenen Auto direkt zurück nach Neapel gefahren. Der Prozess wird am Freitag, 26. Juni, 9 Uhr, fortgesetzt.