Eisingen -  04.10.2021
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Bewahrer alter Eisinger Schätze: Im Heimatarchiv der Gemeinde gibt es allerhand zu entdecken

Eisingen. Im Dachgeschoss des Rathauses in Eisingen befindet sich das Gedächtnis der Gemeinde: Hier lagern Urkunden, Bilder, Bücher, Alltagsgegenstände und Dokumente aus vielen Jahrhunderten. Für den ehrenamtlichen Leiter des Heimatarchivs ist es Verpflichtung und Leidenschaft zugleich, diese Schätze zu erhalten.

Andreas Überschaer sammelt seit über 30 Jahren mit Leidenschaft historische Dinge aus Eisingen. Im Heimatarchiv stellt er diese aus. Foto: Wiessler
Andreas Überschaer sammelt seit über 30 Jahren mit Leidenschaft historische Dinge aus Eisingen. Im Heimatarchiv stellt er diese aus. Foto: Wiessler

Andreas Überschaers Finger gleiten über Bücher in einem Regal. Seine Augen suchen etwas Bestimmtes. Schließlich zeigt er auf in weinrotes Leinen eingebundene Bücher − den Lorscher Codex. "Das ist eines meiner wertvollsten Schätze", erzählt der 68-Jährige: "Gut 200 bis 300 Euro teuer und aus eigener Tasche gezahlt."

Stolz ist der Sammler auch auf Fotos von Eisinger Familien. Auf den Schwarzweiß-Bildern sind Paare zu sehen, manche herausgeputzt, andere in derber Arbeitskluft. Das alles sind Alltagszenen aus Eisingen der letzten Jahrzehnte. Die Fotos gehören zu den rund 8500 Schmuckstücken, die Überschaer hütet. Die Anfänge des Archivs reichen gut 30 Jahre zurück.

Interesse an Heimatgeschichte vom Vater

Der Hobby-Historiker sammelt alles, was ihm in die Finger kommt. Er rettet das Material vor Altpapier oder Sperrmüll. "Hin und wieder werde ich von Alteingesessenen angesprochen, man habe da noch alte Papiere liegen", erzählt er, "dann bin ich zur Stelle, um zu sichten und sichern."

Das Interesse an Heimatgeschichte hat er von seinem Vater. Mit dem Sammeln begonnen hat der gebürtige Freudenstädter schon 1988, ein Jahr, nachdem er berufsbedingt mit seiner Familie nach Eisingen übergesiedelt war.

Fast 40 Jahre lang war der IT-Fachmann für ein Pforzheimer Softwarehaus tätig. Privat gab es schon bald den Wunsch, ein Buch über die neue Heimat zu verfassen. Kein leichter Weg: 1994 wurde eine Festplatte mit fast allen Informationen und schon fertiggestellten Kapiteln zerstört. 2017 erlitt Überschaer einen Herzinfarkt.

Für ihn das Zeichen, seine private Sammlung der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Bürgermeister Thomas Karst unterstützte seinen Plan, und so konnte das Archiv 2019 in die Dachgeschosswohnung des ehemaligen Amtsmannes einziehen.

Heimatarchiv soll zum Museum werden

Wegen Corona mussten Besucher in den vergangenen Monaten fernbleiben. Überschaer war dennoch jede Woche ein paar Stunden dort, um zu lesen, zu sichten, zu digitalisieren und nach neuen Schätzen zu suchen. Das Reisen zu Archiven und Antik- und Trödelmärkten sei ja nur erschwert möglich gewesen. Und es wuchs der Wunsch in ihm, aus dem Heimatarchiv in näherer Zukunft ein kleines Museum zu machen.

Denn inzwischen bringen ihm die Eisinger auch recht große Artefakte, etwa eine Holzschulbank aus der alten Schule oder den übriggebliebenen Lautsprecher der Ortsrufanlage: "Jetzt fehlt für die ganzen Hinterlassenschaften nur noch das passende Haus, um diese Dinge unterzubringen."

Das Archiv ist zweimal im Monat geöffnet. Die Termine in diesem Jahr sind: 14. und 28. Oktober, 11. und 25. November, 9. und 23. Dezember, jeweils von 15 bis 17 Uhr.

Autor: Corina Wiessler