Eisingen -  01.11.2026
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Gemeinsam für eine gute Ernte: Bieterrunde der Solawi auf dem Ulmenhof

Eisingen. Auf einem großen Tisch stehen die grünen Kisten im Hof der Scheune 16 in Eisingen neben- und übereinander. Sellerie beherbergen sie diese Woche ebenso wie verschiedene Salate: frische, saisonale und obendrein biologisch-dynamisch erzeugte Lebensmittel, die vor Kurzem auf den Feldern des Ulmenhofs in Unterlengenhardt geerntet wurden. Bei schönstem Herbstwetter kommen immer wieder Menschen in den Hof, um eine der Kisten mitzunehmen.

Stefan Frittmann und Mathias John (von links) freuen sich auf die Bieterrunde, die am Samstag, 7. November, auf dem Ulmenhof stattfindet und bei der die Teilnehmer ihren Beitrag für die solidarische Landwirtschaft festlegen.
Stefan Frittmann und Mathias John (von links) freuen sich auf die Bieterrunde, die am Samstag, 7. November, auf dem Ulmenhof stattfindet und bei der die Teilnehmer ihren Beitrag für die solidarische Landwirtschaft festlegen. Foto: Nico Roller

Wobei die Verantwortlichen das Wort „Kiste“ nur äußerst ungern hören und eigentlich auch nicht in der Zeitung lesen wollen. Sie sprechen stattdessen vom Ernteanteil, den jeder bekommt, der sich an der solidarischen Landwirtschaft (Solawi) beteiligt, also an einem Modell, bei dem der Erzeuger das Geld erhält, das er benötigt, um unter fairen Bedingungen nachhaltig wirtschaften zu können. Um das zu erreichen, gibt es am Samstag, 7. November, um 14.30 Uhr auf dem Ulmenhof eine Bieterrunde, an der sich jeder beteiligen kann, der sein Gemüse im kommenden Jahr über die Solawi beziehen möchte.

„Wir teilen uns die Ernte“, sagt Mathias John, der als Pächter mit Inga Läuter den Ulmenhof bewirtschaftet und sich inzwischen seit zehn Jahren um den Anbau des Gemüses für die Solawi kümmert.

Vor der Bieterrunde ermittelt er den Betrag, der zusammenkommen muss, um die Ausgaben für den Anbau zu decken. Daraus ergibt sich, wie viel jeder Einzelne im kommenden Jahr monatlich für sein Gemüse bezahlt.

Für den kleinen Anteil liegt der Richtwert bei 62 Euro, für den großen bei 108 Euro. Wichtig ist, dass er bei der Bieterrunde im Durchschnitt erreicht wird. Wobei die Betonung auf dem Durchschnitt liegt, denn die Teilnehmer geben individuell und verdeckt an, wie viel sie für ihren Anteil bezahlen können. Weil die einen dabei etwas über den Richtwert gehen und die anderen etwas darunter liegen, hat es bislang laut John nie mehr als zwei Durchgänge gebraucht, bis die Gesamtsumme gestimmt hat.

Der Landwirt findet das Konzept vor allem deshalb gut, weil es alle einbezieht, etwa Familien, die wenig Geld haben und trotzdem nicht auf hochwertiges Gemüse verzichten wollen. Für ihn geht es bei der Bieterrunde auch darum, sich kennenzulernen und wiederzusehen. Denn viele der Teilnehmer sind schon länger dabei, neue aber immer herzlich willkommen.

Inzwischen darf jeder mitbieten, ohne die bis vor zwei Jahren notwendige Mitgliedschaft in der Genossenschaft Solidarregion. Auch ein späteres Dazustoßen ist möglich, allerdings nur zum Monatsbeginn und nur zu einem Preis, der mindestens dem Richtwert entspricht.

John gefällt an der Solawi, dass sich Teilnehmer und Landwirt sowohl das Risiko als auch den Ertrag teilen. Ein Anbauplan zeigt, was in welchem Monat geerntet werden soll. Die Bandbreite reicht von Auberginen bis Zucchini, von Kürbissen bis zu Roter Bete, von Pastinaken bis zu Sellerie. Alles ist regional und saisonal, alles stammt aus biologisch-dynamischem Anbau. John und Läuter bewirtschaften rund 50 Hektar, von denen knapp 40 Grünland sind. Das Gemüse wächst auf rund 2,5 Hektar, nicht nur, aber auch für die Solawi.

Abholen können es die Teilnehmer wöchentlich an einem von sieben über die gesamte Region verteilten Depots, etwa an der Scheune 16 in Eisingen, in der Birkenfelder Schwarzwaldstraße, beim Kinderschutzbund und beim Café Carlo in Pforzheim, im Hirsauer Kloster, auf dem Calwer Marktplatz und auf dem Ulmenhof.

Dort soll es kommendes Jahr wieder ein Sommerfest geben, mit dem man auch das zehnjährige Bestehen der Solawi feiert. Zudem können Interessierte an fünf Ackertagen spannende Einblicke in die Anbauweise bekommen und selbst aktiv werden. Vorigen Samstag etwa haben sie ein Gewächshaus von der Sommer- auf die Winterkultur umgestellt.