Heimsheim
Enzkreis -  22.01.2020
Artikel teilen: Facebook Twitter Whatsapp
Anzeige

Bäcker und Metzger wollen mit vereinten Stimmen die Tradition des Berufsstands bewahren

Enzkreis. Die beiden Chöre der Metzger und der Bäcker singen beim Bäckerball am Samstag zusammen. Erstmals denken die Verantwortlichen auch laut über eine Fusion zu einem Chor aller Handwerker nach.

Im PZ-Gespräch mit Redaktionsmitglied Constantin Hegel, Chefredakteur Magnus Schlecht (von links) und Verleger Albert Esslinger-Kiefer (Mitte): Norbert Klein (Vorsitzender) und Manfred Förster (Beisitzer) vom Bäckermeistergesangverein (dritter und vierter von links) und Wilfried Hoffmann (Chorleiter), Fritz Sigle (Vorsitzender) und Hans Kuppinger vom Fleischermeistergesangverein (von rechts). Foto: Meyer
Im PZ-Gespräch mit Redaktionsmitglied Constantin Hegel, Chefredakteur Magnus Schlecht (von links) und Verleger Albert Esslinger-Kiefer (Mitte): Norbert Klein (Vorsitzender) und Manfred Förster (Beisitzer) vom Bäckermeistergesangverein (dritter und vierter von links) und Wilfried Hoffmann (Chorleiter), Fritz Sigle (Vorsitzender) und Hans Kuppinger vom Fleischermeistergesangverein (von rechts). Foto: Meyer

Es war einmal, möchte man angesichts der langen Tradition fast sagen. Damals, 1889, wurde der Bäckermeistergesangverein Pforzheim gegründet. Zum bloßen Märchen ist der Chor aber genauso wenig verkommen wie der ebenfalls in Stadt und Region verwurzelte Fleischermeistergesangverein. Ganz im Gegenteil: Auch heute noch treffen sich die Handwerker in der wöchentlichen Singstunde – und arbeiten zunehmend zusammen, wie der gemeinsame Auftritt am kommenden Samstag beim traditionellen Bäckerball in Ispringen zeigt.

Heute wie damals liegt den Chören ein zentraler Gedanke zugrunde, wie die Vertreter beider Vereine im Gespräch mit PZ-Verleger Albert Esslinger-Kiefer und Chefredakteur Magnus Schlecht deutlich machen: der berufliche Austausch untereinander. „Fachsimpeln“, so nennt es der Fleischersänger-Vorsitzende Fritz Sigle. Früher waren, wie die Namen schon verraten, nur die jeweiligen Meister ihres Fachs in den Chören zugelassen. Bei rund 50 Metzgereien und 72 Bäckereien in Pforzheim hatten die Handwerker bis in die Nachkriegszeit auch keine Probleme, ausreichend Mitglieder zu rekrutieren.

Anzeige

Das ist heute anders. 21 singen bei den Bäckern (100 waren es bei der Gründung), 18 sind es noch bei den Metzgern. Deren jüngster Sänger ist 67 Jahre alt – der älteste bereits 89 Jahre. „Die Jungen haben mittlerweile andere Interessen“, sagt das verdiente Mitglied Hans Kuppinger aus Eutingen.

Nicht nur was für Handwerker

Seit den 1980er Jahren schrumpfen die Chöre zunehmend. Deshalb haben sie sich im Laufe der Zeit nicht nur für Gesellen geöffnet, sondern auch für Sänger, die beruflich nicht aus der Branche kommen.

So kämpfen die beiden Chöre für Wege in die Zukunft. Auch für viele andere der Gesangvereine, die um die Zeit im 19. Jahrhundert gegründet wurden, wird die Luft heutzutage dünner. Erstmals denken die Handwerkssänger jetzt auch öffentlich über einen Zusammenschluss der beiden Chöre nach. „Die Bäcker haben mehr tiefe Bässe, die Fleischer mehr erste Tenöre“, erklärt Fleischer-Chorleiter Wilfried Hoffmann, der seit 58 Jahren dirigiert, und meint: „Das würde wunderbar zusammenpassen.“ Mit der Maßnahme könnten sich die Sänger für alle Berufe des Handwerks öffnen, die seither selbst keine eigenen Sängerbünde hatten.

Eine Kostprobe dieser möglichen Zukunftsvariante erwartet die Besucher am Samstag beim traditionellen Bäckerball in der Ispringer Turn- und Festhalle. Da stehen die beiden Chöre zusammen mit dem „Liederkranz“ Ispringen auf der Bühne und unterhalten die Gäste. Wie ihre Läden nebeneinander früher das Ortsbild geprägt haben, gehören Bäcker und Metzger einfach zusammen, meint Hoffmann.

Dann lässt sich bestimmt auch ein Termin für die wöchentliche Probe finden, die die Bäcker traditionell schon um 18 Uhr beginnen, um pünktlich früh morgens in der Backstube zu stehen. Im Vorfeld zum gemeinsamen Auftritt am Samstag klappt das schon reibungslos – und so zitiert Manfred Förster passend den Sänger-Merkspruch: „Danach bei feucht- und fröhlicher Runde beschließt man gern die Probestunde.“ In Zukunft dann vielleicht regelmäßig gemeinsam.

Autor: heg