Heimsheim
Enzkreis -  08.06.2021
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Corona-Fälle in den Krankenhäusern sinken endlich: Die RKH-Kliniken atmen durch

Enzkreis/Ludwigsburg/Karlsruhe. Nur noch insgesamt 30 Covid-19-Patienten lagen am Dienstag in allen Krankenhäusern der Regionalen Kliniken Holding (RKH), vier davon in Mühlacker. Das ist ein Drittel der Fallzahlen, die Ärzte und Pflegekräfte noch Mitte Mai in Atem gehalten haben. Und die Tendenz ist klar: Die Fallzahlen gehen schnell zurück.

Im Januar, aber auch noch bis in den Mai hinein, kämpften Pflegekräfte und Ärzte wie hier auf der Intensivstation der RKH-Klinik Ludwigsburg um das Leben vieler Covid-Patienten gleichzeitig. Nun hat sich die Lage entspannt. Weniger Patienten bedeuten, dass das Krankenhauspersonal mehr Luft für die Arbeit hat. Archivfoto: Picture Alliance/Gollnow, dpa
Im Januar, aber auch noch bis in den Mai hinein, kämpften Pflegekräfte und Ärzte wie hier auf der Intensivstation der RKH-Klinik Ludwigsburg um das Leben vieler Covid-Patienten gleichzeitig. Nun hat sich die Lage entspannt. Weniger Patienten bedeuten, dass das Krankenhauspersonal mehr Luft für die Arbeit hat. Archivfoto: Picture Alliance/Gollnow, dpa

„Die dritte Corona-Welle scheint vorbei zu sein“, sagt RKH-Geschäftsführer Professor Dr. Jörg Martin. Zeit zum Durchatmen über den Sommer. Im Herbst erwartet Martin eine vierte Welle, aber befürchtet keine dramatische Entwicklung mehr – dank der zunehmenden Impfungen.

Damit geht der Blick der RKH-Kliniken voraus: Der normale Betrieb wird wieder hochgefahren, ab Mittwoch dürfen Patienten wieder besucht werden – zunächst nur von einem Besucher täglich für eine Stunde, wenn er einen negativen Corona-Test nicht älter als 24 Stunden hat, oder wenn er vollständig geimpft oder genesen ist. Und weil zunehmend Menschen mit Spät- oder Langzeitfolgen einer Corona-Infektion in die Kliniken kommen, baut die RKH in Ludwigsburg eine Post-Covid-Ambulanz auf, die auch die Krankenhäuser Mühlacker und Bretten mitversorgt. Dabei kooperiere man mit Reha-Praxen etwa zur Therapie von anhaltenden Atembeschwerden oder dauerhafter Ermüdung. Wie genau man am besten behandelt, das sei für alle Kliniken Neuland und die nächste Herausforderung, sagt der Bruchsaler RKH-Intensivmediziner Professor Dr. Martin Schuster.

Die dritte Corona-Welle hat nicht mehr die Rekordwerte der zweiten Welle erreicht: der traurige Höhepunkt von 231 Covid-Patienten gleichzeitig in den RKH-Kliniken stammt vom 16. Dezember. Die prekärste Fallzahl der dritten Welle blieb mit 142 Patienten am 3. Mai deutlich darunter. Dafür mussten die in der Regel jüngeren Patienten oft viel länger behandelt werden, so Professor Dr. Götz Geldner, Chef der Anästhesie und Intensivmedizin an der RKH-Klinik Ludwigsburg. Wie tödlich das Virus zuletzt im Vergleich zum Winter war, könne man noch nicht endgültig sagen, der Unterschied sei bei den Zahlen aber nicht riesig. Auffallend war, dass Senioren dank der Impfungen geschützt gewesen seien. Geldner schätzt insgesamt, dass von den Patienten, die ins Krankenhaus mussten, 18 bis 20 Prozent nicht hätten gerettet werden können. Im bisherigen Jahr 2021 seien von 1257 Covid-Patienten in den RKH-Kliniken 228 verstorben.

Eine wesentliche Erleichterung in der dritten Welle sei gewesen, dass das eigene Personal durch Impfungen nicht mehr in der Angst arbeiten musste, sich selbst zu infizieren. Im Winter waren die Krankenhäuser von hohen Personalausfällen durch Corona noch viel härter getroffen worden. „Das Impfen wirkt“, sagt Geldner. Ihm sei kein einziger Fall bekannt, in dem ein Patient trotz vollständigen Impfschutzes wegen Corona in die Klinik hätte müssen.

Was bleibt von den Krisenmonaten? Das finanzielle Loch, hofft Martin, gleiche der Staat aus. Im Juni würde auch eine Corona-Prämie für Beschäftigte vom Bund ausgezahlt. 3,2 Millionen Euro gehen an die RKH, die die Summe nach dem Maßstab weiterverteilt, welche Mitarbeiter wie stark mit Corona zu tun hatten. Bleiben werden nach dem Ende der Pandemie niedrigere stationäre Behandlungszahlen, glaubt Martin. Die RKH setzt auf mehr Ambulanz. Gestärkt worden seien zudem das Krisenmanagement, das Miteinander in der Belegschaft genauso wie mit anderen Kliniken, mit Sozialministerium und Krankenkassen und besonders auch Digitalisierung und Telemedizin.

Autor: hei