Heimsheim
Enzkreis -  01.12.2019
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Evangelische Christen stimmen über ihre neuen Kirchengemeinderäte ab

Rund drei Millionen Protestanten waren am Sonntag zur Kirchenwahl in Baden-Württemberg aufgerufen. In Baden wurden die Kirchenältesten gewählt, die sich im Alltag der Kirchengemeinde engagieren und auch über Stellenbesetzungen und Bauvorhaben entscheiden.

Die Neuenbürger Pfarrerin Charlotte Moskaliuk und ihr Kollege Helmut Manz geben bei Wahlhelfer Wilfried Dölker ihre Stimmen im evangelischen Gemeindehaus ab.  hegel
Die Neuenbürger Pfarrerin Charlotte Moskaliuk und ihr Kollege Helmut Manz geben bei Wahlhelfer Wilfried Dölker ihre Stimmen im evangelischen Gemeindehaus ab. hegel

Die evangelischen Christen in Württemberg stimmten über die Gemeindeleitungen und über die Landessynode, das Kirchenparlament, ab. Innerhalb der badischen Landeskirche werden die Synodalen erst im Februar 2020 gewählt – und zwar von den neuen Kirchengemeinderäten.

In Württemberg nimmt traditionell meistens ein Viertel aller Wahlberechtigten sein Wahlrecht wahr. Baden lag dagegen im Jahr 2013 nur knapp über 20 Prozent. In Pforzheim-Land (dem badischen Teil des Enzkreises) sind die evangelischen Christen besonders wahlfreudig. Mit fast 29 Prozent befand sich dieses Dekanat auf Platz drei unter allen 27 Bezirken.

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Beteiligung gesunken

Im Vorfeld war es nicht allen Gemeinden leichtgefallen, genug Kandidaten für die Kirchengemeinderäte zu gewinnen. Im Dekanat Neuenbürg etwa wurden in sechs der 29 Gemeinden weniger Personen gewählt, als vorgesehen war. Dort standen am Vormittag zwei Urnen in der Mitte des großen Saals im evangelischen Gemeindehaus Neuenbürg – dieses Jahr das einzige Wahllokal im Ort. Mit 25 Helfern leitete Karl Stein die Stimmabgabe. Nach dem Gottesdienst traten die Gläubigen an die Urnen. Um 18 Uhr wurden die Briefkästen noch einmal geleert und das Wahllokal geschlossen.

Mit 24,2 Prozent lag die Wahlbeteiligung in Neuenbürg (ohne Waldrennach und Arnbach) am Ende gut zwei Prozent unter dem Ergebnis vor sechs Jahren. Fast zwei Drittel haben per Brief abgestimmt – deutlich mehr als bei der letzten Wahl. „Zufrieden ist man bei solchen Zahlen natürlich nicht“, sagte Dekan Joachim Botzenhardt. „Aber mit knapp einem Viertel der Wahlberechtigten sind wir bei einer Kirchenwahl im grünen Bereich.“

In der Mühlacker Pauluskirche herrschte ebenfalls vor allem nach dem Gottesdienst reges Treiben im Wahllokal.

Überzeugte Wähler

Für die Mühlackerin Liesel Kreuzberger war es Ehrensache, ihren Stimmzettel persönlich abzugeben. „Wenn ich den Gang zur Wahlurne mit einem Gottesdienst verbinden kann, ist das für mich die beste Gelegenheit“, meinte die Seniorin, die eine innere Verpflichtung verspürt, an der Synodalwahl teilzunehmen: „Schließlich vertreten uns die gewählten Kandidaten in der Landessynode Württemberg. Mit meiner Stimme kann ich selbst etwas bewirken.“ Insbesondere die Kandidatenvorstellung beim Einkaufszentrum „Drehscheibe“ habe sie in ihrem Wahlverhalten beeinflusst.

An die Wahlurne ist gestern auch Diana König mit ihrem vierjährigen Sohn Louis getreten. „Als Mühlacker Kirchengemeinderätin ist es eigentlich selbstverständlich, dass man auch zur Synodalwahl geht. Allein schon, um die Kandidaten zu unterstützen“, betonte sie. Jürgen Huber, Dekan des Kirchenbezirks Mühlacker, zeigte sich erfreut über die ordentliche Wahlbeteiligung. So manchem Gemeindemitglied sei aber nicht richtig bewusst, dass die Landessynode auch wichtige Entscheidungen fälle, welche die eigene Kirchengemeinde beträfen. Mit sieben Bewerbern im Mühlacker Wahlbezirk habe es dort selten so viele Kandidaten gegeben. Hauptsächlich Briefwähler waren im Mühlacker Wahllokal St. Andreas in Dürrmenz registriert worden. Laut Pfarrer Marcus Kalkofen und der dortigen Wahlleiterin lag die Wahlbeteiligung bei knapp 20 Prozent. „Das ist ganz passabel und war realistisch zu erwarten“, bilanzierte Kalkofen.

Noch nicht alles ausgezählt

Der evangelische Kirchenbezirk Pforzheim-Land umfasst den badischen Teil des Enzkreises mit 16 Gemeinden und rund 31 400 Mitgliedern. 128 Gläubige stellten sich zur Wahl.

Dekan Christoph Glimpel, der auch Pfarrer in Göbrichen ist, stand dem Wahlausschuss vor. Dieser schüttete gegen 15 Uhr in der Göbricher Pfarrscheuer die vier Wahlboxen aus. Danach wurde mit der Auszählung begonnen.

Da jedoch weniger als die Hälfte der 16 Wahlkreise im Dekanat ihre Ergebnisse bis zum Abend meldeten, könne er verlässlich erst am heutigen Montag etwas zur Wahlbeteiligung sagen, bat Claudius Schillinger, Referent für Öffentlichkeitsarbeit des Dekanats, um Verständnis. Gefeiert wurde zumindest in Göbrichen dennoch schon einmal – bei der ersten Wahlparty, die es in der Gemeinde nach einer Kirchengemeinderatswahl gegeben hat.

Stadt-Land-Gefälle besteht

76 Gläubige standen gestern im evangelischen Kirchenbezirk Pforzheim-Stadt mit seinen 36 000 Mitgliedern und neun Ältestenkreisen zur Wahl – genausoviele wie es Mandate gibt. Traditionell sei die Beteiligung in ländlichen Gebieten höher als in der Kernstadt, weiß Claudia Becker, Pressesprecherin des Kirchenbezirks. So sei es wohl auch zu erklären, dass etwa in Büchenbronn mehr als 21 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgaben, in der Gemeinde der Christuskirche hingegen nur knapp sechs Prozent. 8,4 Prozent waren es in der Friedensgemeinde, die die Pforzheimer Nord- und Innenstadt umfasst. Acht von zwölf Wahlbezirke waren am Abend bereits ausgezählt, die Wahlbeteiligung lag dabei im Schnitt bei knapp 13 Prozent. Die letzten Ergebnisse erwartet Becker im Laufe des heutigen Montags.

Über die Wahlergebnisse in den Kirchengemeinden berichtet die PZ in der Dienstagsausgabe ausführlich.

Autor: Lisa Belle, Constantin Hegel, Peter Hepfer und Peter Dietrich