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Enzkreis -  09.02.2026
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"Neue Höchststände": Darum wird Holz im Enzkreis und im Kreis Calw immer teurer

Enzkreis/Kreis Calw. „Für Waldbesitzer startet das Jahr 2026 mit guten Nachrichten: Die Nadelholzpreise erreichen neue Höchststände.“ Diese frohe Botschaft aus dem Landratsamt Calw von Sprecherin Mara Müssle lässt aufhorchen. Unter all den schlechten Wirtschaftsnachrichten womöglich ein Lichtblick? Ein Blick darauf, wie sich die Entwicklung vor Ort konkret darstellt.

Viele Stämme am Birkenfelder Kopfrundweg auf die Abfuhr. Der Einsatz von schwerem Gerät hat aber auch massive Schäden am Weg hinterlassen.
Viele Stämme am Birkenfelder Kopfrundweg auf die Abfuhr. Der Einsatz von schwerem Gerät hat aber auch massive Schäden am Weg hinterlassen. Foto: Biesinger

Konrad von Wedel von der Holzverkaufsstelle des Enzkreises erläutert: „Beim Nadelholz hat es binnen Jahresfrist eine Preissteigerung um gut 20 Prozent gegeben. Das bezieht sich im Prinzip auf alle Sortimente, also Stammholz und Sägeholz in den verschiedenen Güteklassen und Industrieholz. Und es gilt ebenso für alle Nadelholzarten, insbesondere aber für die Fichte.“

Ein Blick auf die Preise für den Enzkreis bestätigt das: Kostete 2024 der Festmeter Fichten-Bauholz noch rund 90 Euro, waren es vergangenes Jahr schon 105 Euro. Aktuell liegt der Preis in etwa bei 120 Euro im Enzkreis. Falls bis zum Ende der Saison im März oder April keine überregionale Störung im Holzmarkt, etwa durch einen Sturm, auftrete, so von Wedel, „ist eine weitere Preissteigerung im zweiten Quartal zu erwarten, weil die sommerliche Versorgung der Sägewerke herausfordernd wird“. Im Gegensatz dazu bewege sich der Laubholzmarkt eher auf dem Niveau des zurückliegenden Jahres ohne größere Veränderungen.“

Wenig Borkenkäfer-Schäden

Ein interessanter Aspekt: Die Industrie baue zurzeit kaum mehr Holzlager im Wald auf, dass dann im Sommer „abgefahren“ werde, sondern es werde direkt aus dem Wald geholt. Dass es zurzeit weniger Holz gebe, liegt laut von Wedel auch daran, dass weniger Bäume von Borkenkäfer befallen würden – was prinzipiell gut sei. Jedoch: Die Schnittholzpreise seien für die Sägewerke nicht auskömmlich erklärt er. Die Preissteigerung im Schnittholz könne mit der im Rundholz nicht mithalten.

Der Wald als Sparkasse der Gemeinde? Das galt früher einmal, so der Ötisheimer Bürgermeister Werner Henle. Zwar sei es schön für die Gemeinde, wenn die Holzpreise hoch seien, wenn man im Schnitt aber eine schwarze Null erwirtschafte, könne man zufrieden sein. Stark variierende Preise gebe es auch beim Brennholz.

Klimaangepasste Wälder

Holz ist gefragt wie selten zuvor, hört man aus dem Landratsamt Calw. „Dies beruht vor allem darauf, dass im vergangenen Jahr in Mitteleuropa deutlich weniger Kalamitätsholz – also schadhaftes Holz – auf den Markt kam als in den Vorjahren“, teilt Edwin Haag, Leiter der Holzverkaufsstelle des Calwer Landratsamts, mit: „Besonders im Privatwald stehen hohe Nadelholzvorräte, die im Zuge des aktiven Waldumbaus zu klimaangepassten Wäldern jetzt genutzt werden können. Gerade die vergangenen Jahre mit teilweise langen Trockenphasen in der Vegetationszeit haben gezeigt, dass unsere Wälder auf die Klimaveränderungen vorbereitet werden müssen. Dieser für uns alle so wichtige zukunftsfähige, gesunde Mischwald mit klimastabilen, möglichst heimischen Baumarten entsteht nicht von selbst, sondern ist das Ergebnis aktiver Gestaltung.“

Geldsegen für Stadtkasse

Für die Stadt Bad Wildbad mit über 90 Prozent Waldanteil, ist der Holzverkauf eine wichtige Einnahmequelle. Herrscht in der Bäderstadt also große Freude angesichts der hohen Holzpreise? „Wir sind sehr positiv gestimmt, weil wir mit ganz anderen Preisen kalkuliert haben“, so Forstbereichsleiter Andreas Wacker. 12.000 Festmeter werden in Bad Wildbad jährlich geschlagen – hauptsächlich Fichten- und Tannenstammholz. Der Holzpreis liegt derzeit auf einem historischen Hoch von 130 Euro pro Festmeter. Im vergangenen Jahr flossen durch den Holzverkauf immerhin 835.000 Euro in die Stadtkasse.

Wacker hat derzeit alle zur Verfügung stehenden Kräfte im Einsatz, um so viel Holz wie möglich zu ernten. Schließlich wisse man jetzt noch nicht, wie sich der Holzpreis im Laufe des Jahres entwickeln werde. Allerdings haben die Waldarbeiter in Bad Wildbad mit der Witterung zu kämpfen. In höheren Lagen, wie etwa dem Sommerberg, sei es wegen Schnee nicht möglich, Bäume zu fällen. Die Arbeiten finden darum hauptsächlich in tieferen Lagen statt.

Und wie sieht es bei diesen massiven Holzeinschlägen auf den Wanderwegen aus? „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht mehr Schäden an den Wegen anrichten, als wir mit dem Holzverkauf verdienen“, so Wacker.