Heimsheim
Enzkreis -  28.04.2021
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Fall vor Gericht: Frau soll auf Corona getestet werden und hustet Arzt absichtlich ins Gesicht

Enzkreis/Pforzheim. Eine 29-Jährige war im November des vergangenen Jahres mit Corona-Symptomen vom Gesundheitsamt des Enzkreises zu einer Praxis im westlichen Enzkreis geschickt worden. Dort sollte sie sich testen lassen. Aber die Situation eskalierte wegen einer Lappalie. Die renitente Frau soll einem Arzt ins Gesicht gehustet haben. Am Mittwoch musste die 29-Jährige im Amtsgericht in Pforzheim auf der Anklagebank Platz nehmen und sich wegen tätlicher Beleidigung verantworten.

Die Frau soll dem Arzt absichtlich ins Gesicht gehustet haben. Symbolfoto: LIGHTFIELD STUDIOS - stock.adobe.com
Die Frau soll dem Arzt absichtlich ins Gesicht gehustet haben. Symbolfoto: LIGHTFIELD STUDIOS - stock.adobe.com

Nachdem der Hausarzt der alleinerziehenden Mutter das zuständige Gesundheitsamt des Enzkreises informiert hatte, verwies die Behörde auf die Praxis des geschädigten Arztes. Dort sollte sich die 29-Jährige einem Corona-Test unterziehen. Da sie jedoch ihre Versichertenkarte nicht vorzeigen konnte, wurde sie von einer Arzthelferin vor Ort gebeten, sich bei ihrer Krankenkasse um Ersatz zu bemühen.

Gereizt und uneinsichtig

Wie die Praxismitarbeiterin in ihrer Zeugenaussage berichtete, habe die Angeklagte plötzlich sehr gereizt reagiert. Nachdem die Arzthelferin, wie sie selbst aussagte, sachlich erklärt hatte, dass es vor allem für die spätere Übermittlung des Testergebnisses wichtig sei, dass die Karte vorliege, habe sich die Angeklagte uneinsichtig gezeigt.

Als der Arzt hinzugekommen war und ebenfalls versucht habe, die Frau zu beruhigen, soll sie ihren Mundschutz heruntergezogen und ihm direkt ins Gesicht gehustet haben. Die Angeklagte bestritt die Vorwürfe vor Gericht und sagte aus, dass sie weder absichtlich in Richtung des Arztes gehustet noch ihren Mundschutz heruntergezogen habe. Vielmehr habe es sich um einen kurzen Hustenanfall gehandelt. Der Mediziner widersprach und sagte, er könne nach zwölf Jahren als praktizierender Arzt einen gespielten von einem natürlichen Husten unterscheiden.

Geldstrafe für Angeklagte

Die Verteidigerin der Frau, Rechtsanwältin Katrin Salomon, forderte einen Freispruch für ihre Mandantin. Sie sah dies unter anderem durch die für ihre Mandantin belastende Gesamtsituation begründet. Staatsanwältin Theresa Küppers hingegen hatte in ihrem Plädoyer eine Gesamtstrafe von 90 Tagessätzen zu 30 Euro gefordert, sprich: 2700 Euro. Da die Angeklagte alleinerziehend und nicht vorbestraft sei, sehe sie dies als angemessen an. Der Vorsitzende Richter, Philipp Hauenschild, teilte die Auffassung der Staatsanwaltschaft und sah die Vorwürfe als erwiesen an.

Das Testergebnis der Angeklagten hatte sich im Nachhinein als negativ herausgestellt.

Autor: tim