Heimsheim
Enzkreis -  31.05.2021
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Freundin stundenlang misshandelt: Psychisch kranker Mann aus der Region verurteilt

Enzkreis/Pforzheim. Wegen eines fahrlässigen Vollrausches sprach Richterin Moira Landau einen 45-jährigen Mann am Montag vor dem Amtsgericht Pforzheim schuldig und verurteilte diesen zu einem Jahr und einem Monat Freiheitsstrafe, die der Mann nun in einer Erziehungsanstalt absitzen muss. Ursprünglich lautete die Anklage Körperverletzung in Zusammenhang mit häuslicher Gewalt. Doch diesbezüglich war der Baden-Württemberger, der nicht aus der Gegend stammt, nach den Ausführungen eines Gutachters aufgrund eines Borderlinesyndroms schuldunfähig.

Weil er seine damalige Freundin aus dem Enzkreis misshandelte, muss ein Mann aus Bade-Württemberg eine Strafe in einer Erziehungsanstalt absitzen. Foto: Arne Dedert/dpa
Weil er seine damalige Freundin aus dem Enzkreis misshandelte, muss ein Mann aus Bade-Württemberg eine Strafe in einer Erziehungsanstalt absitzen. Foto: Arne Dedert/dpa

Der Sachverständige ging wegen der Borderline-Erkrankung von einem gestörten Selbstwert aus, der aufgrund von Kränkung, Eifersucht und nicht funktionierender Sexualität in Wut und Hass umschlagen kann. In Verbindung eines Alkoholrausches samt der Einnahme von Medikamenten erkennt er eine erheblich geminderte Steuerungsfähigkeit, die am Rande möglicherweise sogar aufgehoben war.

Wahrer Alptraum

Fest steht, dass eine heute 41-Jährige aus dem südöstlichen Enzkreis im März vergangenen Jahres einen wahren Alptraum erlebte. 18 Stunden hielt sie der nun wegen eines fahrlässigen Vollrausches verurteilte Mann in ihrer eigenen Wohnung fest. Sie hatte damals eine Beziehung zu ihm. Wegen einer Lappalie war das Paar, das im Laufe der Nacht rund fünf Flaschen Wein geleert hatte – der Mann zusätzlich noch etwa sechs Bierflaschen – in Streit geraten. Dieser eskaliert dann völlig, endete mit roher Gewalt gegen die Geschädigte. Der Verurteilte soll in jener Nacht einen Promillewert zwischen 2,8 bis 3,5 gehabt haben.

Das Opfer, das nach eigenen Angaben mittlerweile trockene Alkoholikerin ist, wurde mehrmals gewürgt, geschlagen und ihre Nase sei gebrochen worden. „Er verlangte auch meine externe Festplatte, Bilder und Sexvideos mit meinem Expartner, die er drohte ins Internet zu stellen. Er wollte mein Leben zerstören“, sagte die Geschädigte aus. Ihr Peiniger gab bei der Polizei und vor Gericht die Gewaltattacken zu und entschuldigte sich. Der Mann, der ebenfalls ein Alkoholproblemund psychische Probleme aufgrund von Missbrauchserfahrungen hat und bereits in gesetzlicher Betreuung ist, ist in der Vergangenheit vielfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten. So floss noch ein weiterer Strafbefehl in das aktuelle Urteil ein.

Die Verteidigung hatte aufgrund von Schuldunfähigkeit auf Freispruch plädiert. Die Staatsanwaltschaft forderte hingegen eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und einem Monat und die Unterbringung in einer Erziehungsanstalt. Eine Bewährungsstrafe kam für die Nebenklage nicht in Frage. Dabei wurde dem Angeklagten „strategisches, manipuliertes Handeln und zielorientiertes Vorgehen“ vorgeworfen.

Autor: Silke Fux