Heimsheim
Enzkreis -  01.05.2021
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Kommunen umsorgen Fachkräfte

Bürgermeisterin und Professorin erläutert familienfreundliche Politik und Unternehmergeist.

Birgit Förster
Birgit Förster

Die Kommunen wollen mehr Einwohner. Das bringt Geld in die Gemeindekasse, gehören doch die staatlichen Steuermittel zu den wichtigsten Einnahmequellen. „Doch für einen attraktiven Standort müssen wir mehr als einen Bauplatz anbieten, wir kümmern uns im Zusammenspiel mit der Wirtschaft um viele andere Fragen“, sagte Niefern-Öschelbronns Bürgermeisterin Birgit Förster (Fotos: WFG) bei einer Videoveranstaltung der Fachkräfte-Allianz Pforzheim Nordschwarzwald.

Entscheidende Gesichtspunkte seien heute eine gute Infrastruktur, günstige Wohnungen und zahlreiche Betreuungsangebote, so die Rathauschefin. Professorin Cathrin Eireiner von der Hochschule Pforzheim nahm diesen Faden auf: „Es sind oft die ganz alltäglichen Fragen, wie der Tag mit Haushalt, Kindern oder dem Beruf bewältigt wird.“Sie empfahl Unternehmen, über „flexible Arbeitszeiten, Betriebskindergärten und beruflichen Wiedereinstieg von Mitarbeitern“ nachzudenken. Die Region Nordschwarzwald strenge sich an, die Arbeitskräfte hier zu halten, so Lars Schäfer von der Wirtschaftsförderung.

Niefern-Öschelbronn werfe viele Pluspunkte in die Schale, sagte Förster über ihren Heimatort – „mit der A 8 und B 10 sowie Bahnen und Bussen gute Verkehrsanbindungen, mit den Schulen und zahlreichen Betreuungs-, Erholungs- und Freizeitangeboten.“ Entscheidend sei jedoch, wie „das alles ineinandergreift, das besprechen wir regelmäßig mit unseren Firmen“. Kleines Beispiel: „Einer wollte vor einem Umzug wissen, in welcher Klasse unsere Fußballvereine denn spielen, weil er ein talentiertes Kind habe.“ Oder übers Rathaus als Arbeitgeber für 175 Angestellte: „Das Kind eines Mitarbeiters erkrankte schwer, wir haben ihm schnell und unkompliziert die nötige Zeit für die Betreuung des Kindes gegeben.“ Nächste Herausforderung: Noch sei das Verhältnis von Jung und Alt in der Gemeinde ausgewogen, aber bis 2035 steige der Anteil der über 65-Jährigen gehörig an.

Angebote rund um Kinder und Pflege von Familienangehörigen spielten für Arbeitnehmer eine große Rolle, sagte Eireiner. Frauen seien laut einer Studie besonders gefordert und bräuchten Unterstützung: „Zu 70 Prozent machen sie die Hausarbeit, zu 62 Prozent die Mahlzeiten.“ Sie riet Firmenchefs, sich auch um die kleinen Momente zu kümmern: „Sie sollten den Alltag ihrer Beschäftigten miterleben.“ Gefragt seien kreative Ideen: „Zum Beispiel Vermittlung von Babysittern, Ferienbetreuung oder Einkaufshilfen.“

Ihr sei klar, dass die Mittelstandsbetriebe, die den Nordschwarzwald prägen, solche Projekte nicht leicht stemmen können. „Aber sie könnten dann Netzwerke aufbauen“, sagte die Professorin. „Eine frauen- und familienfreundliche Personalpolitik ist im Wettbewerb um die besten Fachkräfte in der Zukunft entscheidend“, sagte auch Marija Madunic, die Leiterin der Kontaktstelle Frau und Beruf.

Autor: Ralf Steinert | Enzkreis/Pforzheim