Heimsheim
Enzkreis -  10.10.2021
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Liebhaber alter Obstsorten im Glück

Birkenfeld. Es ist ein goldener Oktobertag, der Himmel strahlt blau und bereits auf halbem Weg zum vierten Birkenfelder Streuobstmarkt und Mostfest im Schulhof der Ludwig-Uhland-Schule (LUS) ist die warme Herbstluft erfüllt vom süß-säuerlichen Duft frisch geernteter Äpfel und Birnen.

Mit der ganzen Familie im Einsatz sind Tanja und Daniel Mesitschek. Gerne hilft Sohn Max dabei, Marina Degenhard (links) mit Äpfeln zu versorgen.Foto: Dast-Kunadt
Mit der ganzen Familie im Einsatz sind Tanja und Daniel Mesitschek. Gerne hilft Sohn Max dabei, Marina Degenhard (links) mit Äpfeln zu versorgen.Foto: Dast-Kunadt

Viele Menschen sind unterwegs. Manche streben in Richtung Verkaufsstände, andere schleppen bereits kistenweise Streuobstraritäten vom Hof. So sind gleich am zweiten Marktstand von Alexander und Tanja Rollenhofer wenige Minuten nach Markteröffnung alle Gewürzluiken verkauft. „Eine Frau hat alle Äpfel dieser Sorte aufgekauft“, erzählen sie. Und Nicola Britsch vom Nachbarstand bestätigt: „Auch bei uns hat diese Kundin alle Gewürzluiken mitgenommen, die sie bekommen konnte.“ Dabei handele es sich um eine sehr alte, aromatische Apfelsorte, die sich prima lagern lasse und im Inneren fast ganz weiß sei, sagt Britsch. Ihre Äpfel kommen von einer Streuobstwiese in Neubärental bei Wurmberg. „Der Acker hat schon meinem Opa gehört“, erzählt sie weiter.

Intensive Pflege

Auch Rollenhofer war schon als kleiner Junge immer mit seinem Opa zur Ernte auf den Streuobstwiesen in Dietlingen und Ölbronn, die heute ihm gehören und sein Hobby sind. „Andere fahren Motorrad, ich liebe es, Äpfel zu ernten und zu verarbeiten“, sagt er. Auf dem Markt verkaufe er nur gut ein Drittel seiner Ernte. Der Rest könne nicht zum Verkauf angeboten werden, lasse sich aber prima zu Most, Saft oder Kuchen verarbeiten, sagt er. Gemeinsam mit seiner Frau war er von Anfang an dabei, als sich das Landwirtschaftsamt, die Naturschutzbehörde und der Landschaftserhaltungsverband Enzkreis dazu entschlossen hatten, eine Verkaufsplattform für Streuobstwiesenbesitzer zu schaffen. „Unser Ziel ist es, Streuobstwiesen zu erhalten und zu fördern“, sagt der Marktverantwortliche Bernhard Reisch vom Landwirtschaftsamt im Landratsamt Enzkreis. Die Äpfel einfach nur zu Saft zu verarbeiten bringe zu wenig Geld dafür, dass die Arbeit mit den Streuobstwiesen doch recht intensiv und umfangreich sei. Und ansonsten gebe es so gut wie keinen Markt für diese besondere Ernte.

„Auf unserem Streuobstmarkt haben die Eigentümer inzwischen zum vierten Mal in Folge die Möglichkeit etwas Geld mit ihrer Ernte zu verdienen“, sagt er. Und der Markt passe gut zum Mostfest der Birkenfelder Hogebiere, der örtlichen Narrenzunft, das schon seit vielen Jahren traditionell im Schulhof der LUS stattfindet. „Streuobstwiesen sind unsere Kulturlandschaft, Heimat stiftend und Bestandteil unserer Geschichte und Tradition“, ist Reisch überzeugt. Das müsse gepflegt werden und werde tatsächlich gut angenommen, sagt er. Daher denke man auch darüber nach, im kommenden Jahr weitere Märkte an mehreren Stellen anzubieten.

Standgebühren müssen die Eigentümer keine bezahlen. Dafür ist die Auswahl der angebotenen Sorten riesig. Und nicht nur das: auch Schnäpse, Säfte, Marmeladen, Fuchtaufstriche und Gelees oder gedörrte Apfelringe finden sich an den zum Teil liebevoll herbstlich dekorierten Ständen – bei Bedarf sogar im weihnachtlich dekorierten Einmachglas.

Autor: Yvonne Dast-Kunadt