Heimsheim
Enzkreis -  28.04.2021
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Nach Sex mit Minderjähriger: Flüchtling aus dem Enzkreis bekommt Bewährungsstrafe

Enzkreis. Wegen schweren sexuellen Missbrauchs in zwei Fällen und sexueller Nötigung mit Körperverletzung an einer 13-Jährigen wurde ein 23-jähriger Afghane, der im östlichen Enzkreis lebt, von der Großen Strafkammer des Landgerichts in Karlsruhe am Mittwoch zu einer Haftstrafe von zwei Jahren verurteilt, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird.

Symbolfoto: dianaduda - stock.adobe.com
Symbolfoto: dianaduda - stock.adobe.com

Der Flüchtling, der Ende 2015 nach Deutschland kam, hatte sich bisher nichts zu Schulden kommen lassen. Doch im November 2020 hatte er einvernehmlichen Sex mit einem Mädchen. Das Problem: Sie war noch keine 14 Jahre alt, sondern erst 13 Jahre und neun Monate – rechtlich gesehen noch ein Kind. Wäre das Mädchen, das bereits sexuelle Erfahrungen mitbrachte, nur drei Monate älter gewesen, würde in beiden Fällen keine Straftat vorliegen. Doch aufgrund der Altersgrenze geht es um schweren sexuellen Missbrauch.

Dass es vor Gericht auch um sexuelle Nötigung mit Körperverletzung ging, hatte folgenden Hintergrund: Nur einen Tag, nachdem das Mädchen mit dem Mann Sex hatte, davon ging Oberstaatsanwalt Tobias Wagner in der Anklage aus, besuchte die Schülerin den Flüchtling erneut mit ihrer großen Schwester und einer Freundin in seiner Einzimmerwohnung. „Man wollte sich nur noch einmal treffen“, hatte das Opfer einem Kripobeamten geschildert. Der Mann aber wollte mehr, nötigte das Mädchen, machte ihr Knutschflecke, würgte es, ließ dann aber wieder von ihr ab. Hätte er nicht aufgehört, hätte ihm die Staatsanwaltschaft versuchte Vergewaltigung vorgeworfen.

Dass das Kind nur einen Tag nach dem einvernehmlichen Sex mit dem Mann freiwillig noch einmal in seine Wohnung gekommen war, schreibt der Vorsitzende Richter Eric Werner „kindlicher Naivität“ zu. Besonders hoch wertete Werner das Geständnis des Mannes. Denn es ersparte der Geschädigten eine Aussage vor Gericht, ebenso den Zeuginnen, die den Sex – Bewegungen unter der Bettdecke – im Einzimmerapartment beobachteten. „Möglicherweise wäre es nach den Zeugenaussagen sogar zu einem Freispruch gekommen“, mutmaßte der Richter und verwies auf widersprüchliche Aussagen in den Akten, was ein Kripobeamter in der Verhandlung bestätigte. Auch die Gefahr von Falschaussagen sah das Gericht, was den hohen Wert des Geständnisses untermauerte.

Bereits zu Verhandlungsbeginn verständigten sich Richter, Staatsanwaltschaft und Verteidiger Stefan Rothenstein im Falle eines umfassenden Geständnisses auf einen möglichen Strafrahmen von einem Jahr und zehn Monaten bis zu einer Haft von zwei Jahren und drei Monaten. In Sachen Schmerzensgeld in Höhe von 3000 Euro einigte man sich zudem mit Anwalt Bastian Meyer, der die Familie in der Nebenklage vertrat, auf einen Vergleich.

Der Mann, der schließlich zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt wurde, wie es sein Verteidiger gefordert hatte, saß bereits fünf Monate in Untersuchungshaft. Dort soll er von Mitgefangenen Repressalien erfahren haben. Nun befindet er sich wieder auf freiem Fuß, muss aber 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Die Bewährungszeit dauert drei Jahre. Die Staatsanwaltschaft hatte auf eine Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten plädiert.

Autor: Silke Fux