Heimsheim
Enzkreis -  20.01.2026
Artikel teilen: Facebook Twitter Whatsapp

Ohne Bäcker, Metzger und Handwerker verschwindet eine Kulturlandschaft

Enzkreis/Pforzheim. Als die Bäcker- und die Fleischerinnung der Kreishandwerkerschaft Pforzheim-Enzkreis ihre Neujahrsgaben an den Pforzheimer Oberbürgermeister und den Landrat überreichen, wird es kurz grundsätzlich. Ehrenkreishandwerksmeister Rolf Nagel ist bei dem traditionellen Ritual „bestimmt seit 30 Jahren“ dabei, denn „es ist einfach eine schöne Geste“, sagt Nagel. Doch vieles hat sich einschneidend geändert in dieser Zeit: Von den handwerklich arbeitenden Bäckereien und Metzgereien, die es damals noch gab, sind in Pforzheim und im Enzkreis nur wenige übrig geblieben.

Landrat Bastian Rosenau sagt: „Wir als Gesellschaft sind so stark geworden durch Mittelstand und Handwerk, da profitieren auch die Städte und Gemeinden.“ Jeder müsse sich nun der Konsequenzen des eigenen Handelns bewusst sein beim Einkauf. Unter den verbliebenen Anbietern in den Innenstädten und auf der grünen Wiese sieht Rosenau aber „oft mehr ein Miteinander als ein Gegeneinander“, denn: „Die Stärke des Handwerks ist es nach wie vor, Qualität zu liefern“, sagt der Landrat. Ralf Jäkle, stellvertretender Obermeister der Bäckerinnung aus Friolzheim, erklärt: „Die Bäckerei wird nicht aussterben, sie wird sich nur spezialisieren.“ Ein weniger breites Sortiment, etwa beim Brot, sei dann gefragt, bei gleichzeitiger Konzentration auf wenige Spezialitäten. Kurz gesagt besteht der Dreh für Jäkle darin, eine „Nische mit einem Top-Produkt aus hochwertigen regionalen Zutaten“ zu besetzen – mit entsprechendem Preis. Armin Dobler, stellvertretender Obermeister der Fleischerinnung Enzkreis aus Knittlingen, betont den Wert jedes einzelnen handwerklichen Nahrungsmittelproduzenten, man ergänze sich, denn „die regionalen Rohstoffe und Produkte werden gegenseitig ausgetauscht“. Würden die lokalen und regionalen Anbieter verdrängt, werde auch eine Kulturlandschaft vor der Haustür verschwinden. Für die kunstvoll geflochtene Neujahrsbrezel und den Geschenkkorb voller Wurstspezialitäten bedankt sich Oberbürgermeister Peter Boch auch im Namen des Wichernhauses.