Heimsheim
Enzkreis -  11.06.2021
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Suchtkranker Sohn wegen Körperverletzung angeklagt: Mutter spricht vor Gericht über Machtlosigkeit

Enzkreis/Pforzheim. Emotional sehr berührend und unter die Haut gehend verlief am Freitag der zweite Verhandlungstag vor der Auswärtigen Großen Strafkammer in Pforzheim. Denn nun sagte die Mutter des 29-jährigen Angeklagten aus, der einen Mann im März 2019 schwer verletzte, weil er diesen für einen Angehörigen der italienischen Mafia hielt.

Alcohol in bottles and used syringes lying on the table
Der 29-jährige Angeklagte ist von Cannabis und Amphetamin abhängig und nimmt auch Kokain.

Der Mann, der im östlichen Enzkreis in einer bürgerlichen Familie aufwuchs, schickte seiner Mutter bereits in der Nacht vor der Tat verwirrende Whats-App-Nachrichten, stand am Morgen mit weit aufgerissenen und starren Augen, wie die Zeugin schilderte, vor der Tür seines Elternhauses und fühlte sich verfolgt. Er warf sich bei jedem vorbeifahrenden Auto im Haus auf den Boden, verbot der Mutter telefonisch Hilfe zu holen. Diese wollte ratsuchend nur kurz zu einer Freundin. Als sie nach wenigen Minuten wieder zu Hause ankam, war ihr Sohn – der von Cannabis und Amphetamin abhängig ist und auch Kokain nimmt – wieder verschwunden, weil er sich auch von der Mutter bedroht fühlte. Die Frau, die im Zeugenstand immer wieder in Tränen ausbrach, wandte sich in ihrer Verzweiflung an die Polizei, die aber nichts ausrichten konnte.

Die Frau schilderte mit ergreifenden Worten die über zehnjährige Sucht ihres Sohnes, wie sie bei der Drogenberatung Hilfe für ihn suchte, den ersten Aufenthalt in einer Entzugsklinik, die Aggression, die sich gegen sie richtete, wenn sie ihn morgens nicht wach bekam und er verschlief oder Geld brauchte. Die Verhandlung wird am Montag um 11.30 Uhr fortgesetzt.

Mehr über den Prozess vor der Auswärtigen Großen Strafkammer in Pforzheim lesen Sie am Samstag, 12. Juni, in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news.

Autor: fux