Heimsheim
Enzkreis -  07.04.2020
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Tüten schleppen statt Tore schießen: Fußballer aus der Region gehen für Risikogruppe einkaufen

Enzkreis. Kein Fußball und das wochenlang – für Kicker ein wahrgewordener Albtraum. Doch einige Vereine haben eine andere Beschäftigung gefunden. Statt auf Torejagd zu gehen, schieben sie Einkaufswägen durch Supermärkte oder bringen Briefe zur Post. Damit unterstützen die Fußballer Menschen, die zur Risikogruppe gehören und wegen des Coronavirus nicht mehr aus dem Haus können.

Die Einkaufsaufstellung des FC Germania Singen bei einem Hilfseinsatz in Remchingen: Tim Schach, Lucas Fromm, Joel Hartmann, Simon Seeger (von links). Foto: Verein
Die Einkaufsaufstellung des FC Germania Singen bei einem Hilfseinsatz in Remchingen: Tim Schach, Lucas Fromm, Joel Hartmann, Simon Seeger (von links). Foto: Verein

Carsten Laupp von der SG Ölbronn-Dürn glaubt, dass sein Verein einer der ersten in der Region war, der so eine Aktion gestartet hat.  Der Sportliche Leiter Matthias Bastian sei der Initiator gewesen, berichtet Laupp. In der WhatsApp-Gruppe der SG habe Bastian gefragt, wer Lust und Zeit hätte sich zu beteiligen. Dann sei alles ganz schnell gegangen. „Innerhalb von einem Tag stand die Aktion“, so Laupp. 

Am Anfang lief das Projekt allerdings schleppend an. „Wir haben dann den Bürgermeister Norbert Holme mit ins Boot geholt. Der hat Briefe an alle Rentner verschickt. Das hat uns sehr geholfen, da viele, die zur Risikogruppe gehören keinen Zugang zu den sozialen Medien haben“, sagt Laupp. Eine Einwohnerin der Doppelgemeinde nähte für die Helfer sogar Mundschutze. Da hatte sie einiges zu tun, denn von den 35 aktiven Fußballern beteiligen sich 30 an der Aktion. „Wir sind im Fußball zwar nicht unbedingt vorne mit dabei (Platz 5, Kreisklasse A1, d. Redaktion), aber das zeigt, dass wir alle an einem Strang ziehen“, findet Laupp. Zudem packen auch Spielerfrauen und Mitglieder der AH-Mannschaft mit an. 

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Viele Vorschusslob

Auf einen positiven Effekt für ihren Verein hofft auch Franziska Schulz vom TSV Ötisheim. Denn beim TSV beteiligen sich circa 25 Mitglieder aus allen vier Abteilungen (Fußball, Faustball, Volleyball, Turnen) an der Hilfsaktion. „Ich hoffe, dass die Abteilungen dadurch enger zusammenwachsen“, sagt die Jugendleiterin. Das war aber nicht die Motivation, um das Projekt zu starten. Inspiriert wurde Franziska Schulz von Handballern aus Leonberg, die eine Einkaufsaktion im Internet posteten. Sie beschloss, auch tätig zu werden. Der TSV setzte sich mit der Gemeinde Ötisheim in Verbindung, die ebenfalls schon so ein Projekt gestartet hatte und schloss sich mit ihr zusammen. Auch die evangelische und die neuapostolische Kirche sind dabei. Gemeinsam wurde ein Flyer verteilt. Auch beim TSV Ötisheim machte man die Erfahrung, dass zunächst nur wenige Aufträge reinkamen. „Am Anfang haben viele angerufen und wollten wissen, wie es überhaupt funktioniert“, erzählt Franziska Schulz.

Beim FV Lienzingen dauerte es ebenfalls ein Weile, bis es die ersten Jobs zu verteilen gab, berichtet Finanzvorstand Marius Fischer. Anrufe und Emails gab es aber schon einige. „Viele haben uns kontaktiert und sich bei uns bedankt, das wir sowas anbieten“, sagt Fischer. Die Lienzinger hatten zuvor schon online eine Fotocollage gepostet. 

„Das kam gut an, aber wir wollten noch mehr machen. Jetzt, wo wir viel Zeit haben, können wir dem Dorf mal was zurückgeben“, sagt Fischer. Kommuniziert wird, wie auch bei den anderen Vereinen, über WhatsApp. In den Fußballchat werden die Aufträge eingestellt. „Es dauert meistens keine zwei Minuten, bis jemand sagt, ´ich hab Zeit, ich kann das machen`“, so Fischer. 

Warten auf den ersten Job

 Beim FV 08 Göbrichen wartet man noch auf den ersten Auftrag. „Ich denke, die Leute sind hier im dörflichen Bereich ohnehin schon so gut vernetzt, dass sie gut versorgt sind“, vermutet Jugendleiter Jens Hofsäß. Man stehe aber bereit. „Wir haben ein Team, das zum Teil aus der Mannschaft und zum Teil aus der Verwaltung besteht und auf die ersten Aufträge wartet“, sag Hofsäß. Außerdem tausche man sich regelmäßig mit dem 1. FC Nußbaum aus, der ebenfalls so eine Einkaufsaktion anbiete.

Einen etwas anderen Weg geht der FC Germania Singen. Der Club aus Remchingen ist auf seine Sponsoren zugegangen und fragte dort an, ob man bei Aktionen helfen könnte. Edeka Getsch nahm das Angebot dankend an. Der Supermarkt hatte selbst schon ein Projekt initiiert, bei der nun auch die Fußballer helfen. „Die größte Herausforderung dabei ist, die Einkaufszettel zu entziffern“, erzählt Andreas Matussek, Sportlicher Leiter und Jugendtrainer beim FC Germnia.  Für die Diakonie haben die Kicker aus Singen zudem Briefe verteilt. Für weitere Aufgaben sei man „auf jeden Fall bereit“, sagt Matussek.

Zahlreiche Angebote

Das alles sind nur Beispiele, für die zahlreichen Aktionen, die derzeit im Fußballkreis Pforzheim angelaufen sind. Ebenfalls Hilfe für Risikogruppen bieten beispielsweise der TSV Mühlhausen/Würm, die Spvgg Dillweißenstein und die Sportfreunde Dobel an. Andere Vereine unterstützen Aktionen der Gemeinden, wie in Straubenhardt, wo sich Spvgg Coschwa, VfB Pfinzweiler, FV Langenalb, SV Ottenhausen, Sportfreunde Feldrennach und JFV Straubenhardt an der Aktion „Straubenhardt hilft“ beteiligen.

Autor: awt