Heimsheim
Enzkreis -  19.01.2026
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Unpünktlich wie die Müllabfuhr: Erneuter Ärger im Kreistag des Enzkreises

Enzkreis. Kalt genug, dass die ganze Malaise nicht gleich zu stinken beginnt, war es in den letzten Wochen zwar, aber damit dürfte aus Sicht vieler Bürgerinnen und Bürger des Enzkreises auch schon alles Positive über die aktuellen Probleme bei der Müllabholung gesagt sein. Egal ob Restmüll, Biomüll oder Glas – seit Monaten scheint da nichts zu funktionieren. Weihnachten samt Jahreswechsel verschärften das Problem noch einmal zusätzlich.

PreZero Remchingen Narrenplatz
Mal wieder der Grund für allerlei Ärger im Enzkreis: Das Abfallunternehmen PreZero kommt mit den Leerungen nicht hinterher. Meyer Foto: Pforzheimer Zeitung

Der Ärger landet dann oftmals bei den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden – und damit letztlich bei der falschen Adresse, wie Kieselbronns Bürgermeister Heiko Faber (FWV) am Montag in der Kreistagssitzung klar machte. Denn Auftraggeber in Sachen Altpapier, Rest- und Biomüll ist der Enzkreis, die Entsorgung von Leichtverpackungsmüll (Gelber Sack oder Tonne) sowie Altglas obliegt wiederum dem Dualen System Deutschland. Auftragnehmer ist in allen Fällen das Abfallunternehmen PreZero.

Die Zuverlässigkeit bei Abholungen sei derzeit eine „sehr unbefriedigende Situation“, so Faber. Allerdings sei es auch für ihn als Rathauschef kompliziert, mit Pre Zero ins Gespräch zu kommen, zumal die Ansprechpartner sich sehr schnell ändern. Dass so viele Orte im gesamten Kreis von den Problemen betroffen sind, nannte er erschreckend. Zudem falle auf, dass Glas und Gelbe Tonne länger stehenblieben als der restliche Müll. Zu Letzterem sagte Landrat Bastian Rosenau, dass Papier-, Rest- und Biomüll schneller geleert würden, weil diese Leerungen vom Enzkreis beauftragt würden und PreZero wisse, dass von dort schneller Druck komme.

Schnee als Ausrede?

Der zuständige Enzkreis-Dezernent Frank Stephan stimmte den Klagen des Kieselbronner Rathauschefs in fast allen Punkten zu. Auch er befinde sich im regelmäßigen Austausch mit dem Abfallunternehmen. Dort werde unter anderem auf Krankheitswellen und Kälteeinbruch vor allem in den Höhenlagen verwiesen.

Das brachte wiederum den FDP-Fraktionsvorsitzenden Erik Schweickert gehörig in Fahrt: „Wenn irgendwo eine Schneeflocke runterkommt, wird das als gerngesehene Ausrede genutzt.“ Die Probleme mit der Müllentsorgung hätte es auch schon so gegeben:

„PreZero ist ein Problem.“

Außerdem bemängelte Schweickert, dass Stephan sich nichtöffentlich zur künftigen Kommunikation mit PreZero äußern wollte. Schließlich treibe das Thema die Leute um. Außerdem sei der Enzkreis natürlicher Ansprechpartner beim Thema Müll – auch wenn er bei bestimmten Müllarten Formal gar nicht zuständig sei. Aktuell informiert die Enzkreis-Abfallwirtschaft beispielsweise über Verzögerungen bei allen Müllarten.

Dem Drängen auf Öffentlichkeit gab Landrat Bastian Rosenau dann doch ein bisschen nach. Künftige Gesprächstermine fänden auf höhere Ebene statt: „Im Fall des Enzkreises bei mir.“ Und auch mit PreZero werde künftig auf einer höheren Ebene kommuniziert. Welche das sein soll, blieb zumindest in öffentlicher Sitzung ungesagt. Das gilt im Übrigen auch für die Frage, welches noch schärfere Schwert der Kreis zur Not aus der Scheide ziehen könnte. Dass es eines gibt, das ist seit Montag klar – und auch, dass sich das Landratsamt öffentlich noch nicht gänzlich in die Karten schauen lassen möchte.

Dass die Diskussion, die eigentlich nur unter dem Tagesordnungspunkt „Verschiedenes“ aufgepoppt war, nicht jeden im gleichen Maße umtrieb, wurde am Montag auch deutlich. Tauchten die einen Kreisrätinnen und Kreisräte voll in die Thematik ein, schauten andere eher belustigt zu. Für letztere „Gruppe“ sagte CDU-Kreisrat Martin Reinhardt, dass dies jedes Jahr und gerade zum Jahresende hin immer wieder passiere.

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