Kämpfelbach
Kämpfelbach -  06.08.2026
Artikel teilen: Facebook Twitter Whatsapp

Gräber in Kämpfelbach geschändet: Es mangelt an Respekt vor den Toten und den Lebenden

Kämpfelbach. Unbekannte haben gleich mehrere Grabstätten in Ersingen und Bilfingen beschädigt und Teile gestohlen. Betroffen war auch das Grab des ehemaligen Feuerwehrabteilungsleiter – und das einer 17-Jährigen.

Im Gedenken gestört: Christa Spiegel (rechts) steht gemeinsam mit Tochter Michaela Kunzmann und Enkel Silas am Ersinger Grab ihres Mannes Peter. Dieses wurde am Wochenende geschändet.
Im Gedenken gestört: Christa Spiegel (rechts) steht gemeinsam mit Tochter Michaela Kunzmann und Enkel Silas am Ersinger Grab ihres Mannes Peter. Dieses wurde am Wochenende geschändet. Foto: Nils Gundel

Ein Mann steigt eine Leiter hinauf, auf dem Boden unter der Leiter liegt eine Uniform, der Feuerwehrhelm zuoberst. In Buntmetall gegossen stellte diese Figur eine Ehrung seiner Familie an den 2023 verstorbenen, ehemaligen Ersinger Feuerwehrabteilungsleiter Peter Spiegel dar. Stellte, Vergangenheitsform: Denn seit dem Wochenende fehlt die Figur auf dem Ersinger Friedhof. Sie wurde aus dem Grabstein gebrochen; was bleibt, ist ein abgeflexter Metallstift im Stein und Reste der Klebestelle. Auch ein Eck des Grabsteins war abgebrochen.

„Mein Papa war Feuerwehrmann durch und durch. Die Figur war als letzte Ehre nach einer händischen Zeichnung extra für ihn angefertigt worden“, sagt Tochter Michaela Kunzmann. Diese Ehre sei durch den Diebstahl verletzt worden. So sieht es auch Witwe Christa Spiegel: „Es geht mir nicht um den materiellen Schaden, sondern um den emotionalen.“ Sie weiß auch noch nicht, ob sie die Figur ersetzen lässt: Die Sorge, dass sie gleich wieder gestohlen wird, ist zu groß.

Von der Beschädigung und dem Diebstahl erfuhr die Familie am Dienstag und stellte noch am Abend eine Anzeige bei der Polizei. Inzwischen weiß die Familie auch, dass das Grab von Peter Spiegel nicht alleine betroffen ist: Je mindestens ein weiteres Grab in Ersingen und Bilfingen wurde ebenfalls geschändet. Die Diebstähle ereigneten sich wohl zwischen Freitagnacht und Montag. Angezeigt wurde laut Polizei bislang ein Fall.

Laut Polizeipressesprecher Adrian Mörgenthaler gab es in den vergangenen zwölf Monaten insgesamt zehn Metall-Diebstähle auf Friedhöfen im Enzkreis: „Dabei wurden neben Dach- beziehungsweise Regenrinnen auch sakrale Gegenstände entwendet.“ Die Suche nach Verdächtigen gestalte sich meist schwierig, die Motive sind unklar. Aber gestohlen werde alles, „was nicht niet- und nagelfest ist und sich am Ende des Tages zu Geld machen lässt“.

Bei der Kämpfelbacher Gemeindeverwaltung kann man sich nicht daran erinnern, dass es solche Diebstähle je in diesem Ausmaß gab. Bürgermeister Thomas Maag findet das Ganze sehr bedauerlich und hofft auf eine rasche Aufklärung durch die Polizei – gerade auch mit Blick auf die Angehörigen der Verstorbenen. Schließlich handle es sich bei den Diebstählen um ein Eindringen in deren Intimsphäre. Den Tätern fehle es an jedem Respekt.

Vom Grab einer 17-Jährige gestohlen

Ebenfalls betroffen ist das Grab von Giada Campanozzi. Die 17-Jährige starb 2022 nach langem Kampf an einer schweren Krebserkrankung; ihr Schicksal beschäftigte über Jahre hinweg Menschen in der Region und darüber hinaus. Als ihre Mutter Franca Trotta das fehlen einer Edelstahlstatue auf dem Grab am Montagabend bemerkte, war sie „stinksauer“. „Fast hätte ich einen Post abgesetzt, aber der wäre nicht sehr höflich gewesen.“ Sie sei so wütend gewesen, dass sie gar nicht klar denken konnte. Direkt hinter dem Grab Giadas liegt das von ihres Vaters: „In bald 14 Jahren ist da nie etwas weggekommen.“ Und überhaupt habe sie so etwas in Ersingen noch nicht erlebt.

Kein Quäntchen Verständnis bringt sie für die Tat auf; weder für das Klauen generell aber insbesondere dafür, dass man sich bei den Toten bedient. Auch Trotta geht es nicht um den materiellen Wert der Statue: „Wir können schon nicht mehr viel für die Verstorbenen tun, außer es ihnen schön zu machen.“ Die Statue habe die Schwester von Giada, Siria, online rausgesucht. Dann wird sie grundsätzlich: „Ich möchte mich nicht an sowas gewöhnen, weil ich noch an die Gesellschaft glaube.“ Bislang sei sie immer ohne Furcht abends zu den Gräbern gegangen. Jetzt schleiche sich plötzlich der Gedanke ein, was wohl passiert, wenn sie jemanden auf frischer Tat ertappe. Und: „Wegen solchen Idioten bleibt allen anderen etwas verwehrt.“

Ihr gehe es jetzt darum, die Leute für solche Fälle zu sensibilisieren. Und Kunzmann erzählt: „Nachdem ich unseren Fall online gepostet habe, habe ich viele Rückmeldungen bekommen. Die Leute sind dann erstmal auf den Friedhof gegangen und haben geschaut, ob an ihren Gräbern etwas fehlt.“

VG WORT Zählmarke